zora’ath ist der in der Bibel gebrauchte hebräische Sammelbegriff für etwas Krankhaftes, das sich am oder im Menschen äußert. Die moderne wissenschaftliche Deutung Lepra führt gänzlich vom Sinn des Wortes weg. In Zahlen schreibt sich zora’ath, 90-200-70-400, also zade-resch-ajin-taw. Die alte Deutung lautet:

Das Wort zoraath besteht aus zur, 90-200, Form und eth, 70-400, Zeit und bedeutet: Form, Leiden in der Zeit, das Leiden der Form ist die Begrenztheit ihres Sinns durch die Zeit; zoraath bedeutet aber auch, die Gefangenschaft der Erfahrung der Zeit in der Welt der Formen, im Leid der Form. Zoraath hat also mit dem Erscheinen des Menschen hier zu tun.
Das Wort Aussatz, aussätzig bedeutet, dass im Leben des Menschen sich zeigt, dass er eben nicht weiß von einer Vorbestimmung, dass alles schon zum Heil, zum Glück, zum Guten dient und er weiß auch nicht, dass das Ziel der Welt auch zu einer Erlösung führt, also eine Rückkehr zum Ursprung, zum Hause des Vaters, zur kommenden Welt also. Und wenn er das nicht weiß, dann ist seine Erscheinung schon an sich krank, aussätzig.

Weinreb, 71Z1 Das Matthäusevangelium

Im Zentrum des Wortes zora’ath findet sich auch ra, 200-70, das Wort für Böse. Böse meint in erster Linie nicht eine negative Wertung einer Sache oder Handlung, sondern ist die Kraft der Entwicklung, die sich immer weiter vom Ursprung entfernt und diesen vergisst.
Dass sich etwas am Menschen in Form von Symptomen zeigt, ist Ausdruck davon, dass der Mensch, wie gesagt wird, auf der Ebene des (Säuge-)Tieres reagiert. Er hat falsch – im Sinne von nicht menschlich – auf eine Situation im Alltag reagiert. Er hat vergessen wer er ist. So reagiert der tierisch gesinnte Mensch sehr stark auf Fragen der Nahrung (heute: Lohn, Beruf, finanzielle Sicherheit), des Territoriums (heute: Wohnung, Haus, Eigentum) und der Fortpflanzung (heute: alle Bereiche der Partnerschaft, Eltern, Kinder). Wer sein Leben auf diese Bereiche fokussiert, handelt im Sinne des Tieres, dem es stets um das Überleben hier im Materiellen geht. Man forciert Sicherheiten im äußeren Leben, kümmert sich um den persönlichen Vorteil, handelt grundsätzlich nach Nutzen und selbst wenn man schenkt, erwartet man etwas zurück. Ein Tun umsonst ist dem Tiermensch fremd. Das bringt doch nichts!
Dass wir heutzutage immer mehr Krankheiten „finden“, bedeutet gleichsam, dass sich der moderne Mensch immer weiter von sich selbst entfernt. Gerade das Streben nach irdischer Sicherheit zwängt ihn in ein selbstgebautes Gefängnis, das er dann als ungerechtes Leben bezeichnet. Angst und Sorgen sind sein täglich Brot, ständig dreht sich bei ihm alles um diesseitige Vorteile. Obwohl er vom Unbewussten her „weiß“, dass die Welt der Formen vergänglich ist, sucht er hier im Fließenden das Konstante, also einen Halt. Das ist bereits ein Widerspruch in sich, der auch nicht folgenlos bleibt: Der Mensch wird zunehmend unglücklich, weil ihm alles zwischen den Händen zerrinnt.
Diese Intention sich dem Irdischen völlig zuzuwenden und sein Inneres zu ignorieren, ist dem Sinne des Wortes nach böse und so lautet es dann:

Alle sind abgewichen (hebr. sur = nach Außen gedriftet), sie sind allesamt verdorben (hebr. alach = korrupt); da ist keiner, der Gutes tut, auch nicht einer.

Psalm 14,3

Der Vers wird auch in Römer 3,12 zitiert. Die Römer sind Edom, der wiederum identisch mit Esau ist. Es ist die äußere Welt, die nur nach Nutzen und dem damit verbundenen Gesetz handelt (deswegen im Römerbrief die Auseinandersetzung zwischen Gesetz und Glauben). Diese Welt ist wie sie ist, doch du bist auch Jakob!

Ca. 80% der Vorkommnisse des Wortes zora’ath finden wir im 3. Buch Mose, dem Buch, in dem es in erster Linie um das korban geht. Korban wird fast immer mit Opfer übersetzt. Es stammt vom Wort kerew, das näherkommen bedeutet. Dieses korban ist stets ein Tier und für den Auszug aus Ägypten wird das Opfer als einziger Grund angegeben: Wir wollen ein Opfer bringen, das geht nicht in Ägypten (2. Mose 3,18). Man kann sich in der Gefangenschaft der Form Gott nicht nähern. Erst außerhalb der Form, außerhalb des Bereiches von Ursache und Wirkung (in Ägypten herrschen Säen und Ernten) können wir unserem Ursprung näherkommen. Dazu muss das Tier dargebracht werden. Der (tierische) Kreislauf muss durchtrennt werden. Das Verb, von dem sich zora’ath ableitet, ist zara, 90-200-70. Es bedeutet rupturieren, also ausbrechen bzw. zerreißen. Der Zahlenwert ist in der Summe 360, demnach identisch mit der Gradeinteilung eines Kreises. Durchbreche den Kreis bei dir selbst! Im logischen Schluss des Menschen (gefangen im Kreis!) kommt es immer wieder dazu, dass sich etwas naturgesetzmäßig äußert. Doch wir sind mehr als das. Weshalb lassen wir uns begrenzen? Weshalb vertrauen wir unserer Wahrnehmung, die doch stets nur einen Bruchteil dessen erkennt, was um uns und in uns geschieht? Aussatz ist ein Zeichen im Außen, der Körperseite des Menschen. Dessen schäme man sich. Wer sich seiner Symptome rühmt, so heißt es, ist vollkommen verrückt, hat sein Mensch-Sein verlassen und agiert dämonisch. Man betont dann das Unstimmige, Disharmonische, rühmt sich des Unflats und bringt damit weiteren zora’ath bei sich selbst hervor.

Dass der Aussatz deswegen kommt, wer über seinen Nächsten etwas sagt, das unbegründet ist, das kannst du an Mose sehen. Als Gott zu ihm sagte, dass er zu den Israeliten gehen sollte, sprach er: Mein Herr, siehe, sie werden mir nicht glauben, wie es heißt Ex. 4, 1: „Siehe, sie werden mir nicht glau­ben.“ Da entgegnete ihm Gott: Mose, weisst du schon, dass sie dir nicht Glauben schenken werden, sie sind Gläubige und Kinder von Gläubigen. Weil du mir diese Einwendung gemacht hast: „Siehe, sie werden mir nicht glauben … bringe doch deine Hand in deinen Schoß,“ und als er sie wieder herauszog, siehe, so war seine Hand aussätzig wie Schnee.

Midrasch Bemidbar

Die Heilungen des Aussatzes im NT beruhen auf dem gleichen Prinzip wie im AT. Rührt dich das / der Ewige an, d.h. bist du vom Wort berührt? Hast du eine Beziehung dazu? Dann hast du eine Beziehung zum Leben. Das ist nichts anderes als Reinigung, denn Unreinheit entsteht durch Kontakt mit etwas Gestorbenem, Nicht-Lebenden. Sieben Tage lang ist man unrein, am achten ist man rein. Das Berührt-Werden vom Gesalbten (das Wort für Öl, schemen, 300-40-50, mit welchem gesalbt wird, und das Wort für Acht, schmonah, 300-40-50-5, sind in der Ursprache fast identisch) ist die Begegnung mit dem Achten. Es ist nichts anderes als das Durchbrechen des Zeitlichen. Berührt-Werden kann ich nur von jemand, der mir nahe ist. Und jetzt verstehen wir vielleicht das Opfer (korban) im NT etwas besser …