Die verschmähte Braut

Audioversion


Es war einmal ein frommer Chassid, der oft zum Rabbi Israel von Kozienice, den man gewöhnlich der Kozienicer Maggid nennt, zu fahren pflegte; und der heilige Rabbi liebte ihn sehr. Der Mann hatte keine Kinder, und er bat oft den Rabbi von Kozienice, er möchte ihm vom Himmel Kinder erflehen. Der Rabbi gab ihm aber darauf niemals Antwort. Die Frau dieses Mannes war darob sehr betrübt, und sie sagte immer, ihr Leben sei ihr nichts wert, wenn sie keine Kinder hätte. Und sie erklärte sich bereit, alles zu tun, was der Rabbi ihr auferlegen würde; doch der Rabbi sagte gar nichts. Als der Chassid einmal wieder aus Kozienice zurückkam, fing die Frau zu weinen an und sagte, sie wolle weggehen und in der Welt herumirren, wenn der Mann vom Kozienicer Maggid nichts erreichen würde. Und sie weinte so lange, bis der Mann wieder nach Kozienice fuhr und dem Maggid sagte, er könne das Weinen seiner Frau nicht länger aushalten, es durchbohre ihm den Kopf; er werde nicht eher heimfahren, als bis der Maggid ihm endlich einen Bescheid geben würde. Und der Maggid sagte ihm: »Wenn du bereit bist, dein ganzes Vermögen zu verlieren, kannst du Kinder haben.« Und der Chassid antwortete darauf: »Ich will erst meine Frau fragen.« Er fuhr nach Hause und erzählte seiner Frau, was ihm der Maggid gesagt hatte. Die Frau sagte: »Was taugt mir der ganze Reichtum, wenn ich keine Kinder habe! Ich will lieber arm an Geld und reich an Kindern sein.« Der Mann fuhr wieder nach Kozienice und meldete dem Maggid die Antwort seiner Frau. Der Maggid befahl ihm, nach Hause zu fahren, sein ganzes Vermögen zu holen und wieder zurückzukommen. Dann werde er ihm sagen, was er weiter tun müsse.

→ weiterlesen

Die Einheit von innerer und äußerer Hilfe

Audioversion mit Ergänzungen


Wenn man Menschen helfen will, die in Schwierigkeiten stecken, entsteht oft das Dilemma, wie die Hilfe eigentlich vonstattengehen könnte. Hilft man nur materiell, könnte man sich den Vorwurf machen, dass der Betroffene noch etwas anderes bedarf und eine rein materielle Hilfe nicht unbedingt menschlich ist. Bspw. denke ich an eine Erkrankung, die mittels Medikamente gelindert werden kann. Diese Medikamente haben weder mit der Einstellung noch mit dem Charakter des Arztes zu tun, ja könnten sogar von einer Maschine verordnet und verabreicht werden.
Andererseits ist es möglich, durch ermunternde Worte oder das Zeigen von Interesse zu helfen. „Ich werde für dich beten“, wird oft als billig empfunden und in der Tat hat ein Kranker oder Armer herzlich wenig davon. Ebenso wenig hilft es, einem Betroffenen die Wichtigkeit des Lebens vor Augen zu stellen und ihn darauf hinzuweisen, dass die Gesundheit eben nicht alles und Reichtum doch bedeutungslos ist. Dann würde er sicher sagen: „Wenn ich gesund und reich wäre, hätte ich die Möglichkeit, das selbst zu beurteilen.“ Im Grunde empfindet ein Mensch es als Demütigung, wenn ihm nur materiell geholfen wird.

→ weiterlesen

Haflaga – Spaltung im Tal

Seele und Körper werden getrennt

Freie Audioversion mit Erläuterungen


Das dor ha-flaga (die Generation der Spaltung) wollte den Himmel mittels spezifischer irdischer Materialien erobern, was zu dessen Teilung und Spaltung führte. Das ist eine sehr wichtige Phase in der Geschichte der Welt und ebenso in der persönlichen Geschichte jedes Menschen. Bevor dieses Ereignis stattfand, war die ganze Welt 1; die Sprache war 1 und die Worte waren 1, wie in 1. Mose 11 ausdrücklich erzählt wird. Der Sinn der Dinge war also sofort offensichtlich, und es konnte kein Missverständnis über die Natur der sichtbaren Welt geben. Dann aber, so wird erzählt, wanderte die Menschheit aus dem Osten ein.

→ weiterlesen

Der spielende Mensch

Audioversion mit Erläuterungen


Höhere Tiere wissen, wie man spielt. Das Spielen ist nämlich eine Abweichung von einem Weg, der nur eine Linie kennt. Alles in der Natur folgt einem Trieb, der in die Schöpfung hineingelegt wurde; anders würde nichts funktionieren. Schwerkraft kann nur Schwerkraft sein, Wasser kann nur Wasser sein. Die weißen Blutkörperchen tun ihre Arbeit und weichen nicht davon ab. Fische und Vögel ebendesgleichen.
Aber je höher das Tier [aus biologischer Sicht] kommt, desto mehr beginnt man zu entdecken, dass es manchmal etwas tut, was auf den ersten Blick keinen Sinn ergibt. Es wird manchmal, von utilitaristischen Motiven getragen, gesagt, dass das Tier bestimmte Eigenschaften trainiert, aber dann wäre es töricht anzunehmen, dass zum Beispiel Menschenaffen das Bedürfnis haben, Dinge auszuüben, die sie nicht brauchen.
Es geht darum, sich dem Menschen in dem Bereich zu nähern, wo er die Wahl hat, etwas zu tun oder nicht zu tun, wo er die Alternative hat und sich dessen bewusst ist, dass er wählen kann.
Der Mensch ist das Wesen, das auf dem Weg der Welt, dem Weg, der sich in zwei Teile teilt, die Sphinx findet, die ihn nach dem Sinn fragt, denn der Mensch steht in der Welt der Zweiheit immer an einer Weggabelung.

→ weiterlesen

Der Einfluss Europas auf Asien und Afrika

Audioversion

Die Gedanken der Thora machen es unmöglich zwischen verschiedenen individuellen Menschen, zwischen Völkern und Rassen einen prinzipiellen Unterschied zu machen. Denn deutlich erzählt Gott, dass alle Menschen von einem einzigen Menschen abstammen. Niemand kann sich auf ein höheres Niveau berufen oder sich dessen rühmen besser zu sein als ein anderer, denn bei der Wurzel treffen sich alle.
Die Heiden unterscheiden sich in diesem Punkt sehr deutlich. Sie kennen verschiedene Kasten, Rassen, Nationen und Religionen, weil sie die Rückkehr zur „Eins“ nicht kennen. Sie kennen weder bei Gott noch beim Menschen die Eins und das schließlich alles in der Eins wurzelt und dass der Mensch der sichtbare Ausdruck dieser Einheit ist.
Die Pflanzen und Tiere wurden von Beginn an in Vielheit geschaffen, doch der Mensch wurde als „Wesen der Eins“ geschaffen. Deshalb repräsentiert ausschließlich der Mensch die Eins in dieser [sichtbaren] Welt.

→ weiterlesen