Vater und Mutter ehren !?

Audioversion


In unserer heutigen Gesellschaft hat der Begriff „Volljährigkeit“ eine eigentümliche Bedeutung erhalten. In der gegenwärtigen Zeit bedeutet das Erwachsen-Sein im Sinne der Volljährigkeit: Man bekommt eine Menge Rechte und kann selbst entscheiden. Dies ist eine weitere Umkehrung der Wirklichkeit. Erwachsen-Werden bedeutet, dass man Verantwortung und Pflichten bekommt, aber vor allem nicht, dass man das Recht hat, sich von dem zu lösen, was einen früher gebunden hat. Respekt und Autorität der Eltern gelten genauso wie vor der Volljährigkeit. Es heißt nicht: „Ehre deinen Vater und deine Mutter, bis du volljährig bist“, sondern es gilt absolut, auch wenn man schon 80 Jahre alt ist und Vater und Mutter nicht mehr leben.
Doch die Gesellschaft kennt den Bruch, die Loslösung vom Bisherigen, hat den Egoismus und sucht seine Rechte. Man emanzipiert sich, so wie die awodah sarah [hebr. für Götzendienst, wörtl. „Dienst am äußeren Kreis“] sich von Gott emanzipiert hat [gemeint ist, dass der Mensch sein inneres Zentrum verlässt und nur noch nach äußeren Gesichtspunkten agiert.]. Die Gesellschaft folgt diesem Ansatz. Moderne Menschen brechen die Bindung an die Eltern, an das Vorherige, also eigentlich auch an Gott. Die Eltern sind immer höher und damit näher bei Gott. Keine Volljährigkeit kann das aufbrechen.

→ weiterlesen

Geburt und Tod

Zwei Geschichten, die Tod und Geburt aus dem Blickwinkel von Schiffen darstellen, die in den Hafen fahren oder diesen verlassen.

Ein Schiff segelt hinaus und ich beobachte wie es am Horizont verschwindet. Jemand an meiner Seite sagt: „Es ist verschwunden.“
Verschwunden wohin? Verschwunden aus meinem Blickfeld – das ist alles.
Das Schiff ist nach wie vor so groß wie es war als ich es gesehen habe. Dass es immer kleiner wird und es dann völlig aus meinen Augen verschwindet ist in mir, es hat mit dem Schiff nichts zu tun.
Und gerade in dem Moment, wenn jemand neben mir sagt, es ist verschwunden, gibt es Andere, die es kommen sehen, und andere Stimmen, die freudig aufschreien: „Da kommt es!“ Das ist sterben.

Charles Henry Brent  * 1862   † 1929
→ weiterlesen

Zerbruch um der Vereinigung willen

Audio-Version


Das Kommen nach Ägypten ist identisch mit dem Zusammenkommen von Joseph und Juda. Deshalb wird das Wort wajigasch (und er näherte sich) gebraucht.
Wir lesen davon in 1. Mo 44:18

Da trat Juda zu ihm (Joseph) und sprach: Bitte, mein Herr, lass doch deinen Knecht ein Wort reden zu den Ohren meines Herrn, und es entbrenne nicht dein Zorn gegen deinen Knecht, denn du bist wie der Pharao.

Dieser Vers beginnt mit dem Wort „wajigasch“, 6-10-3-300, übersetzt: „er tritt hinzu“ bzw. „er naht sich“. Das verwendete Verb lautet nagasch, 50-3-300. In anderer Reihenfolge wird daraus goschen (Gosen), das ist der Ort, wo Israel wohnt. Wenn der Ort zum ersten Mal in der Bibel erwähnt wird, finden wir ihn direkt zusammen mit einem weiteren Begriff für „näherkommen“, nämlich kerev, 100-200-2 (davon Korban, „Opfer“).

→ weiterlesen

Mit jeder Schale wächst die Dunkelheit

Mit Beginn der Schöpfung bilden sich immer mehr Schalen um den Kern. Plastisch dargestellt bedeutet dies auch, dass das Urlicht, die Urkraft des Kerns immer mehr verdunkelt wird, so dass am Ende fast nichts mehr von der Kraft und vor allem vom Licht aus dem Inneren an der Oberfläche zu sehen ist. Die Kraft innen erzeugt natürlich eine immer stärkere Gegenkraft an der Oberfläche; das Licht, das am Anfang durchschien, wird immer mehr verdunkelt. Vergleiche z.B. die ständige Veränderung des Niveaus, also das ständige Herabgehen, das ständige Sich-Entfernen vom Kern in den Zyklen Sinai – Erster Tempel – Zweiter Tempel – Thannajim – Amorajim – Geonim – Gedolim – Chassidim – Jetzt*.

→ weiterlesen

Gott bewahrt den Bund dennoch

Das hebräische Wort berith, 2-200-10-400, Bund, wird insbesondere für den Bund zwischen Gott und dem Menschen verwendet. Er besteht darin, dass der Mensch im äußeren Kreis sich mit Gott im Inneren, im Zentrum verbindet und dadurch bestehen bleibt. Dieser Bund ist die Grundlage für den Menschen, ohne welchen er beziehungslos in der Außenwelt herumirren würde. Gott ist diesem Bund zeitlos treu und selbst wenn die Menschheit nichts mehr davon weiß, wird er diese Verbindung bestehen lassen und die Versorgung von innen heraus weiter gewährleisten. Deshalb sagt Gott auch, dass er sich sogar dann, wenn alles vergessen ist, an seinen Bund mit Abraham, Isaak und Jakob erinnern wird.

→ weiterlesen