Die Hornisse und der König David

Eines Tages saß David in seinem Garten und sah eine Hornisse eine Spinne verzehren; ein blöder Junge aber rannte hin und her mit einem Stock in der Hand und suchte die Insekten zu vertreiben. Da sprach David vor Gott: Herr der Welt! Wem nützen diese drei Wesen? Die Hornisse saugt den Honig, und ihr Stachel bereitet Schmerzen; die Spinne webt immerzu, und das Gewebe dient nicht einmal zu ihrer eigenen Bekleidung, der Narr endlich richtet nur Unheil an und weiß nichts von deiner Größe und Einzigkeit. Da erwiderte der Herr: David, du verhöhnst meine Geschöpfe. Es wird ein Tag kommen, da du ihrer bedürfen wirst und so erfahren, wozu sie da sind.

Als viele Tage danach David vor Sauls Nachstellungen sich in einer Höhle versteckte, schickte Gott eine Spinne, und die spann einen Schleier über den Eingang zur Höhle. Saul kam hintennach, sah das Netz über dem Loch und sprach bei sich: Hierein kann niemand geschlüpft sein, denn er hätte die Spinnfäden zerreißen müssen. Und er sah in der Grube nicht nach und schritt weiter. David aber stieg aus dem Versteck, küsste die Spinne und sprach: Gesegnet seist du und gelobt dein Schöpfer! Und zu Gott sprach er: Wer gleicht dir in deiner Allmacht, und wer bringt solches zuwege?
Es währte nicht lange, und David kam auf seiner Flucht zu Achis, dem Könige von Gath. Hier drohte ihm Rache für die Tötung Goliaths, und so stellte er sich wahnsinnig vor dem König und seinen Hofleuten. Achis aber hatte eine Tochter, deren Verstand verkehrt war. Als ihm David vorgeführt wurde, sprach er zu seinen Dienern: Ihr treibt wohl Spott mit mir? Weil ich eine irrsinnige Tochter habe, bringt ihr mir noch diesen Narren her? Oder fehlt es mir gar an Wirrköpfen? Also wurde David in Ruhe gelassen; er konnte fliehen und dankte Gott für den Einfall, den er ihm gegeben hatte.

Er sollte aber auch noch einer Hornisse dankbar gedenken. Er kam in die Wüste Siph, an die Stätte, an der Saul mit seinem Feldhauptmann Abner lagerte. Abner beschützte das Haupt seines Königs und lag vor ihm auf dem Rücken mit gebeugten Beinen. Da schlich sich David heran und langte unter den Knien Abners nach einem Kruge Wasser, der neben Saul stand. In diesem Augenblick aber streckte der Feldhauptmann seine Füße aus, und David wurde wie von zwei schweren Säulen gedrückt. Er bat den Herrn um Erbarmen und rief: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Da ließ ihm der Herr ein Wunder widerfahren und sandte eine Hornisse, die Abner in den einen Fuß stach. Nun zog der Hauptmann die Knie wieder an, und David entwich und lobte den Herrn.
Es ziemt sich nicht, dass der Mensch an Gottes Werken Tadel übe.

Bin Gorion – Born Judas

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Autor: Dieter Miunske