Der Erlösung geht die Finsternis voraus

Eine neue Phase kommt nicht, ohne dass eine Nacht vorausgeht. Zuerst muss es finster werden. Glaube nicht denen, die sagen, dass es jetzt wunderbar und schön werden wird, das waren und sind allzeit die falschen Propheten, die die Erlösung nur oberflächlich, also gar nicht, verstanden haben. Die echten Propheten der Bibel waren Skeptiker und Pessimisten, denen das Prinzip der Erlösung mitgeteilt wurde. So wie es in der Schöpfungsgeschichte heißt: „und es ward Abend und es ward Morgen …“, so durchzieht es sich im Kleinen und im Großen bei dem, was eine wirkliche Erlösung ist. Da ist kein „Schwupps und alles ist gut“. Unmittelbar vor einer Erlösung wirst du müde und träge werden, so wie der Mensch am Abend langsam spürt, dass ihm die Kräfte weichen und die Aufmerksamkeit nachlässt. Das Licht geht aus und man verliert den Überblick, niemand sieht mehr klar. Gott fädelt die Dinge exakt so ein, dass sie in eine Erlösung münden müssen. Dieses Schema zieht sich durch die ganze Bibel. Diese Nacht ist identisch mit dem Gehen ins Exil. Jetzt herrschen andere über dich, der Zwang intensiviert sich, es muss so sein, es geht nicht anders, aber du wirst es hernach verstehen.

Wenn du einschläfst, gelten andere Gesetze. Die Dinge um dich herum laufen wie von selbst ab, während du dich ausruhst, denn Erlösung bedeutet auch, dass du ausgeruht aufwachst und aufstehen kannst, und das kann man doch nur, wenn man zuvor geschlafen hat.
In der Nacht herrscht eine andere Kausalität, sie ist eigentlich die Wiederholung des Schöpfungsprozesses. Alle Erlösungsgeschichten sind deshalb Nachtgeschichten, in der der Mensch in seine linke Phase eintritt. Der 6. Tag, der an seinem Ende die große Auseinandersetzung mit sich bringt, dass Welten miteinander Krieg führen – und hier geht es in erster Linie um unsichtbare Welten, wenngleich es sich auch im Sichtbaren zeigen kann – endet, wenn es ganz finster ist, um Mitternacht. Dann schon beginnt der neue Tag, es ist noch dunkel, aber der Kampf ist vorbei. Beim Eintritt der Nacht sagt man dann das keriath schma schel mittá (das Schma Israel des Bettes): „Schma Israel HaSchem Elohenu HaSchem Echad“. Höre Israel, HaSchem Elokim ist EINS. Man stellt die Einheit beider Seiten Gottes fest. Da ist kein Widerspruch, auch wenn deine Wahrnehmung dir etwas anderes sagt. Leugne deine Wahrnehmung und vertraue darauf, dass der Schöpfer der Welt nicht verzieht, auch wenn es den Anschein macht.

(Frei nach F. Weinreb, NL, Symboliek)

Denn das Gesicht gilt noch für die bestimmte Zeit und eilt dem Ende zu und wird nicht trügen; wenn es verzieht, so harre seiner, denn es wird gewiss kommen und sich nicht verspäten.

Habakuk 2:3

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Autor: Dieter Miunske


Der falsche Arzt mit der richtigen Therapie

Es war einmal ein König, der schon lange krank in seinem Bette lag. Ein Arzt nach dem anderen versuchte seine Therapie in großer Ehrerbietung, doch alle blieben ohne Erfolg. Des Königs Geduld war am Ende; es musste doch jemanden geben, der ihn heilen könnte! Die Situation war ernst für ihn, was er dadurch bekräftigte, dass er jeden Arzt, der nicht helfen konnte, töten ließ. Auf diese Weise wollte er verhindern, dass er seine Zeit mit weiteren allzu leichtfertigen Heilern verschwendete.
Eines Tages kam ein Mann in den königlichen Palast, der sich als Arzt ausgab und darum bat, dem König vorgestellt zu werden. „Was ist dein Anliegen, was willst du von unserem König?“, fragte ihn das Hofgesinde, und er antwortete: „Ich bin ein Arzt, der dem König wirklich heilen kann“. „Ha ha, das haben sie alle behauptet und mit ihrem Leben bezahlt! Was macht dich so sicher, dass du so unerschrocken vorgehst?“ „Nun, das ist mein Geheimnis“, antwortete der vermeintliche Arzt, der keinerlei Ausbildung hatte. Und so wurde der Mann zum König gebracht, der ihn darauf hinwies, dass er es mit seinem Leben bezahlen würde, wenn seine Therapie nicht erfolgreich wäre. „Oh, davor fürchte ich mich nicht, ich bin mir meiner Sache sehr sicher.“, entgegnete der selbsternannte Arzt. „Gut, dann bin ich ganz einverstanden“, freute sich der König zu sagen, denn was blieb ihm sonst für eine Wahl, schon viel zu lange lag er und hatte längst keine Freude mehr am Leben.
„Wann können wir mit deiner Therapie beginnen?“, fragte der König neugierig. „Gleich morgen, aber es gibt ein paar Vorkehrungen zu treffen, ohne welche die Therapie nicht erfolgreich sein wird.“ „Welche Vorkehrungen?“, fragte der König. „Ja, die Form der Heilung wird derart sein, dass der Herr König zuweilen schreien könnte, und wir müssen unbedingt vermeiden, dass diese Schreie das königliche Personal veranlassen könnte, unsere Sitzung zu unterbrechen und nachzufragen. Eine Unterbrechung der Therapie würde diese jedoch aussichtslos machen. Deshalb muss ganz sicher gewährleistet sein, dass niemand in der Nähe ist, der den König hören könnte, wenn dieser rufen würde.“ „Das werde ich veranlassen; morgen wird niemand an meinem Hofe zugegen sein. Ich werde dafür sorgen, dass wir vollkommen ungestört sind.“ Und so geschah es.

Am nächsten Morgen kam der Mann wieder und trat in des Königs Zimmer: „Guten Morgen Herr König, haben sie alles veranlasst?“ „Zur vollsten Zufriedenheit, auf mich ist Verlass, ich hoffe, dass du ebenso zuverlässig bist. Beginne mit deiner Therapie.“ Ein leicht hämisches Lächeln zog über das Gesicht des falschen Arztes. „Veranlassen und Befehle geben können sie also wie es einem König gebührt, aber mehr anscheinend auch nicht?!“ „Was willst du mir damit sagen?“ „Die einfachsten Dinge gelingen dir nicht, du jämmerlicher König. Nicht einmal aufstehen kannst du, oder irre ich mich da?“ „Was fällt dir ein, so mit dem König zu reden? Das hat noch niemand gewagt! Hüte deine Zunge, sonst lasse ich dich hinrichten!“ „Na dann lass‘ mich doch hinrichten, du träger Tyrann, oder noch besser: Richte du mich doch hin!“, provozierte der Mann den König und lustwandelte in seinem Zimmer höhnisch lachend auf und ab. Die Zornesröte stieg dem König ins Gesicht und wutschnaubend schrie er nach seinen Soldaten. Doch niemand hörte ihn, hatte er doch selbst den Befehl gegeben, heute den königlichen Palast zu räumen.
„Das ist kein Arzt, das ist ein Verbrecher, der sich über den König lustig macht!“, schrie der König, der in seinem Bett immer unruhiger wurde. „Was zu beweisen wäre“, rief der Mann und grinste vergnügt. „Bist du überhaupt ein König, so beweise du, dass du kein Hochstapler bist!“ Und so ging es weiter mit der Provokation, also dass der falsche Arzt den König derart reizte, dass selbiger alle seine Kräfte mobilisierte, sich unter Schmerzen aufraffte und versuchte aufzustehen. „Oh, möchte der feine Herr König vielleicht, dass ich ihm wohlfeil zu Diensten stehe? Werde ich aber nicht, denn eine Achtung vor dir, habe ich nicht.“, reizte der Mann weiter. Da, schließlich stand der König auf, schrie weiter nach seinen Soldaten, die natürlich immer noch außer Reichweite waren, und endlich fasste er den Entschluss, den falschen Arzt selbst zu erledigen. „Dich schnappe ich mir und ich werde dich gnadenlos zerstören!“, fauchte der König in seinem Zorn. „Dann komme er, und lasse den Worten Taten folgen!“, provozierte der Mann und lief Richtung Ausgang des Zimmers, um dieses zu verlassen. Der König folgte langsam, aber stetigen Schrittes. Im Hofe angekommen schwang sich der falsche Arzt auf sein Pferd und rief dem König zu: „Wenn du mich schlagen willst, musst du schon etwas schneller werden!“, und verließ hoch zu Ross den königlichen Palast.

Unterdessen sattelte der König ein Pferd und folgte seinem Widersacher. Es begann eine Verfolgungsjagd, während welcher der König immer wieder schrie: „Bleib stehen du Bastard, dass ich dich greifen kann!“, doch der Mann kümmerte sich natürlich nicht um die Anliegen des Königs. Schließlich gelang es dem König tatsächlich, diesen eigenartigen Arzt einzuholen. Doch mittlerweile wurde er sich seines Zustandes gewahr, dass er laufen, reiten, sich alleine bewegen konnte – hatte er sich nicht genau das von einer Therapie gewünscht? Hat er nicht deshalb einen Arzt nach dem anderen zu Hofe gebeten? König und falscher Arzt waren nebeneinander auf Augenhöhe und der König bat darum, stehen zu bleiben. „Du elender Kerl, der du bist – du bist der, der mich befreit hat, der mir gezeigt hat, dass ich die ganze Zeit andere für meinen Zustand verantwortlich gemacht habe. Du bist der wahre Arzt!“ Und sie stiegen von ihren Pferden ab, umarmten sich und wurden die besten Freunde.

Orientalisches Märchen

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Autor: Dieter Miunske


Tödlicher Gerechtigkeitssinn

In 1. Könige 3 ab Vers 16 wird die Geschichte erzählt, wie zwei Frauen zusammen mit einem Kind zu König Salomo in seiner Funktion als Richter kommen und jede der beiden Frauen behauptet, dass dieses eine Kind das ihre sei. Die Bibel schweigt zur näheren Bestimmung dieser Frauen, verwendet aber eine Eigenart, die so nur 1x in der Bibel (im Plural) vorkommt. Sie nennt die beiden naschim sonoth, wörtlich: „Frauen Huren“.
Das ist eine Doppelung, denn beide Begriffe stehen normalerweise für sich selbst. Von daher lässt sich erkennen, dass es noch um mehr geht, als in den folgenden Zeilen ausgeführt, insbesondere deshalb, weil die Überlieferung auch die Namen der beiden Frauen nennt. Es handelt sich um Lilith und Machalath.
Zunächst hatten beide Frauen je ein Kind, doch ein Kind starb, als sich dessen Mutter nachts darauf legte. Kurzerhand tauscht diese Mutter ihr totes Kind gegen das lebendige und erwartet vom König, dass er ihr das lebende Kind als das ihre bestätigt. Die echte Mutter des noch lebenden Kindes trägt ihre Geschichte vor, doch hat sie keine Beweise für ihre Ausführungen. Und so nutzt auch die falsche Mutter die Gelegenheit, Salomo davon zu überzeugen, dass sie doch die wahre Mutter sei. Nach einem Hin und Her lässt der König ein Schwert holen und befiehlt, das lebende Kind in zwei Teile zu schneiden, um jeder Mutter eine Hälfte zu überlassen.
Die falsche Mutter ist sofort einverstanden und stimmt der Teilung zu, doch bei der wahren Mutter „enbrennt die Barmherzigkeit“, sie möchte nur eins: dass das Kind lebendig bleibe! Dafür opfert sie ihre Bedürfnisse und streicht ihr Verlangen, das Kind stillen und aufziehen zu dürfen, letztlich streicht sie sich selbst, um dem Kind das Leben zu schenken; es soll doch „1“ bleiben. Das Opfer geht so weit, dass sie ihr Kind sogar der Bösen überlässt. Diese Gesinnung bringt die Wahrheit ans Licht und der König des Ganzen (Salomo, hebr. schlomo: vollständig und harmonisch sein) fällt ein gerechtes Urteil: Sie bekommt ihr geliebtes Kind wieder. (Vollständiger Text unten)

Verhält es sich nicht ebenso mit der Welt? Damit die Welt leben kann, dass sie „1“ sein kann, opfert sich Gott selbst. Eine geteilte Welt ist aus der Sicht des Bösen gerecht, aber als „2“ ist sie auch tot. Um sie lebendig zu erhalten, überlässt Gott sie eine Zeit lang dem Bösen, hoffend, dass er sie zurückerhalte. Bei Salomo geht alles in ein paar Minuten über die Bühne, könnte man sagen. In der Geschichte kann das eine lange Zeit bedeuten. Die Mutter gibt es auf Hoffnung weg, ganz ohne Sicherheiten im Vertrauen darauf, dass sie es wieder erhalten würde, wer weiß wann, vielleicht erst in der Ewigkeit. Aber nein, sie hat es bereits hier und in aller Ewigkeit erhalten. Deshalb müssen wir bereit sein das, was wir lieben, vertrauensvoll zu verschenken, damit es weiterlebt, und nicht sagen: „Wenn ich es nicht haben kann, dann soll es auch niemand anders haben“. Vertrauen bedeutet, dass wir wissen, dass alles in Ordnung sein wird. Was auch immer du sehen magst, wie verstörend es auch sein mag, denke an die echte Mutter und sage: „Na gut, nimm das Kind, ich verstehe es nicht, aber es in zwei Teile zu schneiden, um es menschlich gerecht aussehen zu lassen, das will ich nicht tun. Ich vertraue darauf, dass es zu mir zurückkommen wird. Ich vertraue darauf, dass Gott es mir am Ende geben wird, das heißt, dass er es mich verstehen lässt, als Ganzes, als 1; nicht zerschnitten, denn dann wäre es sofort tot, dann wäre das Wunder des Lebens aus ihm gewichen“.
Achte immer darauf, wie der Anfang und das Ende zusammenpassen, dass die Dinge nicht 2 sind, von der falschen Mutter zerteilt sind, sondern 1 sind, die von der wahren Mutter als 1 bewahrt werden. Denk noch einmal an den Auszug aus Ägypten. Am Anfang zerbricht etwas; das Meer bricht, teilt sich in zwei Hälften, und das bringt Ägypten den Tod und Israel das Leben. Ägypten ist geschwächt und muss seine Güter aufgeben.
Jeder Mensch kommt durch das Brechen der Wasser hier in diese Welt. Nur so kann er hervorkommen. Und wie ist es mit dem, was man „Tod“ nennt? Dort bricht auch ein Wasser, aber jetzt an einer anderen Stelle, an dem Ort, an dem das Wasser jetzt das Leben darstellt. Dann bricht es auch, das Wasser erstarrt dort, so wie die Wasser erstarrten und Israel inmitten der erstarrten Wasser hinausging. Und so zieht ein Israel wieder aus, inmitten der Toten von Ägypten, und tritt in ein freies und wahres Leben ein. Geburt und Tod, dasselbe, die Wasser spalten sich. Und denk an das Neue Testament, wo die Erde sich spaltet und der Schleier zerrissen wird.

Bei jeder Geburt bricht etwas, wird etwas, das Umhüllende, zur 2 und stirbt damit, auf dass die 1 unversehrt hervorkommen und lebendig bleiben kann. Der Sohn Davids gibt das Leben der wahren Mutter. Er weiß, dass diejenige die ihr eigenes Glück geopfert hat, die keine Freude an der Zerteilung hat, was gleichbedeutend mit einer Tötung ist, die echte Mutter ist. Barmherzigkeit zeigt sich in der Streichung der eigenen Bedürfnisse, um die Einheit zu wahren und das Leben als Ganzes zu erhalten.
Die „Kultur“, die „Wissenschaft“, die „moderne Religion“, die alle der 2 dienen wollen, die das Kind in einem instinktiven Hass auf die wirkliche, die wirklich liebende Mutter, bei lebendigem Leib in zwei Hälften schneiden wollen, werden das Kind nicht behalten. Sie, die alles in Gebiete aufteilen und Profis ihres Fachs sind; worin zeigt sich ihre Barmherzigkeit, ihre Liebe zur Welt, so wie Gott die Welt liebt, der sich selbst dahin gibt? Gott teilt die Welt nicht ein, aber der vermeintlich kluge Mensch, der teilt ein und teilt aus, während der Tod zum treuen Begleiter seiner Expertise wird.
Gemessen an der Ewigkeit, haben diese Fachleute das Kind nur für kurze Zeit gehabt. Was ist diese Verwirrung, dieser Betrug in der Nacht, als die wahre Mutter schlief und nicht wusste, dass sie ausgeraubt und betrogen wurde? Es ist die List der Schlange, die den Menschen den Tod brachte und darüber hinaus das Leben generell in „2“ zerhacken wollte. Aber der Sohn Davids zertritt diese Schlange, zermalmt ihren Kopf, ihre ‚1‘, tötet den Erstgeborenen Ägyptens und befreit das Kind. Lass uns das in diesen Zeiten gut wissen und verstehen. Das passiert auch bei uns im Körper. Der Körper wird oft von der falschen Mutter besetzt. Sie will das wirkliche Leben in zwei Hälften teilen und denkt, dass sie in der Nacht des Körpers ihr Spiel der Tricks und der List spielen kann, dass der wahre König es nicht merken wird. Aber Davids Sohn sagt: „Wer 2 machen will, ist die Lügnerin“, und nimmt das Kind von dieser Mutter und gibt es der Wahrhaften. Die Wahre hat den wahren Namen. Der Name der wahren Mutter ist der bleibende Name für das Kind. Sieh darin auch die Einheit, erkenne, worum es hier geht. Lasst es uns mit den Augen der wahren Mutter weiter lesen.
Als Jakob in jener Nacht am Jabbok auf die Macht Esaus traf, gab es auch den gleichen Kampf zwischen der falschen und der wahren Mutter. Esau wollte besitzen, aber er schaffte es nicht. Der Körper wurde unterworfen und der Wesenskern setzte sich durch. Was ist dann passiert? Jakobs Name wurde zu Israel. Und als Satan, denn das war Esaus Kraft, die Körperkraft, sein Wesen aufgeben musste und Jakob fragte: „Wie heißt du?“, da konnte diese Kraft nicht mehr antworten, denn sie hatte ihren Namen an Jakob abgeben müssen, und war somit nichts Eigenständiges mehr. Zu Jakob kam dann der Name Satan hinzu, wie es sich in der Namensänderung zu Israel auch in den Zahlen zeigt: Jakob, 10+70+100+2 (182), plus Satan, 300+9+50 (359) ist Israel, 10+300+200+1+30 (541). Der Böse hat keinen Namen mehr. Er ist eine Schale ohne Kern, eine Hülle ohne Wesen, namenlos, uniform. Und Jakob hatte dieses Übel gebunden, und weil er zum Kern kam, wurde er geheiligt, gereinigt, es wurde der Baustein des heiligen Namens Israels.

Und sieh, wie sich das auf allen Ebenen der Gesellschaft auswirkt. Wenn ein Mann in bestimmten Kulturen, die noch vom Geheimnis wissen, eine Frau nimmt, verliert sie ihren Namen und der Name des Mannes wird der entscheidende. Und sie strebt danach, sucht ihn, will ihren Namen mit seinem verbinden. Moderne Frauen behalten gerne ihren Namen oder der Mann nimmt sogar ihren Namen an. Was weiß man noch? Früher sah man in ungebundenen Frauen eine Gefahr. Die sogenannten Hexen waren ungebundene Frauen. Man meint damit, dass das Äußere bei jedem Menschen an das Innere gebunden werden muss. Nur so wird der Mensch zum wirklichen Menschen. Andernfalls bleibt die destruktive, nicht gönnende Macht selbstständig und treibt das Spalten und Teilen weiter voran. Es gab Zeiten, in denen das Behalten des Mädchennamens bei Frauen als Schande galt, vielmehr ist es eine Schande, wenn der Mensch sich selbst einen Namen machen will und sich nicht an den inneren Kern des Wortes Gottes binden will. Dann ist er als Ungebundener gefährlich wie eine Hexe, weil sein Sinnen nicht auf die „1“ gerichtet ist. Dann wählt man seine Präferenzen heute so und morgen anders, beruft sich auf Menschen, die denken, meinen und mal was gehört haben. So bekommt man niemals Halt im Leben, meint, man muss alles selbst machen, noch mehr forschen, wissen und erreichen, und der Tod ist und bleibt der übermächtige Feind, der täglich unangemeldet anklopfen könnte.
Die Bibel zum Kern machen bedeutet hingegen, ihre Maßstäbe als verbindlich anzunehmen, zu glauben und zu vertrauen, dass es gut ausgehen wird, auch wenn man keine Argumente oder Beweise hat. Die Barmherzigkeit lässt den Sohn Davids das rechte Urteil fällen, das nicht mehr angefochten werden kann. Und er ist es auch, der aus dem Tod kein Ende, sondern ein Übergang macht, so wie aus dem augenscheinlichen Tod der Raupe schließlich der Schmetterling wird.

Frei nach einem NL-Artikel F. Weinrebs

Damals kamen zwei Frauen Huren zum König und standen vor ihm.
Und die eine Frau sprach: Bitte, mein Herr! Ich und diese Frau wohnten in einem Haus; und ich gebar bei ihr im Haus.
Und es geschah am dritten Tag, nachdem ich geboren hatte, da gebar auch diese Frau; und wir waren zusammen, kein Fremder war bei uns im Haus, nur wir beide waren im Haus.
Und der Sohn dieser Frau starb in der Nacht, weil sie auf ihm gelegen hatte.
Und sie stand mitten in der Nacht auf und nahm meinen Sohn von meiner Seite, während deine Magd schlief, und legte ihn an ihren Busen; ihren toten Sohn aber legte sie an meinen Busen.
Als ich nun am Morgen aufstand, um meinen Sohn zu stillen, siehe, da war er tot; und ich betrachtete ihn am Morgen, und siehe, es war nicht mein Sohn, den ich geboren hatte.
Und die andere Frau sprach: Nein, sondern mein Sohn ist der lebende, und dein Sohn ist der tote. Und jene sprach: Nein, sondern dein Sohn ist der tote, und mein Sohn ist der lebende. Und so redeten sie vor dem König.
Da sprach der König: Diese spricht: Dieser, der lebende, ist mein Sohn, und dein Sohn ist der tote; und jene spricht: Nein, sondern dein Sohn ist der tote, und mein Sohn ist der lebende.
Und der König sprach: Holt mir ein Schwert. Und man brachte das Schwert vor den König.
Und der König sprach: Teilt das lebende Kind in zwei Teile, und gebt der einen die Hälfte und der anderen die Hälfte.
Da sprach die Frau, deren Sohn der lebende war, zum König, denn ihr Innerstes wurde erregt über ihren Sohn, und sagte: Bitte, mein Herr, gebt ihr das lebende Kind und tötet es ja nicht! Jene aber sprach: Weder mein noch dein soll es sein, zerteilt es!
Da antwortete der König und sprach: Gebt jener das lebende Kind und tötet es ja nicht! Sie ist seine Mutter.
Und ganz Israel hörte das Urteil, das der König gefällt hatte, und sie fürchteten sich vor dem König; denn sie sahen, dass die Weisheit Gottes in ihm war, Recht zu üben.

1. Könige 3:16-28

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Autor: Dieter Miunske


Die Freude über einen Menschen

Audioversion mit Ergänzungen

Die Frau, wenn sie gebiert, hat Traurigkeit*, weil ihre Stunde gekommen ist; wenn sie aber das Kind geboren hat, denkt sie nicht mehr an die Bedrängnis um der Freude willen, dass ein Mensch in die Welt geboren ist.

Johannes 16:21

[* Das hebräische NT schreibt für das griech λύπη (lype, eigentlich „körperlicher und seelischer Schmerz“, „nahe am Zerbruch“), ezev, 70+90+2, Schmerz, ein Schmerz, der mit der Zeit zusammenhängt. Ezev enthält in sich das Wort „Holz“, ez, 70+90, das für das Wachsen in der Zeit steht. Etym. bedeutet ezev „den Schmerz des Verzichtes und der Entbehrung spüren“. Verzicht? Entbehrung? Der Frau wird das Kind aus dem Inneren genommen und außen gegenübergestellt. Dann erst, von Angesicht zu Angesicht, ist die erste Freude da, die jedoch erst später zur Vollendung gelangt.]


Man erwartet im Text des 21. Verses oben am Ende eigentlich ebenfalls, „dass ein Kind in die Welt geboren ist“, aber es heißt, „dass ein Mensch in die Welt geboren ist“. Die Freude ist an einen Menschen geknüpft, nicht an ein Kind, wiewohl er selbiges war. Das zielt darauf ab, dass ein Mensch erst dann Mensch genannt wird, wenn er aufrecht ist, aus der Horizontalen (Kausalität) in die Vertikale gegangen ist, er steht und geht. Erst dann ist er im Bild und Gleichnis Gottes, so wurde er geschaffen. Ein Neugeborenes ist horizontal.
Das hängt auch mit der Wiedergeburt zusammen, die als Austritt aus der Zeitschleife gesehen wird, wohingegen die äußere (natürliche) Geburt als Eintritt in die Zeit gesehen wird. Die lat. Sprache zeigt noch etwas anderes: „gebären“ ist dort nasci (daher auch die Nation und die Nationalität), und „erkennen“ oder „bereits Gekanntes wiedererkennen“ ist nosco … „ach, jetzt erkenne ich dich wieder!“, sagt man manchmal, wenn man alte Freunde und Bekannte nach langer Zeit wiedersieht. Sobald der Mensch erkennt, woher er stammt (eben nicht aus dem Zeitlichen!), spricht man von einer Wiedergeburt. Das hat nichts mit einer Entscheidung zu tun, diese ist max. die Konsequenz daraus.
Gebären lautet im Griechischen γεννάω (gennao), nach diesem Wort hat man die Träger des Erbgutes, die Gene benannt. „Aus Gott geboren“ (Joh. 1:13) bedeutet damit auch, Träger der Gene Gottes zu sein. Wir tragen Gottes Erbe in uns. Solange man in der Zeitschleife seine Runden dreht, erschließt sich das nicht. Es braucht einen Durchbruch, wie bei einer Geburt, bei der man die „Welt des Wassers“ verlässt.
Sobald man sich erinnert, weiß man auch seinen Weg, ebenso wie Simba in dem Film „Der König der Löwen“, der davon ausging, dass er Schuld am Tode seines Vaters sei, was eine Lüge war:

Auf dem Weg zurück zu seinem Ursprung erfährt Simba, dass er völlig schuldfrei ist.
(Das zeigt sich erst im weiteren Verlauf der Geschichte, nicht aber in diesem Ausschnitt. Hier geht es in erster Linie um das Erinnern.)

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Autor: Dieter Miunske


Das Böse bringt sich selber um

Text mit Ergänzungen vorgelesen

Denn wie kann man annehmen, das Böse sei unbesiegbar? Das Böse kann doch nur während einer gewissen Phase existieren, die Zeit fließt doch. Das ist eben das Ärgernis des Bösen. Es möchte sich ausdehnen, mehr Zeit für sich beanspruchen, mehr, mehr. Es dehnt die Zeit in die Länge, auf Kosten einer Höhendimension, auf Kosten einer Sehnsucht zum Verborgenen. Es dehnt sich zur Erscheinungsform der Schlange. Sie kriecht auf dem Boden, frisst Staub, um zumindest noch etwas länger auszusehen. Sogar kleine Schlangen zeigen eine Ausdehnung. Im Verhältnis zu ihrer Höhe sind sie immer lang. Aber auch der Länge einer Schlange sind Grenzen gesetzt. Das Böse muss ein Ende haben.
Deshalb muss das Böse immer versuchen, den Eindruck von Dauer zu erwecken. Das 1000-jährige Reich von Hitler. Man lügt wie selbstverständlich. Die Lüge will eine andere Wirklichkeit suggerieren. Man besticht, weil es sonst nicht geht, zu lange geht, bis man sich durchsetzt. Man pflückt jeden Moment, um sich Glück zu suggerieren, und man weiß, dass es nur Pseudo-Glück ist, gelogenes Glück.
Wer das Böse in seinen Manifestationen sieht, muss doch schon überzeugt sein, dass es nie lange halten kann. Und dazu kommt das Schreckliche, dass das Böse seine Opfer als solche verliert. Der vom Bösen Umgebrachte hat sich ihm entzogen. Wo ist das Opfer geblieben? Weg, fort. Wäre es nur so! Es bleibt als Erinnerung, als Gewissen weiter leben. Das Blut am Schwert ist nicht wegzuwaschen. Das Opfer drückt immer mehr, zwingt den Schlächter, sich zu betäuben. Weil er nur das Diesseitige zählen kann, ist er das Opfer nie los. Bewusst schon, aber desto weniger unbewusst.
Der Umgebrachte ist in der Ewigkeit. Von dort her begegnet er den in der Zeit Lebenden als immerwährende Konfrontation mit einer Welt, die er nicht kennt, vor der er Angst hat, vor der er sich fürchtet.

Das Böse bringt sich selber um. Nur Geduld, du, der du vom Ewigen weißt. Die Schlange hat ein Ende, auch wenn sie sich in den Schwanz beißt. Ein dummes Spiel: Unendlichkeit. Ach was, spiele nur! Du hast eben keine Ahnung von der Dimension, die sich von der Erde, vom Staube erhebt und in den Himmel weist, in das Unsichtbare. Voll ist es dort. Aber du im Staub weißt nichts davon.

Ouroboros / Uroboros

Die aufgerichtete Schlange ist eine Antwort an das Böse. Der Lauf der Zeit wird in eine neue Dimension gebracht. So wird die Zeit zum Segen.
Der Schlange den Kopf zertreten, sonst beißt sie in meine Ferse, nimmt sie mir das Leben in dieser Welt. Das Haupt der Schlange, das Prinzip des Bösen. Das soll man zertreten. Selber, wo doch jeder die ganze Welt in sich enthält, sich keinem Rausch hingeben. Weder Rausch der Geschäftemacherei, noch Rausch des Studiums, noch Rausch der Religion. Aufrecht bleiben, nicht das Bedürfnis, auf der Erde herumzukriechen.

– Weinreb, Das Wunder vom Ende der Kriege, Seite 371 ff

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Autor: Dieter Miunske