Das hebr. Wort für umsonst, chinam, 8-50-40, kann man auch mit »ohne Ursache« übersetzen. Im Wort enthalten ist chen, 8-50, Gnade. Das gleiche Wort von hinten gelesen ist Noach (Noah), 50-8, der die Teba, die Arche, aus der Sicht der Zeitgenossen umsonst baut. Außer Gottes Geheiß gibt es keine plausible Erklärung für sein Unterfangen, eine Art Schiff auf dem Trockenen zu bauen. Ein weiterer Begriff für umsonst ist bechinam, 2-8-50-40, welches allerdings nicht in der Bibel vorkommt. Dafür finden wir ihn in der Überlieferung. Auch Weinreb verwendet ihn öfters (siehe Zitat unten). Bechinam ist in der Summe 100. Das ist der Wert für den Buchstaben koph, der gleichzeitig den Übergang in eine andere Ebene, die Ebene der Hunderter darstellt. Die koph steht auch für das Nadelöhr, das der nach Absicht handelnde Mensch (der Reiche) kaum durchschreiten kann.

Und es scheint, als ob das Tun umsonst wie eine Prüfung an uns herangetragen wird, denn in bechinam ist bachan, 2-8-50, enthalten, welches mit »auf die Probe stellen« übersetzt wird. Wir finden es mehr als zwei dutzend Mal im Alten Testament. Eine markante Stelle ist 1. Chronik 29,17:

Und ich weiß, mein Gott, dass du das Herz prüfst (bachan) und Wohlgefallen hast an Aufrichtigkeit (…)

Besteht des Menschen Prüfung darin, umsonst zu tun? Um uns herum sind es in erster Linie die kleinen Kinder, deren Fähigkeit zu berechnen noch nicht entwickelt ist, die imstande sind, wirklich umsonst bzw. absichtslos zu handeln. Im Dt. meint das Wort umsonst von seinem etymologischen Ursprung „könnte es nicht auch anders sein?“.
Das griechische Wort für umsonst lautet dorean. Als Hauptwort, dorea, ist es das Geschenk (der Frauenname Dorothea ist das »Geschenk Gottes«). Geschenk kommt von schenken und das wiederum von »zu trinken geben«. Wem fällt da nicht der Vers in Matth. 10,42 ein?:

Und wer irgend einem dieser Kleinen nur einen Becher kaltes [Wasser] zu trinken gibt in eines Jüngers Namen, wahrlich, ich sage euch: Er wird seinen Lohn nicht verlieren.

Eigentlich ist die Grundbedeutung von schenken »schief halten« oder auch krumm. Wenn wir im Dt. von einem »krummen Ding« reden, dann meinen wir »am Gesetz vorbei«, und genau hiermit nähern wir uns dem Kern. Schenken oder umsonst handeln sind Taten, die das Gesetz von Ursache und Wirkung ignorieren. Das ist für den westlichen Menschen eine Herausforderung. Durchbrochen werden kann es nur, wenn Gnade herrscht. Worin zeigt sich das Regiment der Gnade? Durch Freilassen. Das Gesetz fordert und knechtet – Gnade schenkt und lässt frei. Menschen, deren Tun durch das Umsonst gekennzeichnet ist, kann sich Gott nicht entziehen.

Glaubt doch, dass Einer, ein Einsamer, ein Verfolgter, alles bei Gott erreichen kann. Für die ganze Welt. Liebäugelt nicht mit den Mächten, schaut nicht auf weltlichen Erfolg, schaut auf biblischen Erfolg. Denn dann kommt vom Himmel für die Welt Hilfe, Rettung. Und man wird auf Erden gar nicht wissen, dass es von diesem oder jenem Einsamen kommt. Dieser Einsame tut es doch bechinnem (»bechinam«, umsonst), er freut sich, dass es geschieht, er gönnt der Welt, dass es geschieht. Im Himmel, im Ewigen sitzt er mit Gott, mit dem Moschiach (Messias) an einem Tisch. Das ist die Größe, die wir haben können.
(Friedrich Weinreb in Der biblische Kalender, der Monat Siwan)