Zweiter von sieben Vorträgen auf der Linzer Bibel-Tagung vom 13. – 15.04.2018. Beim Schöpfen zielt nach dem Durchleben der „2“ alles auf die „1“. So wird es im hebräischen Wort „bara“, 2-200-1, bereits deutlich sichtbar. Schöpfen ist Zwei-Machung. Aus dem Brunnen wird etwas herausgeholt, wird von der Quelle getrennt. „Bara“ hat als Gesamtwert die 203, ebenso wie „ger“, 3-200, der Fremdling. Denn fremd fühlen wir uns, wenn wir hier auf der Erde ankommen.

Als (Ge-)Schöpf(t)e empfinden wir einen starken Zug zurück zur Einheit, woraus alles stammt. Im Nicht-Finden werden wir er-schöpft, müde, ja sogar lebensmüde. Begeben uns in Lebensgefahr, weil wir suchen. Verfallen in Süchte, die nicht auf bewusstseinsverändernde Substanzen beschränkt sind, sondern x-beliebige Formen annehmen können: Karriere, Ruhm, Ehre, Extremismus, Sekten aller Art; stets drückt sich darin ein Sich-verloren-Fühlen aus. „Wer suchet der findet“, heißt es im Mittelteil des Dreiklanges von Bitten, Suchen und Anklopfen. Zunächst steht also das „zur Sprache bringen“ (bitten). Es muss ein von innen nach außen gebrachtes persönliches Anliegen sein wie es auch in Lukas 15,17 beim „verlorenen Sohn“ heißt: „Als er aber zu sich selbst kam, sprach er: (…)“. Ins Wort bringen was unser Anliegen ist, befreit, verschafft Klarheit darüber wessen man verlustig gegangen ist. Es ist zu finden! Es ist da! Ja, es war niemals wirklich weg. Durch das Er-Innern wird das Innere wach. Was wach wird, wird lebendig, steht auf, geht. Geht zurück zur „1“, erkennt, dass Anfang und Ende eins sind.

Um der Hauptsache willen ist um der Liebe willen. Liebe ist das Leben, welches die Einswerdung sucht. Dazu die Zwei, um der Liebe willen die Zwei.

Weinreb, Legende von den beiden Bäumen