Hebr. jom, 10-6-40. Die 6 in der Mitte, so wird gesagt, steht für den Menschen, der die 10 mit der 40 verbinden soll. Die 10 verhält sich zur 40 wie die 1 zur 4. Friedrich Weinreb bezeichnet das durch ihn bekannt gewordene »1-4 Prinzip« als Schlüssel zum Verständnis der Bibel. Nun stehen die Einer im alten Wissen für die Vergangenheit, die Zehner für die Gegenwart und die Hunderter (die im Hebräischen nur bis zur 400 gehen) für die Zukunft. Will sagen: In deinem Alltag, deinem Heute, noch genauer: Im jetzigen Moment, sollst du die Einheit vom Ewigen und dem Diesseitigen erkennen, dann ist dein Tag erfüllt und damit auch dein Leben. Verbindet der Mensch die 10 und die 40 nicht miteinander, indem er erkennt, dass jedes Geschehen im Sichtbaren aus dem Unsichtbaren hervorquillt und nicht menschlichen Kausaltheorien unterworfen ist, fällt die 6 in der Mitte des Wortes weg und es bleibt jam, 10-40, übrig. Das ist das Meer. Dort sammeln sich die Wasser im Unendlichen und es ist nicht genießbar. Das Trinken dieses Wassers erzeugt nur eine kurze Stillung des Durstes. Direkt im Anschluss kehrt das Verlangen nach Wasser mit umso größerer Kraft zurück. Ein treffendes Bild für die Spaßgesellschaft. Das Jagen nach dem Genuss bringt das Verlangen nach noch mehr Stimulanzien hervor. Das geht bis zur völligen Erschöpfung.

Doch es ist nicht nur die Genusssucht. Ebenso betrifft es auch das Bestreben, alles erklären zu wollen und zu müssen. Aus dem Begreifen scheinbarer Zusammenhänge folgt der Wunsch danach, die Dinge zu kontrollieren. Je mehr Kontrolle, desto mehr Zwang. Das eine bringt das andere hervor.

Auf uns übertragen: In der Selbstentwertung bzw. dem Nichtanerkennen der eigenen Verantwortung in diesem Leben hier – also dem Streichen der »6«, erscheint die Zeit unendlich, bedrohlich, und der Alltag, das Zeitgeschehen, ist ungenießbar.

Der moderne Mensch des Westens erfüllt hierzu, dadurch dass er sich der Technik und dem Verlangen nach äußerem Wissens unterwirft, leider alle Kriterien hinsichtlich der Streichung seiner selbst. Die sich daraus ergebenden Konsequenzen sind für alle sichtbar. Im Erkennen des eigenen Ursprungs werden auch der eigene Wert und die eigene Bedeutung für die ganze Welt erkannt. Dann ist das »heute«, der jom, erfüllt. Jedes »heute«.