Friedrich Weinreb in Innenwelt des Wortes im Neuen Testament

Das Wort Kreuz ist im Hebräischen »zlaw«, 90-30-2. Es ist die Form der Vierheit zur Einheit. Aller Vierheit im Leben; der im Raum, in der Zeit, im Namen des Herrn, im Tetragramm also, der 4 Erz-Mütter (Sarah, Rebecca, Lea und Rahel), der 4 Erzengel (Uriel, Raphael, Michael und Gabriel) der 4 Wesen um Gottes Thron, der 4 Evangelien, der 4 Ecken der Welt, der 4 Ecken des menschlichen Kleides, der 4 Wenden im Leben. Die »4« enthält doch die »10« in sich  (4+3+2+1), da sie eigentlich das Äußerste ist, der Schluss vom Vorhergehenden, von der 3, 2 und 1. Mit der 4 ist es also die »10«. So ist in der »4« im Prinzip »alles« anwesend, die ganze Basis der »10«. Aber die Zeichen des Wortes »zlaw«, die Zade, die 90, die Lamed, die 30, und die Beth, die 2, geben im alten Brauch der Überlieferung dem ganzen Wort noch eine weitere, eine tiefere Dimension. Es ist hier nicht der Ort, dies jetzt weiter zu erörtern. Hier sei nur vermerkt, dass dieses Wort total, also die Namen seiner Zeichen ebenfalls berücksichtigend, mehr aussagt, als nur die Zahlen, die diese Zeichen auch sind, also mehr als nur die 90-30-2.
Denn das Zeichen 90 ist doch die Zade, der Fischhaken. Die »90«, die Zade ist das Geburtszeichen einer neuen Welt: Menschen aus dem Wasser, aus der Zeit gefischt. Deshalb das Fischesymbol im Christentum. Das Zeichen Zade, als Wort 90-4-10 geschrieben, ist also »104«. Lamed, das zweite Zeichen des Wortes »zlaw«, schreibt sich als Wort 30-40-4. Lamed ist im Prinzip ein »Ochsenstachel«, mit dem der Ochse, der Stier der erschaffenen Welt zur Bewegung angetrieben wird. Es ist auch das »Lehren« und »Lernen«, das zum Weg im Wort und mit dem Wort auffordert, natürlich im Menschen selber. Dieses Wort Lamed erzählt – zählt, wie wir auch sagen – »74«. Das dritte und letzte Zeichen von »zlaw« ist die Beth, 2-10-400, die »Haus« bedeutet. Das Haus ist die Welt, in der wir leben. Gekennzeichnet ist ein Haus durch die Dualität von Innen und Außen. Die Beth zählt, erzählt also die jenseitige Zahl 412.
Zusammen »erzählt« das Wort Kreuz, »zlaw«, 104+74+412=590; das ist der Begriff »stark«, »mächtig«, »gewaltig«, eben die Bündelung der »4« (ebenso wie wir das Sonnenlicht mit einer Lupe bündeln und verstärken können, bietet auch die Sprache diese Möglichkeit). Damit ist die Grenze der einen Seite erreicht; jetzt kann und wird sich die andere Seite manifestieren. »Takif«, 400-100-10-80, heißt dieses Wort im Hebräischen. Die Grenze dieses Lebens ist erreicht, die Zeit der Taufe, des Eintauchens ins Wasser, in die Zeit, ist vollendet; nun kommt die Taufe mit Feuer, dem Entgegengesetzten, die Taufe mit dem Heiligen Geist. Das ist es, was wir das Geheimnis des Kreuzes nennen: der Eintritt in ein neues Leben.

Nicht das traurige, dunkle Zeichen des Todes, das Petrus entrüstet ablehnt, sondern das Zeichen, dass jetzt erst das Gewaltige kommt, das Mächtige, Starke. Deshalb enthält das Wort »zlaw« in der Geschichte seiner Zeichen diese Mitteilung.

Diesseitig verstanden ist das Wort vom Kreuz demnach ein Ärgernis; jenseitig verstanden ist es eine Gotteskraft (1. Kor. 1,18).