Friedrich Weinreb in Das Opfer in der Bibel

Ein Berg in dieser Welt gilt immer als ein Ort, wo ein anderer Zustand herrscht, wo sich ein konzentriertes Geschehen abspielt. Wenn etwas Großes geschieht, äußert sich das hier immer als Berg, als Gebirge. Man >dient< auf einem Berg, weil dort etwas Großes geschehen ist, zum Beispiel auf dem Berg Sinai. Vom Berg Sinai heißt es einerseits, er sei der größte aller Berge, andererseits, er sei der kleinste, fast unsichtbar, so bescheiden. Und doch ist er gewaltig groß. Er ist eben beides. Was hier als Berg erscheint, weist auf ein konzentriertes Geschehen hin. An so einem Ort geschehen besondere Dinge. Aber, heißt es, diene niemals einem Berg, das will sagen, unterwirf dich großen Ereignissen nicht, erkenne sie nicht als solche an. Gott wird dir sagen, welcher Sache du dienen sollst, denn es gibt nur eine große Sache. Du hast nur zu gehen. Es ist derjenige Berg, dasjenige Ereignis, das Gott dir zeigen wird. Von hier aus kann man es nämlich nicht sehen, von hier aus ist es noch vollkommen unsichtbar.