Friedrich Weinreb in Wege ins Wort

Im Hebräischen ist Ewigkeit »olam«, das gleiche Wort, wie das Wort für Welt, wie das Wort für eine Gemeinschaft. Ist Welt also identisch mit Ewigkeit, dann ist das Leben in der Welt ewig. Zeit erlebt das Leben an der einen Seite der Dualität, Ewigkeit an der anderen Seite. Ehe zwischen Zeit und Ewigkeit bringt die Frucht des sich immer neu zum Leben erweckt Empfindens. Dieses Erwecktsein, dieses Wachsein gibt dem Leben den Reiz des Ewigen. Tod ist uns dann fern.
Nicht nur fern in der Zeit, sondern vor allem auch fern der Ganzheit unseres Lebens. So empfindet man sich wie träumend; das Leben vom Jenseits läßt uns unglaublich staunen: ist das alles tatsächlich wahr? Die Worte sagen es, man könnte es glauben. Man hat aber die Freiheit, es auch nicht zu glauben. Das macht das Leben und den Tod noch gewaltiger. Ist es in unserer Hand, zu glauben oder nicht zu glauben? Sind Leben und Tod auch in unserer Hand? Wer weiß. Wenn man es wüßte, wäre der Sinn vom Leben verloren. Es ist ein ewiges Erlebnis, diese Begegnung mit der Dualität des Lebens. Ewig und jetzt gegenwärtig. Das Jetzt birgt doch die Ewigkeit, und die Ewigkeit birgt das Jetzt. Und die Berge tanzen vor Freude, das Verborgene spielt und singt.