Das geschriebene Wort findet eigene Wege

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Im größten Justizskandal Schwedens wurde ein Mann verurteilt, der unter starkem Medikamenteneinfluss acht bestialische Morde gestanden hatte ohne einen einzigen begangen zu haben. Ein investigativer Journalist, der Jahre später von den Ungereimtheiten der Beweisführung und der zweifelhaften Rechtssprechung erfahren hatte, versuchte Kontakt mit dem in einer geschlossenen Anstalt verwahrten Verurteilten aufzunehmen und wurde abgewiesen. Der Unschuldige hatte seit sieben Jahren kein Wort mehr mit einem Menschen gesprochen. „Was soll ich machen?“, fragte der Journalist seine Kollegin, „er lehnt jeden Kontakt ab!“. „Schreibe ihm einen Brief“, riet sie ihm und er folgte dem Rat. Der vermeintliche Täter antwortete, ebenfalls schriftlich, und so entstand der Kontakt, der maßgeblich dazu beigetragen hatte, dass der Fall neu aufgerollt wurde. Am Ende war der Verurteilte frei – zurecht, er hatte mit den Morden nichts zu tun.*

Der Mann hatte jedes Vertrauen in die Menschen verloren, war zu keinem Gespräch mehr bereit, aber ein persönlicher Brief erreichte ihn. Das geschriebene Wort geht andere Wege. „Geschriebenes Wort“ heißt auf Hebräisch tebah, 400-2-5, es ist der Begriff, der in der Thora mit „Arche“ (Noachs) oder „Kasten“ (worin Mose gefunden wird) übersetzt wird. Die Arche schwimmt, geht nicht in der Zeit unter, und sie bringt das Leben von einer Welt in eine andere. Die Bibel ist Gottes ganz persönlicher Brief an uns, die wir gewissermaßen ebenfalls in einer „Geschlossenen“ weilen (Körper / materielle Welt). Gott versucht, unser Vertrauen auf diese Weise (zurück) zu gewinnen. „Ich bin auf deiner Seite und helfe dir! Mit der Schuldfrage verhält es sich anders, als der irdische Richter geurteilt hat.
Vertrauen baut sich nicht im Hauruck-Verfahren, ist eine sensible Angelegenheit, die auch dadurch charakterisiert ist, dass sich beide Seiten ernsthaft füreinander interessieren. Weshalb einem Unbekannten vertrauen? Gott stellt sich schriftlich vor und hofft auf eine Einladung. Er will keine objektive Analyse seines Schreibens, sondern sucht einzig und allein eine persönliche Beziehung zu dir.


*Diese unglaubliche Geschichte wird in dem Film „Quick – die Erschaffung eines Serienkillers“ nacherzählt.