Ursprache

Das Wort als Mittler der Welten

Die Einteilung der Buchstaben im hebräischen Alphabet

Gerne möchte ich eine Anfrage zu diesem Thema öffentlich beantworten. Die folgenden Ausführungen sollen und wollen lediglich eine Annäherung darstellen. Um zu einem tiefergehenden Verständnis zu gelangen muss man sich intensiv damit auseinandersetzen. „On-The-Go“, wie man heute sagt, wird sich der innere Reichtum dieser alten Mitteilungen nicht erschließen. Wer sich aber aufmacht diesen Weg zu gehen, wird eine völlig neue Verbindung zum Leben selbst erhalten. Die jenseitige und die diesseitige Welt verbinden sich im Menschen selbst. Auch das Neue Testament folgt dieser Einteilung des hebräischen Alphabets. Die dort angegebenen Zahlen und Zahlenverhältnisse versteht man, wenn man mit den Mitteilungen des alten Wissens vertraut ist. Aufgrund dessen erkannte Friedrich Weinreb direkt die Einheit von Neuem und Altem Testament, wie er einmal selbst sagte.

Die Einteilung des hebräischen Alphabetes in drei Gruppen basiert auf dem Sepher Jezirah, dem Buch der Schöpfung. Weder kann man selbst darauf kommen noch es direkt aus der Bibel ableiten. Aus der Kenntnis dieser Einteilung erschließen sich Zusammenhänge, die ohne deren Kenntnis nicht zu finden wären. Wenn man so will, erhält man dadurch einen Schlüssel zur Innenwelt des Wortes. Mit dem Hineingehen ins Wort erkennt der Mensch ganz “automatisch” die Verbindungen des Wortes und der Sprache zu sich selbst, weil er selbst nach diesen Prinzipien “aufgebaut” ist. Hier ein Zitat Weinrebs aus dem Buch „Zeichen aus dem Nichts“:

Nach alter Überlieferung werden die 22 Zeichen unterteilt in 3 Mütter (auch Väter-) Buchstaben, 7 doppelte und 12 einfache; die Prägung in 3-heit, 7-heit und 12-heit findet sich überall in der Welt und im Menschen wieder. Das alte Wissen kennt u.a. 7 Tage der Woche, 7 Planeten (wobei die Sonne als Planet zählt), 7 Fruchtarten, 7 Metalle, 7 Väter, 7 Öffnungen des Hauptes; in 12-heit erscheinen u.a. die Tierkreiszeichen, die den 12 Söhnen Jakobs entsprechen, die Monate des Mondjahrs, die »Organe« des Menschen; die grundlegende 3-heit zeigt sich u.a. in der alten anatomischen Sicht, die den Menschen in Haupt, Brust mit dem Rumpf bis zum Zwerchfell und Unterleib einteilt. Aus der unendlichen Fülle symbolischer Entsprechungen, die mit jedem Zeichen aus dem Nichts aufgerufen werden, sind im Folgenden vor allem diejenigen angedeutet, welche die Zugänge zur Tiefendimension von Dieter Francks Aquarellen erschließen helfen.
Vielleicht geschieht es, daß dadurch ein Betrachter unversehens ins weite Feld des eigenen Erlebens gerät und ihm eine Tür sich öffnet, von der er – um mit Joseph Roth zu sprechen – »die ganze Zeit gedacht hatte, sie wäre keine Tür, sondern ein Teil der Mauer, die ihn umgab«.

Und dann noch einige Passagen aus dem Buch „Die Symbolik der Bibelsprache“:

Der erste der 7 Doppelbuchstaben ist beth, gesprochen: b oder we. Es folgen gimel, daleth, kaf, pe, resch und taw, also die Zahlen 2, 3, 4, 20, 80, 200 und 400. Nicht bei allen drückt sich die Doppelheit auch in zwei Aussprachemöglichkeiten aus, so können wir bei den Doppelbuchstaben gimel, resch und taw keine Unterscheidung in der Aussprache feststellen. Aber die Buchstaben sind eben nicht nur Buchstaben! Weil es z.B. beth gibt, gibt es in der Welt die Sonne, anders ausgedrückt: die Sonne hat mit dem beth zu tun. Natürlich könnten wir niemals aufgrund eigener Erfahrungen feststellen, daß dem so ist, wir sind dafür ganz auf die Offenbarung angewiesen. Nimmt man es aber von daher an, so sieht man es nachher auch bestätigt. (…)
Beth ist auch der erste der sieben Tage, der Sonntag, der Tag der Sonne, mit der die Welt beginnt. Der zweite Tag, der Montag, ist zugleich der zweite der sieben Doppelbuchstaben, gimel. Gimel, uns bisher nur bekannt als Kamel, ist noch viel mehr. In seiner Grundbedeutung bezeichnet das Wort den Reichtum des Ganzen, der Summe. Gemeint ist nicht ein Reichtum an Geld, sondern an Fähigkeit, alle Erscheinungen der Welt zu besitzen, die Fülle zu kennen und zu genießen, Verbindung mit allem zu haben, weil man erkannt hat, daß alles mit dem Menschen zu tun hat. Wer dies hat, fühlt sich nicht isoliert und klein, sondern im Besitz der ganzen Welt als eines göttlichen Geschenks. Das ist im Menschen auch sein linkes Auge. Beth und gimel sind also die beiden Augen des Menschen. Gimel ist zugleich auch der Mond, d.h. weil bei Gott der Buchstabe gimel existiert und der menschliche Laut g vorhanden ist, existiert der Mond. Wenn wir also in irgendeinem Wort ein g aussprechen, haben wir nach dieser Seite hin Verbindung. Das ist freilich eine ganz andere, uns bisher unbekannte Welt, die sich da auftut. Der dritte der doppelten Buchstaben, daleth, ist der Begriff der Fruchtbarkeit, des Sich-mehrens, pru-urewu (s. Genesis 1,28). Daleth bezeichnet die Möglichkeit, die Existenz zu behaupten und durch die Vielheit wieder zur Einheit zu gelangen. Dargestellt wird es im Menschen durch sein rechtes Ohr. Das ist der Begriff modajim, d.h. Mars oder Streit. Das Wort Mars zeigt die Zweiheit, den Gegensatz, nicht auf – wohl aber das entsprechende hebräische Wort mit seiner Endung -ajim.
Wir fangen an zu begreifen, daß das Wort auch im Menschen selber vorhanden ist. Die Buchstaben bilden den Menschen, das Wort macht den Menschen. Gott schafft dadurch, daß er spricht. Buchstaben und Wörter sind also viel mehr als wir meinen.

Schematisch ergeben sich folgende Beziehungen (athbasch-, verborgener und voller Wert bleiben hier unberücksichtigt):

Mutterbuchstaben

Aleph Mem Schin
Position im gesamten Alphabet 1 13 21
Zahlenwert 1 40 300
Position bei den Mutterbuchstaben 1 2 3

Doppelbuchstaben

Beth Gimel Daleth Kaf Peh Resch Taw
Position im gesamten Alphabet 2 3 4 11 17 20 22
Zahlenwert 2 3 4 20 80 200 400
Position bei den Doppelbuchst. 1 2 3 4 5 6 7

Einfache Buchstaben 1-6

He Waw Zajin Cheth Teth Jod
Position im gesamten Alphabet 5 6 7 8 9 10
Zahlenwert 5 6 7 8 9 10
Position bei den einfachen Buchstaben 1 2 3 4 5 6

Einfache Buchstaben 7-12

Lamed Nun Samech Ajin Zade Kof
Position im gesamten Alphabet 12 14 15 16 18 19
Zahlenwert 30 50 60 70 90 100
Position bei den einfachen Buchstaben 7 8 9 10 11 12

 

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  1. Hermann Aistrich

    Vielen Dank für diese Buchstabentabelle mit den Positionen. Auch das kann ich im Volkshochschulkurs gut verwenden.

    Viele Grüße

    Ihr Hermann Aistrich

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