Das Licht der Freude schenkt so gern

Nachdem Mose Ägypten verlassen hatte, wird zu ihm gesagt: Gehe zurück nach Ägypten und befreie Israel! Befreie die Masse von Israel. Mache Ägypten leer. Die Befreiung geschieht durch das Herstellen von Beziehungen, die sich durch die Sehnsucht bauen.
Die Sehnsucht zeigt sich bei uns darin, dass wir gerne allen alles schenken möchten. Dieses Schenken-Wollen geht der Schöpfung voraus. Auch wenn durch einen Menschen etwas Neues, Wundervolles in die Welt kommen soll, wird er von dieser Motivation geleitet, schenken zu wollen. Das ist ein starkes Zeichen des Unvergänglichen in uns, welches sich so äußert. Das Zurückhalten aus Sicherheitsgründen oder wegen eines Nicht-Gönnens, wird von der vergänglichen Seite im Menschen genährt, hat auch seine Dauer, dringt aber nie zum Wesentlichen durch.

Gott schafft diese Welt, damit der Mensch die Freude empfinden kann, die auch er empfindet. Es ist die Freude der Wiederkehr, des Wiedersehens, des Einswerdens. Auch der Hohepriester geht diesen Weg, wenn er in das Allerheiligste geht. Er kommt Gott immer näher, durchquert den Vorhang, bis er schließlich im Allerheiligsten ihm gegenübersteht. Vorhang bedeutet doch Fleisch – er überschreitet die Grenze des Erscheinens. Dort, so sagt man, ist der Hohepriester in der Lage, den Namen Gottes auszusprechen. Der Hohepriester trägt einen Gürtel, an dem eine goldene Kette befestigt ist, die dazu verwendet wird, den Priester wieder herauszuziehen, sollte er nicht von allein umkehren. Schließlich könnte er dort im Allerheiligsten eine Seligkeit erfahren, die er nicht mehr verlassen möchte.

Doch der Sinn besteht darin, wieder zur Welt zurückzukehren. Unsere Aufgabe liegt darin, die Freude, die wir in der Begegnung mit Gott erhalten, herauszutragen. „Es freut sich durch uns“, könnte man sagen – keinesfalls ist es ein Zwang im Sinne von „jetzt muss ich wieder freundlich sein“. Echte Freude ist eine Konsequenz aus der Begegnung mit Gott. Einem Menschen, der in Gefangenschaft lebt, der nur das Spiegelbild kennt und sich nur am Zeitlichen orientiert, ist diese Freude fremd. Der Mensch aber, der von diesem Gespräch im Innersten weiß und es erlebt hat, kennt das Geheimnis von Tod und Auferstehung. Er fürchtet selbst den Tod nicht mehr.