Friedrich Weinreb in Biblische Porträts

So sind die Geschichten der Bibel für mich nicht Geschichten, »wie es in früheren Zeiten einmal war«. Damit leugneten wir den Samen des Ewigen im Leben. Die Bibel erzählt davon, wie Gott die Welt und ihre Entwicklung sieht. Deshalb spricht man vom »Heiligen Geist«, der die Worte der Bibel in die Welt bringt. Es gibt auch »böse Geister«. Von ihnen gehen andere Erzählungen aus. Wie man das unterscheidet? Ich glaube, wenn man etwas von Liebe, von der Liebe um des anderen willen spürt, dann unterscheidet man auch.
Eine Formel, eine Technik, wodurch man es feststellen könnte, schaltete die Liebe aus. Der Liebende findet sein Gegenüber, indem er liebt. Das ist das Geheimnis der Liebe. Davon aber redet man nicht, denn ein Geheimnis lebt nur, wenn es keusch bewahrt bleibt. Die Bibel als Heiliges kann man deshalb nur in seiner eigenen Intimität erkennen. »In deinem Herzen, in deinem Munde.« Nicht in räumlicher Distanz, nicht »jenseits der Meere«, nicht in einem abstrakten, kalten Begriff: »Wer wird in den Himmel steigen?« Die den Turm zu Babel bauten, wollten in den Himmel steigen. Ich suche nach dem Heiligen nicht in der Weltgeschichte oder in nationalen Geschichten. Dort stößt man am Ende doch immer nur auf Affen oder andere Primitive. Ich frage mich vielmehr, wo die Mythen, die Sagen, die Legenden herkommen.
Ich glaube, dass der Mensch von Gott kommt. Seien wir also wieder Kinder Gottes.