Im griech. Grundtext des NT werden für das Wort »Hölle« am häufigsten die Wörter »hades« und »gehenna« verwendet. Die Herkunft des Wortes Hades ist unklar. Das Wort wird in der griechischen Mythologie verwendet und bezeichnet dort sowohl die Unterwelt als auch dessen Herrscher. Beide werden Hades genannt. Interessanter ist, dass hauptsächlich dieser Begriff in der Septuaginta (griech. Übersetzung des AT) für das hebräische Wort »scheol« verwendet wird. Dieses Wort erzählt uns, was eigentlich gemeint ist:

Zur Verdeutlichung bediene ich mich der Schreibweise des Wortes in Zahlen: scheol wird 300-1-6-30 (schin-aleph-waw-lamed) geschrieben. Exakt gleich, nur anders ausgesprochen ist es »scha‘ul«, das ist der Name des ersten Königs Israels (Saul). Noch einmal: Saul ist als hebräisches Wort im Alten Testament vollkommen identisch mit scheol, das man mit »Hölle« übersetzt.

Scha‘ul bedeutet: Etwas, das man nimmt, um es zu gebrauchen und nach einer bestimmten Zeit zurückzugeben, ohne dafür bezahlen zu müssen; etwas, das man umsonst gebraucht, indem man es sich leiht. Denn »leihen« ist ebenfalls scheol. Dieses Wort hat auch mit dem Begriff »Frage« zu tun. Umschreiben könnte man es auch mit: »zu Leihen begehrt«. Scha‘ul, der erste König, der nach den acht Königen von Edom kommt (Genesis 36, 31-39), trägt in seinem Namen also den Begriff »Frage«. Auf die Frage des Volkes kommt dieser König; man begehrt einen König, und es erscheint ein »Geliehener«. Fragen, scho‘el, hat die gleichen Buchstaben, welche auch das Wort scheol bilden, die Unterwelt. Es ist die Welt der weitesten Entfernung von Gott. So wie bei Gott Freiheit herrscht, so herrscht dort vollkommene Erstarrung. Diese Erstarrung ist nicht irgendwann, sondern diese Erstarrung bringt die Frage: Wozu, warum, wie ist das nur möglich? Das ist scheol: Es gibt nur Fragen, und weil alles als erstarrt ohne jegliche Bewegung erfahren wird, gibt es keine Antwort. Es steht fest, dass es kein Entrinnen, keine Antwort gibt.

Erstarrung macht hart, gibt Stacheln, bringt Aggression, bringt Depression. Man versteht den Sinn des Gefangenseins in ein unverständliches Schicksal nicht. Und Hölle, scheol, die Frage, welche schon im Prinzip eine Antwort ausschließt, ist die destruktive, verrückt machende Frage. Es sind die Fragen, worauf man schon selber die Möglichkeit einer Antwort leugnet. Ein Leben voller Fragen, voller Kritik, voller Ablehnung. Praktisch zeigt sich das beim Menschen als Frust, dieses irdische Leben ertragen zu müssen. Nicht selten hofft man in christlichen Kreisen auf die “baldige” Wiederkunft des Messias, der das Elend mit einem großen Paukenschlag beenden möchte. Gott liebt diese Welt (Joh. 3,16).

Lust am Untergang beherrscht die Menschen, die sich hier in diesem Leben im Zustand der scheol (Hölle) befinden. Sie lassen sich auch dazu hinreißen, große Trübsale vorherzusagen. Hierin zeigt sich ihre Angst, die sie vor dem Ewigen haben. Die Betonung des bald eintretenden Gerichtes ist Ausdruck ihrer eigenen Angst und ihres Haderns mit Gott. Nur zu gerne werden die »Endzeitreden« Jesu in Mark. 13, Luk. 21 und Matth. 24 angeführt, um die eigenen dunklen Prognosen zu rechtfertigen. Sie drohen mit einer Hölle, weil sie selbst in selbiger festsitzen.
Was fehlt, ist die Antwort, deshalb scheol, Fragen über Fragen. Wolke, im Hebräischen anan, enthält im Wortstamm auch das hebräische Wort für Antwort, ana. Antwort und Wolke sind sich im Hebräischen ganz nah. Die Wolke hat keine feste Form. Groß, klein, hell, dunkel, dick oder dünn, stets sich verändernd, ähnlich wiederkehrend, aber niemals gleich. Wer denkt in diesem Zusammenhang nicht an Ananias, hebräisch Ananja, übersetzt Wolke Gottes oder Gott in der Wolke, welcher doch die Heilung des Paulus aus dessen Erblindung im Damaskus-Erlebnis bewirkt (Apg 9). Die Antwort gibt die Einsicht.
Das zweite griechische Wort im Neuen Testament für Hölle lautet gehenna. Dies stammt direkt aus dem Hebräischen: gej hinnom, das Tal von Hinnom, die Tiefe von Hinnom.

Hinneh, 5-50-5, bedeutet siehe!, sieh doch!; Hennah, gleich geschrieben, ist da, hier, hierher; Hannah, ebenfalls he-nun-he geschrieben, ist genießen, gefallen; Hanneh, das gleiche Wort, ist Genuss gewähren, schenken, genießen lassen.

Der Abschluss aber mit dem m, wie bei Hinnom, he-nun-mem, will sagen, dass diese Begriffe dann enden mit dem Aufgehen in der Zeit. Die mem, als 13. Zeichen des hebräischen Alphabets mit dem Zahlenwert 40, ist das Fließen der Zeit. Mem bedeutet Wasser und als Zahl dann auch die 40, womit Zeit gemessen wird. Am Ende eines Wortes wird die Mem als geschlossener Kreis gezeichnet (ם). Am Anfang und in der Mitte eines Wortes ist sie offen (מ).

Hinnom ist also das Hinabfließen mit der Zeit. Alles genießen, alles gefallen, Genuss schenken, verliert sich in der Zeit, folgt der Schwerkraft nach unten. Im Tal sammeln sich die Wasser. Damit verbunden ist auch der Begriff Abfall. Man folgt der Schwerkraft. Es geht hinab, wird immer dichter, konkreter, bedrohlicher. Freiheit ist dort unten nicht anzutreffen. Es ist auch das Sinnlose, die Tiefe, die Schwere des Sinnlosen. Das ist sprachlich Gehinnom, das Gej Hinnom, die Tiefe von Hinnom, woraus die Griechen gehenna gemacht haben.

Zusammenfassend beschreiben die beiden verwendeten Wörter für Hölle den Zustand des Menschen, der nur das Fließen der Zeit kennt und unfähig ist, Antworten auf die Fragen des Lebens zu finden. Diese sind nur in einer Umkehr zu finden. Diese geschieht nicht einmalig – wie im Christentum oft fälschlich gelehrt – sondern fortwährend. Er sieht sein Leben dahinfließen und im Empfinden der Vergänglichkeit und Sinnlosigkeit gelangt er in die Schwere der Tiefe mit der Folge der Schwermut und des Gedrückt-seins. Insbesondere die Offenbarung des Johannes wird gerne zitiert, wenn es darum geht, die Angst vor bevorstehenden Qualen zu schüren: Offb. 14,11 sei hier als die markanteste Stelle zitiert:

Und der Rauch ihrer Qual steigt auf von Ewigkeit zu Ewigkeit; und die das Tier und sein Bild anbeten, haben keine Ruhe Tag und Nacht, und wer das Malzeichen seines Namens annimmt.

Tag und Nacht? Wie kann es denn in einer behaupteten nachtodlichen Ewigkeit Tag und Nacht geben? Nein, die Bibel erzählt uns nichts von einem Leben nach dem Tod, es sei denn, man liest sie dem Buchstaben nach wörtlich. Das macht auch der Satan, der dem Worte nach ein Hinderer ist, gerne. Das “Ich aber sage euch” von Jesus weist unmissverständlich in die Innenwelt des Wortes. Dort finden wir alles, nicht zuletzt Frieden. Der Buchstabe tötet, bringt Streit und Besserwisserei hervor, und das seit vielen Centurien. Die Bibel erzählt, wie die Welt, wie der Mensch “konstruiert” ist. Du lebst schon immer und wirst immer leben. Der leibliche Tod beendet nur, was mit der leiblichen Geburt begann.