Friedrich Weinreb in Schöpfung im Wort

Die Frau soll und darf vom Mann nicht unterdrückt oder verachtet werden. Das würde bedeuten, daß die Seele im Leib keinen anderen Zweck sieht, als ihn zu unterdrücken. Dazu hat Gott die Schöpfung nicht gemacht. Gott hat die Materie in all ihrer Schönheit und ihrem Variationsreichtum, in ihrer Kraft und ihrer Verführung gemacht, um sie zu heiligen, um sie bis in die kleinsten Teilchen harmonisch mit dem Menschen zu verbinden, damit so diese Harmonie ihren Platz in der großen Harmonie mit Gott wiederfinde. Wer die Frau verachtet, verwirft im Grunde den ganzen Sinn der Schöpfung, wirft sich zu einer alles besser wissenden Gottheit auf und kritisiert und tyrannisiert seine Umgebung. Darum muß die Frau, genauso wie die Schöpfung Gottes, geachtet werden. Der Mann muß in der Frau gerade dasjenige sehen, was es ihm ermöglicht, die Einswerdung zu vollbringen. Die Bibel drückt das in Genesis 2,18 mit >eser kenegdo< aus, wörtlich übersetzt >eine Hilfe ihm gegenüber<, d.h. die Möglichkeit, die Einswerdung der ganzen Schöpfung mit Gott wieder herzustellen. Bei dieser Einswerdung hat die Frau eine ebenso wichtige Aufgabe wie der Mann. Sie muß ihre Persönlichkeit so einsetzen, daß das Ziel, die Einswerdung der Schöpfung mit Gott, erreicht werden kann. Weil man den Sinn der Schöpfung falsch verstanden hat, weil sich die uns schon geläufige Meinung durchgesetzt hat, die Welt müsse sich gemäß den aus eigener Erfahrung und Wahrnehmung aufgestellten Maßstäben nur immer weiter entwickeln, ist auch ein ganz schiefes Bild im Hinblick auf die Stellung der Frau in dieser Welt entstanden.