Friedrich Weinreb in Schöpfung im Wort

Die Bibel ist nicht dazu da, um sich Bilder daraus zu machen, aber ebensowenig, um sich selbst ein Bild von diesen Personen einer bestimmten Zeit zu machen. Die Bibel ist der Ausdruck des Wesens der Welt, wie es in der Menschheit von ihren Anfängen bis zum Ende des Zyklus, der das Muster im Kern enthält, Form annimmt. Es gibt darum >nichts Neues unter der Sonne<. Überdies ist sie dann auch noch die Ausdrucksweise, wie sie Gott verwendet, wie Gott sie im Einklang mit dem Wesentlichen sieht.
Und unsere Aufgabe besteht dann auch stets in nichts anderem, als diese Ausdrucksweise in unseren Formen wieder auf ihr Wesen zurückzuführen, so wie wir alles in dieser Welt der Form, unseres Lebens, auf das Wesen zurückführen müssen. Bei allem, womit wir uns beschäftigen, müssen wir danach streben, diesen Weg zum Ursprung, zum Wesentlichen zu gehen. Diesen Weg muß man offen, ehrlich, voller Freude gehen. In jeder Phase des Lebens kann man durch Verstehen und Gutestun diesen Weg gehen.
Darum ist es so wichtig, auch Themen wie das vom >Knecht< in der Bibel in ihrer wesentlichen Bedeutung zu sehen. Es geht der Bibel nicht darum, die historische Entwicklung und die sozialen Bedingungen dieser >Knechte< zu untersuchen. Ganz gewiß hat es damals auch Knechte gegeben, und ich weiß nicht, ob sie sich glücklicher oder unglücklicher als die Mehrzahl der heutigen Menschen gefühlt haben. Immer aber hat es Menschen gegeben, die ihr Schicksal in Bezug auf das Finden des Lebenssinnes und des Weges, der dem Leben Sinn gibt, nicht selbst bestimmen konnten, sondern deren Los in dieser Hinsicht von anderen oder durch >die Umstände< bestimmt wurde. Diese Menschen konnten Arbeiter sein, Bauern, aber auch große Geschäftsleute, Millionäre, Minister, Könige, Wissenschaftler, Männer und Frauen. Unter all diesen gibt es Menschen, die vom Schicksal abhängig sind – und das sind wirklich die meisten –, und solche, die unabhängig sind.