Friedrich Weinreb in Das Buch von Zeit und Ewigkeit

Was geht eigentlich in den Köpfen der Menschen vor, dass sie sich so verrückt benehmen? Sie lassen sich in einer Kapsel einsperren und auf den Mond schießen. Auf der Kirchweih kann ich mir das vorstellen, aber dass man so etwas wirklich tut? Was geht in ihren Köpfen vor? Wohin soll das noch führen? Ja, wir erfinden Theorien und so weiter, und bald fangen wir an, den Mond zu kolonisieren. Man muss sich nur einmal klar machen, was es dort für Möglichkeiten gibt! Es wird immer verrückter. Und es kostet Milliarden. Wozu? Vielleicht findet sich das eine oder andere unbekannte Mineral, damit man noch etwas Verrückteres anstellen kann. Es ist ein Zustand, der am Anfang ganz akzeptabel war. Da war noch Idealismus mit im Spiel. Aber jetzt ist das auch vorbei. Jetzt hat es nichts mehr mit Idealismus zu tun. Wohin führt das also alles? Es ist eine Voraussetzung für das Kommende.
Erst muss der Zustand entstehen, worin Abel getötet wird, damit seine »neschamah« in Mose zurückkehren kann. Man nennt dies das Erlösen des Funkens, der im Bösen steckt. Denn wie kann das Böse erlöst werden? Es kann dadurch erlöst werden, dass wir begreifen, wozu es da war. Dass es gut war, dass es so kam. Dadurch erlöst du es. Nicht, indem du mitmachst und sagst: »Ich begreife diese Zeit sehr gut, die so verrückt spielt. Wartet nur ab, wir stehen schon an der Grenze eines neuen Tages.« Sondern: »Ich weiß, dass das alles nur möglich ist, weil die Seele weg muss – das, was nicht mitzählt, auf das man mit einem leichten Schauder blickt und über das man lieber nicht spricht. Nicht die Seele der Psychologen, sondern das, was unserer Welt gegenübersteht. – Ich begreife jetzt, warum das weg musste, aber es ist entsetzlich, in so einer Zeit zu leben, denn ich kann mit niemandem mehr reden. Jemand, der keine Seele hat, begreift mich ja nicht. Ich kann es zwar noch einmal versuchen – aber er nickt, er gähnt, er schläft ein. Er denkt nur: Wie komme ich hier raus? Wenn er doch endlich den Mund halten würde! Das ist das Schlimme: Du kannst nicht mehr reden. Es ist, wie wenn du türkisch mit jemandem sprächest, der kein Wort türkisch versteht. Es ist ein vollkommenes Unbegriffen-Bleiben, ein Nicht-verstanden-Werden. Wenn du das erlebst, sagst du: Ja, ich begreife schon, es ist diese Zeit. Ich weiß, woher es kommt, und dass es jetzt ganz schlimm ist«. Deshalb heißt es auch, dass es am Ende der Zeit sehr schwierig ist, einen einzigen Menschen unter den Milliarden zu finden, weil es dann nur sehr wenig Menschen mehr gibt. Das Andere ist getötet. Nur das Äußerliche ist noch da, und das zählt. Man züchtet Generationen, die nur noch das kennen. Sie werden nicht nur in den Schulen so erzogen, sondern sie sind von vornherein zu beinahe nichts anderem mehr zu gebrauchen. Was sind das bloß für Geschöpfe? Es sind Geschöpfe des Endes, Dämonen, die hier herumirren, die hier sein wollen. Wesen, die sehr stark sind und eigentlich nichts anderes können als dem Erfolg nachzulaufen. Das ist die Dämonie des Endes. Aber diese Dämonie muss da sein, damit der folgende Tag aufs Neue geboren wird.