Das Unerwartete lässt den Menschen lachen

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Jischmael (Ismael) ist Abrahams „normaler“ Sohn. Er ist gewissermaßen gewöhnlich und wenig überraschend, so wie auch die Dinge ihren Lauf gehen, wenn man nichts Besonderes erwartet. Sogar in den Zahlen ist Jischmael die Summe der Verbindung zwischen Abram (243) und seiner Mutter Hagar (208). 243 + 208 = 451, die Zahl Jischmaels (10+300+40+70+1+30). Mit Sarah erst geschieht das Wunder des Durchbruchs, das keiner für möglich hielt, nicht einmal sie selbst. Jizchak (Isaak) wird geboren, dessen Name von zachak, 90+8+100, dem Lachen stammt. Im Wort zachak sieht man auch das Alter der Eltern: Sarah ist 90 und Abraham 100. Im Zentrum des Lachens steht die 8 als Zeichen dafür, dass jeder Durchbruch bei einem Menschen im Zeichen der 8 mit einem befreienden Lachen geschieht.

Eine auffallend enge Verbindung gibt es zu dem Wort zedek, gerecht. Die Gerechtigkeit Gottes ist nicht die unerbittliche Härte, sondern die Milde, die dich entlastet – das bedeutet zedek. Dann kommt dem Menschen kein höhnisches Spotten, sondern das Lachen in der Freude des Durchbruchs.

Das Miteinander-Lachen wird auch als „durch die Grenze des Sichtbaren dringend“ verstanden, wie wir es nicht nur bei Abraham und Sarah finden, sondern auch eine Generation weiter bei Jizchak und Rivkah (Isaak und Rebecca):

Und es geschah, als er längere Zeit dort gewesen war, da blickte Abimelech, der König der Philister, durchs Fenster, und er sah: Und siehe, Isaak scherzte (zachak) mit Rebekka, seiner Frau.

1. Mose 26:8


Dazu Weinreb:

Er »lacht« also mit ihr, und man sagt, es sei jenes Lachen, worin sich zeige, dass Mann und Frau sich erkennen.
Das ist auch das Lächeln, das sich zeigt, wenn dein Gesicht ganz gelassen, ganz selbstverständlich ist. So wurdest du geschaffen, das ist dein wahrer Zustand. Meist aber sind es Grimassen, die dein Gesicht überziehen. Denken Sie nur an das unerträgliche „keep smiling“, das Entspannung suggerieren soll.

Weinreb, Traumleben 3, Seite 165

Das Sprichwort sagt schon „Was sich liebt, das neckt sich.“, denn im Necken entsteht eine gelöste offene Atmosphäre, die mit ernster Miene geschlossen bleiben würde. Ein verschlossener Mensch kann nicht lieben und nimmt auch nicht am Leben teil. Genau wie eine Bewegung nahezu ausgeschlossen ist, wenn der betreffende Muskel verkrampft ist. In diesem Zustand ist er nicht nur fest, sondern schmerzt obendrein auch noch fürchterlich. Die Signale aus dem Zentrum (Gehirn) kann er in dieser Situation nicht mehr umsetzen, der verkrampfte Muskel „gehorcht“ nicht mehr, egal wie gut er trainiert ist. Man kann hierbei auch von einem Kommunikationsproblem zwischen dem Zentrum und dem ausführenden Organ, dem sog. Erfolgsorgan sprechen. Überforderung, Unterforderung, das nicht Einbeziehen des Antagonisten (Gegenspielers) und darüber hinaus eine mangelhafte Ernährung können Krämpfe verursachen, die oft plötzlich „wie aus dem Nichts“ auftreten können.
Ein festgefahrener Mensch, der nur seine eigene Sichtweise gelten lässt, ist ebenso unfähig Signale aus seinem Inneren umzusetzen; Schmerz, innerer Schmerz bestimmt sein Leben und dieser ist ihm auch ins Gesicht geschrieben. Viel zu ernst nimmt er das Leben, fürchtet sich vor allem und traut niemand über den Weg.

Schlimm, wenn man diese lebensverachtende Art zu leben dann auch noch „biblisch“ begründet und meint, Gott selbst sei doch der Ernst in Person. Man vergisst dabei völlig, dass Gott als 1 im Zentrum der Vielheit der erscheinenden Welt gegenübersteht und jede Sekunde eine völlig neue Realität ohne Rücksicht auf den Fluss der Zeit aus sich selbst hervorbringen kann. Das „Mittel“ dazu ist das Wort, das zu sprechen auch der Mensch fähig ist.
Das Wort „ernst“ stammt von „rinnen“ und das ist das Fließen der Zeit. Die gleiche Bedeutung hat das engl. serious, woher das eingedeutschte Wort „Serie“, also die Aufeinanderfolge stammt.
Kein Witz würde ein Lachen hervorrufen, wenn die Pointe der Erzählung einer logischen Serie von Argumenten folgen würde. Ein Witz ist vielmehr ein Durchbrechen der Logik und damit des Ernstes, denn das Ende ist anders als berechnet. Dieses Muster zieht sich durch die gesamte Bibel: Es geht immer anders aus als erwartet! Bis heute suchen Menschen genau das in Büchern und Filmen: Das Unberechenbare, den sogenannten Plot-Twist. Das Vorhersehbare ist langweilig und nährt nicht die Aufmerksamkeit. Wie einfach ist es Menschen zum Weinen zu bringen. Traurige Geschichten haben fast alle auf Lager; viel schwieriger ist es einen Menschen aus der Schwermut herauszureißen, indem man ihm etwas erzählt, das seine Schale aufbricht und ihm ein Lachen schenkt.

Lachen kann nur der Mensch. Tiere können es im besten Fall nachäffen, aber mehr nicht. Die Hall of Fame des Lachens ist das Lachen über sich selbst. Wer sich selbst zu wichtig nimmt, hängt schon an der Kette des Peinigers, der es sogar schafft, demjenigen, der sich freut, ein schlechtes Gewissen darob zu bereiten. Der Stimmanalyst Miroslav Großer wurde in einem Interview gefragt, ob das Lachen Zugang zu den eigenen Seelenqualitäten verschaffen könne, woraufhin er sagte:

Ja, (insbesondere) das Lachen über sich selbst. Bei allen Stimmanalysen, die ich bisher gemacht habe, hat sich gezeigt, dass Lachen immer alles verbindet. Beim Lachen schwingt sich der Klang der Stimme durch alle Frequenzen, es sprengt damit im wahrsten Sinne des Wortes eigene Grenzen und unterstützt den Kontakt zu allen Seelenanteilen.

Miroslav Großer in der Zeitschrift „SEIN“

Aus medizinischer Sicht ist „das Lachen ein unwillkürlicher Akt, (…) der am vollkommensten stattfindet, wenn unsere Aufmerksamkeit von unserem Körper abgewendet ist.“ (wikipedia)
Besser kann man den „8. Tag“ kaum beschreiben: unwillkürlich, nicht gezielt und den Fokus vom Körperlichen abwendend. Mit dem Lachen ist auch eine Pflanze verbunden, die mit denselben Zeichen geschrieben wird. Es ist der Schwarzkümmel (kezach, 100+90+8), der nach dem Islam „jede Krankheit heilt, außer den Tod.“ Man bedenke in diesem Zusammenhang Ismael und Isaak!
Zählt man die hebräischen Zeichen gemäß deren Stellung im Alphabet, so ergibt das Lachen den Wert 45 (18+8+19), die Zahl des Menschen. Als verborgenen Wert zählt das Wort die 500, wodurch sich zeigt, dass der Mensch schon im Lachen einen Weg vorgestellt bekommt, der ihn aus dem Exil befreit. Wenn wir lachen, gehen unsere Mundwinkel nach oben Richtung Himmel:

Schau, da kommst du her, nimm das Leben nicht so schwer!