Die Beschleunigung der Verführung

Das Böse hat die Eigenschaft, zu verführen. Es bietet sich so geschickt an, dass man es nehmen muss, sei es durch Geruch, Geschmack, Aussehen oder durch andere Mittel. Doch wer das einmal auf die eine oder andere Art gesehen hat, erwirbt selbst diese Eigenschaften, und so geht die Kette immer weiter. Man sieht es in der ersten Versuchungsgeschichte, wo der Nachasch (die Schlange), die Frau verführt. Bis zu dieser Verführung war es noch erforderlich, dass die Schlange ausführlich mit der Frau sprach. Die nächste Phase der Verführung verläuft viel einfacher, der Mann bekommt die Frucht bequem von der Frau und isst, ohne jegliche Diskussion. Und so ging es weiter und weiter und immer schneller. Kain erschlägt hinterlistig seinen Bruder und denkt auch noch, dass er ein Recht dazu habe, weil Abel seine Tiere auf Kains Acker weiden lässt.
Man sieht es an jeder Kleinigkeit im Leben. Die erste Lüge ist sehr schwer, die zweite geht schon leichter und schließlich merkt man nicht mehr, dass man lügt. Jedes Ding, das damit zu tun hat, was man Sünde nennt, kennt diese Gesetzmäßigkeit der Beschleunigung. Es wird von der Erde angezogen und so wie das Gesetz der Schwerkraft in einer Formel ausgedrückt wird, in der die Beschleunigung kennzeichnend ist, so unterliegt alles, was von der Erde, vom Irdischen, d.h. von den alten Welten, angezogen wird, dieser Formel der Beschleunigung. Schließlich bewirkt der Fall einen solchen Rausch, dass man die falschen Dinge regelrecht unbewusst tut, also weder darüber nachdenkt, noch ein schlechtes Gewissen bekommt.
Schließlich ist der Sturz so schwindelerregend, dass man nichts mehr davon merkt, also macht man ihn, wie man es nennt, unbewusst.
Deshalb ist es nicht gut, auf Dinge zu schauen, die schlecht sind. Man denkt an Ereignisse aus den Jahren 1940-1945 und was danach geschah. Zu sehen, wie die Deutschen etwas gemacht haben, hat zum Beispiel dazu geführt, dass die Völker anderer Länder später das Gleiche nachgemacht haben, und zwar viel leichter, als die Deutschen es selbst getan haben. Oft merkt man gar nicht mehr, dass man etwas nachahmt, was falsch ist.
Man sollte sich immer bewusst sein, dass jemand, der etwas Schlechtes sieht, genau das, sobald er die Chance bekommt, auch selbst tun könnte. Nicht weil der Beobachter an sich so schlecht ist, sondern weil es ein Gesetz ist, nach dem die Welt gemacht ist – die Anziehungskraft nach unten ist sehr stark, man folgt ihr leicht und einmal auf diesem Weg ist das Ende vorhersehbar. Deshalb wurde früher so viel Wert darauf gelegt, jeder Form der Verführung auszuweichen, ja, sie noch nicht einmal anzuschauen oder gar darüber zu reden. Über diese Dinge zu diskutieren, darüber zu lesen, wirkt bereits in diese Richtung, denn die Anziehungskraft der Erde wirkt von der Schöpfung an, und etwas, das in den Bereich dieser Attraktion der Erde gerät, wird nun einmal mit immer größerer Geschwindigkeit angezogen, bis es zu Boden fällt und zertrümmert wird.
Und doch wollte der Nachasch (die Schlange) befreit werden; deshalb hat er sich angeboten. So bietet sich alles in den alten Welten an und der Mensch steht immer wieder neu im Zwischen: Soll ich oder soll ich nicht?, fragt er sich.

„Er (der Satan) kämpft, er stürzt sich auf den Menschen, jedoch um befreit zu werden. Die giftigen, todbringenden Schlangen, die die Menschen auf dem Zug durch die Wüste anfallen, werden zu Genesung bringenden, Leben verleihenden Schlangen, wenn Moses sie hochhebt und dem Volke zeigt.“

Weinreb, Leben im Diesseits und Jenseits, S. 139

Text basiert auf einem NL-Artikel F. Weinrebs

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Autor: Dieter Miunske