Die innere Leere und das Zurückkehren der Vitalität

Lilith (לילית) wird als weiblicher Dämon beschrieben und so taucht sie in vielen Mythen und Legenden auf. In der Bibel wird der Name bzw. das Wort nur ein einziges Mal erwähnt, doch an dieser Stelle offenbart es seinen Charakter:

Jes 34,14: Und Wüstentiere treffen mit wilden Hunden zusammen, und Böcke begegnen einander; ja, dort rastet Lilith und findet einen Ruheort für sich.

Lilith fühlt sich nur dort wohl, wo alles niedergerissen und zerstört wurde. Gemäß jüdischer Überlieferung ist sie genau wie Adam (אדם) aus der ADAMAH (אדמה), der Erde, gemacht. Sie besteht somit zwar aus den gleichen Elementen, ist aber nicht „von“ Adam genommen. Die Beziehung kann deshalb nur objektiv sein. Sie steht Adam nicht als „der fehlende Teil“ gegenüber, durch dessen Verbindung es wieder zur „1“ kommt, sondern als eigenständige Schöpfung, die mit Adam direkt nichts zu tun hat, außer dass sie aus der gleichen Materie gebildet wurde.

Eine Vereinigung mit Lilith ist deshalb keine Verschmelzung und kein Erreichen der „1“, sondern eine Bestärkung der „2“ – beide Seiten suchen nur ihren eigenen Rausch, wozu die jeweils andere Seite benutzt wird. Der Vorgang, der normalerweise dem Menschen gegeben ist, um seiner Seele Raum zu verschaffen, bewirkt nun das Gegenteil: Die Seele wird isoliert und verkümmert, weil sie keine Resonanz erfährt. Es ist wie das Sprechen mit dem eigenen Echo. Neues und Erhebendes kann man nicht erfahren.
Das Einswerden mit Lilith ist wie ein Hinzufügen von etwas Fremdem, wohingegen die Verbindung mit Eva die Wiederherstellung einer verlorenen Ganzheit ist.

Beide Frauen stehen für zwei grundlegende Möglichkeiten, die Welt zu betrachten.

Lilith:
Ist diese Welt für mich aus dem gleichen Material wie ich, betrachte ich sie objektiv als ein Ding, worin ich lebe, und das ich erforschen kann, aber wirklich zu mir gehörig kann ich sie nicht akzeptieren. Vieles ist mir zu fremd, als dass ich damit eine Verbindung eingehen möchte. Also nehme ich mir, was mir gefällt, ohne Rücksicht auf Verluste – nach mir die Sintflut!

Eva:
Sobald ich erkenne, dass diese Welt ein Teil von mir ist, wird sie mir sofort zur Hilfe, die eine Beziehung aufbaut. Der Ausdruck ESER KENEGDO (עזר כנגדו) zählt im Hebräischen 360. Mit dieser Zahl aber wird seit alters die Gradeinteilung des vollständigen Kreises angegeben. Alles, was um mich herum passiert, gehört zu diesem Gegenüber, das ich natürlich ablehnen kann, aber ich könnte auch versuchen, einen Schritt darauf zuzugehen, um es kennenzulernen.
Einheit entsteht erst, wenn man vom Gegenüber ahnt, dass er zu einem gehört, und das Verlangen entbrennt, mit diesem Gegenüber eins zu werden. Eva, die Mutter allen Lebens, ist nicht eine fremde Opposition, sondern die Seite, durch die man wieder ganz wird. Sie sensibilisiert mich für das, was mir fehlt, indem sie mir dazu verhilft, Antworten für den Bereich zu erhalten, wo mir etwas entnommen wurde (Seite/Rippe). Ihr Inneres entstammt meinem Inneren. Beide Seiten empfinden das.

Komplementär oder Konkurrenz

Das Wort für Gegenüber, NEGED (נגד), trägt das Prinzip der Sichtbarkeit und des Hervortretens in sich (wie in NAGID – ein Fürst/Anführer, oder LEHAGID – erzählen/offenbaren). Eva „umgibt“ wie ein Kreis das Zentrum (Adam), woraus sie „gebaut“ (בנה) wurde. Sie spiegelt Adam nicht das wider, was er ist (wie Lilith), sondern das, was ihm fehlt, um ganz zu sein.
Während Lilith Adam wie ein anderes Ich gegenübersteht (was zum Machtkampf führt), ist Eva als NEGED ein komplementärer Widerstand, der Adam zur Selbsterkenntnis führt. Sie bildet den Reflektor für das aus dem Zentrum ausgehende Licht. Licht ist nur durch Reflexion sichtbar. „Ich bin das Licht der Welt“ weist auch darauf hin, dass die Welt als Außenkreis das Licht des Zentrums reflektiert. Ohne „die Welt“, ohne Außenkreis verpufft das Licht im Dunkel, ohne sie aufzuheben. Licht alleine hebt die Finsternis so auf, wie eine Taschenlampe die Dunkelheit aufhebt, wenn man sie nachts Richtung Sterne leuchten lässt. Ohne Projektionsfläche hat das Licht keine Bedeutung. Bei der Schöpfung ist es sogar so, dass zuerst der „Reflektor“ (Himmel und Erde) geschaffen wird und danach spricht Gott: „Es werde Licht“. Die Bibel beginnt in diesem Kontext mit einem weiblichen Charakter, weil das Hervorbringen von Materie konträr der Selbsterkenntnis innerhalb der Materie verläuft.
Im jüdischen Brauch umkreist die Braut bei der Hochzeit siebenmal den Bräutigam. Diese Tradition erinnert den Menschen daran, dass diese Welt, die im Zeichen der 7 ist, jeden Einzelnen umkreist und mit verliebtem Blick nur dem Einen im Zentrum zuflüstert: Für dich bin ich da, für dich geboren, und nur zusammen sind wir „der Mensch“. Was sich im Ritual bis ins Äußerste zeigt, gilt für alle unsere Begegnungen, bei denen wir die interpretatorische Freiheit haben, sie wie einen Hochzeitstanz zu sehen.

Gleichberechtigung als Befestigung der Zweiheit und Verhütung der Einheit

Der Kontrast zu Lilith könnte nicht stärker sein, denn sie mag keine Hochzeiten. Sie ist das Destruktive, das eine Selbsterkenntnis unmöglich macht, indem sie Fraktale der Zerrissenheit reflektiert, die dem Schlafenden als verführerisches Spiegelbild seiner eigenen unerfüllten Begierden erscheinen.

Es ist ihr Kampf um Aufmerksamkeit. Ihr Ziel ist das „Absaugen“ des eigenen Potenzials, was sich in störenden Gedanken, Ängsten und destruktiven Impulsen ausdrückt, die den Menschen immer wieder heimsuchen. Als Ursache dafür wird u.a. genannt, dass ein solcher Mensch kein echtes Einswerden mit dem Leben (mehr) kennt. Das praktische Leben ist eher grau in grau, kaum etwas geschieht, das aufmerken lässt, dafür spielt sich aber viel im Kopf ab. Endlose Gedankenschleifen, genährt von Bildern und Informationen, die mit dem eigenen Leben selten bis nie etwas zu tun haben, machen den Menschen leer, zerrütten ihn zu einer Ruine, in der Lilith und ihre Dämonen gerne wohnen.

Weil Adam und Lilith aus dem gleichen Material stammen, sagt sie: „Wir sind beide gleich, da wir beide aus dem Erdboden gemacht sind.“ Daraus folgert sie, dass sie beide in jeder Hinsicht gleichberechtigt sind, allerdings in einer Weise, die den anderen überflüssig macht. Das betont sie immer wieder und besteht darauf, bei einer Begegnung stets „oben“ zu sein, wodurch sie klarstellt, wer wen dominiert. Ihr Gleichstellungsanspruch ist in Wahrheit der Wunsch nach Autonomie und Dominanz. Sie repräsentiert nicht „die Hilfe gegenüber“ (ESER KENEGDO), sondern die SITRA ACHRA, die „andere Seite“.

SITRA ACHRA (סטרא אחרא) ergibt in der Summe der Zeichen 480, die in einem bestimmten Verhältnis zur 360 von ESER KENEGDO stehen. Wir sehen hier 3 × 120 und 4 × 120. Die „3“ steht u.a. für die Antwort auf den Gegensatz von These und Antithese. Sie verbindet beide und verändert das Gesamtkonzept, so wie ein Kind aus einem Mann und einer Frau einen Vater und eine Mutter macht.

Die „4“ hängt u.a. mit der Zeit (4 Tageszeiten, 4 Jahreszeiten), den Himmelsrichtungen und den Elementen der Welt (Feuer, Wasser, Luft und Erde) zusammen, aber sie ist auch der Zahlenwert der DALETH (ד), die als DELETH ausgesprochen „Tür“ bedeutet. In einer Tür bleibt man nicht stehen, man muss hindurchgehen, wenn man nach draußen oder nach innen kommen will. Es braucht dazu weder Kraft noch Gewalt. DELETH (דלת) zählt als Wort 434 (4+30+400) und das ist die Anzahl der Wörter des ersten Kapitels der Bibel, das mit dem 6. Schöpfungstag endet. Genau am Ende dieses Tages entstehen auch diese Wesen, die keinen Körper mehr erhalten, weil der Fall dann unumkehrbar geworden wäre. Diese Wesen hängen mit Lilith zusammen – und auch wenn wir es gerne anders hätten, das gehört alles zur Schöpfung, die materiell als Viereck auftritt.

Die „Hilfe ihm gegenüber“ bildet, wie bereits erwähnt, einen Kreis, dessen Punkte alle den gleichen Abstand zum Zentrum haben.
Die „andere Seite“ (die stellvertretend für alles Negative steht) bildet ein festes Quadrat, dessen Punkte der Außenlinie unterschiedliche Abstände zum Zentrum haben. Dem Zentrum am nächsten sind sie in der Mitte der jeweiligen Seiten und am weitesten weg sind die Winkel, von denen gesagt wird, dass darin die MASIKIM wohnen, das ist die Bezeichnung für eine spezielle Art von schädigenden Dämonen. Diese brauchen die Distanz zum Zentrum, um ihre eigene, vom Licht getrennte Schein-Existenz aufrechtzuerhalten.

Feste Relativität kontra flexible Starre

Die 480 entspricht einem Längenmaß und die 360 der Gradeinteilung des Kreises. Sind das nicht zwei verschiedene „Währungen“?
Die Erklärung ist, dass die 360 relativ ist, weil sich das göttliche Prinzip im Bild von Kern und umgebendem Kreis immer gleich zeigt, egal ob der Kreis klein oder groß ist. Es gibt keine „bevorzugten“ oder „vernachlässigten“ Punkte. Die Reflexion ist überall konstant. Das Zentrum (Adam) fühlt sich im Kreis überall gleichermaßen gehalten und gespiegelt. Auch gibt es im Kreis keine dunklen Ecken, in denen sich etwas „Fremdes“ oder eine „falsche Wirksamkeit“ verbergen könnte.

Lilith ist ein Gegenüber, das „fest“ ist. Die 480 steht für ein Gefangensein mit Momenten extremer Nähe (Sucht/Fixierung/Angst), die uns bedrängen, gefolgt von Momenten extremer Leere und Distanz (Einsamkeit/Entzug/Sinnlosigkeit). Dieses Hin und Her zwischen „zu nah“ und „zu fern“ ist der Motor der Verzweiflung, der Menschen an den Rand des Wahnsinns treiben kann.

Die 360 bei Eva als „Hilfe ihm gegenüber“ bezieht sich auf die innere Struktur. Grade beschreiben das Verhältnis zum Zentrum. Ein Kreis von 360 Grad sagt aus: „Die Beziehung ist nicht wechselhaft wie bei einem Quadrat. Ich helfe dir, bin immer in deiner Nähe und verlasse dich nicht.“

Das Winkelmaß des Kreises unterstreicht Evas Rolle als qualitatives Gegenüber. Sie ist keine „Masse“, sondern eine „Richtung“. Sie ordnet Adams Welt, indem sie ihm eine „Rundum-Perspektive“ schenkt, die weder ängstigt noch den Eindruck eines Verlassen-Seins mit sich bringt.

Die 480 von Lilith finden wir auch in 1. Könige 6:1, wo erwähnt wird, dass der Tempelbau im 480. Jahr nach dem Auszug aus Ägypten beginnt. Mystiker deuten dies so, dass die 480 die Zeitspanne ist, die überwunden werden muss, um von der „Wildnis“ (dem Ort der Lilith und der Dämonen) zum „Heiligtum“ (dem Ort des JICHUD) zu gelangen. Auch Noach muss erst 480 Jahre alt werden, bis sich ihm Gott offenbart.

Ein selbstkorrumpierender Gerechtigkeitssinn

Lilith ist die Gefährtin des SM (Samach Mem/Samael). Als Frau wird sie so dargestellt, dass sie ständig nach Gerechtigkeit fragt, während Eva dafür steht, das Leben trotz Ungerechtigkeit zu ermöglichen und zu sichern. Eva hat das Runde, Liebliche, das typisch Weibliche, und Lilith das Kantige, wie es auch durch die beiden Zahlen zum Ausdruck kommt.
Weil Lilith keine Antworten auf die von ihr festgestellten Ungerechtigkeiten in der Welt findet, wird sie selbst zur Stifterin von Chaos, Zerstörung und Unfruchtbarkeit. Sie hasst Kinder und liebt destruktive Gedanken und das Aufzeigen davon, dass diese Welt doch ein Versagen dessen ist, der sie kreiert hat. Sie ist als Aufklärerin mit erhobenem Zeigefinger unterwegs und warnt vor dem, was – ihrer Ansicht nach – kommen soll.

Ihre „Kinder“ sind körperlose Wesen, die Lilin (לילין) genannt werden. Sie sind nicht ganz Geist und nicht ganz Fleisch, existieren in den Räumen zwischen den Welten, den Schatten und den Träumen. Sie stehen an der Schwelle, die ein Mensch überschreiten muss, wenn er zum Wesentlichen durchdringen will.

Wenn Menschen frustriert und ihre Erwartungen enttäuscht sind, ist Lilith bald als Pseudo-Trösterin zur Stelle und animiert dazu, sich doch mit ihr einzulassen und die Zügel mal so richtig schießen zu lassen. „Es hat doch sowieso alles keinen Sinn. Du siehst doch, wie die Guten bestraft werden und die Bösen Erfolg haben. Sei doch nicht so naiv zu glauben, dass du hier eine Ausnahme bist“, sind ihre Argumente, die alle Menschen nur zu gut kennen.

Typisch für eine Begegnung mit ihr ist das Gefühl der Leere und Sinnlosigkeit, das sie im Menschen hinterlässt, der sich mit ihr eingelassen hat. Es ist neben dem „mal richtig auf den Putz hauen“ die Suche des Reizes um des Reizes willen, die in maskuliner Form „der fremde Mann“ genannt wird und eine Entsprechung zu Samael (dem סם) ist, der sich als omnipotente Instanz anbietet. Andere nennen ihn Luzifer.

Virtual Reality – Wenn die Seele nur noch stört

Die Manneskraft lautet im Lateinischen „virtus“, das auf „vir“, den Mann, zurückgeht, und wovon der Begriff „virtuell“ kommt, der eine Welt beschreibt, die physisch nicht existiert, aber so wirkt, als ob sie es wäre. Der „fremde Mann“, der zur „anderen Seite“ gehört, simuliert eine Kraft und eine Vollmacht, die keine Wurzeln in dieser Schöpfung haben.
Die virtuelle Welt gaukelt Kraft und Stärke lediglich vor (z. B. durch Machtgefühle in Spielen oder digitale Selbstinszenierung). Es ist eine „Wirksamkeit“, die weder Widerstand noch Reibung in der Materie erfährt, woraus Wachstum entstehen würde. Stattdessen schrumpft der Betreffende in sich zu einem Haufen Elend zusammen, sobald er diese Pseudo-Welt verlässt und sich im richtigen Leben beweisen muss. Oft kann er hier nur noch durch das „Tragen von Schalen“ (KLIPPOTH) bestehen, die sein Inneres panzern.
Da diese „Manneskraft“ nur in einem geschlossenen, virtuellen System stattfindet, wird kein reales „Kind“ (kein echtes Werk) gezeugt. Der Mensch verausgabt seine schöpferische Potenz in einem Raum, der ihn nicht nährt, sondern ausmergelt. Er kommt „leer“ zurück, weil er seine Kraft an ein System verschenkt hat, das keine Resonanz gibt, wie es in der echten Welt der Fall wäre.
Die moderne Welt bietet ein Eldorado an Möglichkeiten, sich aussaugen und leeren zu lassen wie eine Getränkedose, die man am Ende zerquetscht und entsorgt. Mit dem „Bild und Gleichnis Gottes“ hat so jemand quasi nichts mehr zu tun.

Es ist der Kick des Augenblicks, der einen Moment lang für eine Genugtuung sorgt, die der Wirkung einer Droge ähnlich ist. Der Begriff „Dämonie“ beschreibt diesen Zustand treffend. Die Ergüsse bleiben körperlos. Die Gefühle finden keine Nähe und keine echte Erwiderung, weil eine solche eine andere Seele voraussetzt. In der virtuellen Welt kann man agieren, ohne Konsequenzen zu erwarten. Doch erst die Rückkopplung durch eine Konsequenz, die doch auch positiv sein kann, stellt die Verbindung zwischen Körper und Seele her.

Wie das Leben wieder Einzug erhält

Jede Zeit bringt zu der einen Seite auch die Gegenseite hervor. Schlägt das Pendel zunächst stark nach links aus, wird es anschließend auch stark nach rechts schwingen. Welche Möglichkeiten gibt es also, einem solchen Einfluss zu entkommen?
Die konkrete Hilfe nennt man (im Sohar z.B.) JICHUD (יחוד), was „Vereinigung“, „Einswerdung“, aber auch „Einzigartigkeit“ bedeutet. Es ist das Gegenmittel zum Raubbau durch Lilith. Während sie die Energie zerstreut und in die Leere abfließen lässt, ist JICHUD der Prozess, durch den die Lebenskraft zurückkehrt.

Der Mensch verstehe sich als Verbindungskanal und nicht als Endpunkt des Genusses. Er verbinde die untere mit der oberen Welt und handle gemäß seiner Bestimmung als Mittler, als Waw, als verkörpertes Zeichen, im Zwischen zweier Welten stehend und diese durch sein Leben zueinanderbringend. Die Verbindung zwischen Himmel und Erde muss zirkulieren wie das Wasser, das von oben als Regen nach unten kommt und von unten nach oben durch Verdunsten zurückkehrt. Was du im Irdischen tust, muss sichtbar und konkret sein wie der Regen. Was du dem Himmel tust, geschehe im Verborgenen, kaum sichtbar soll es sein wie der Dunst, der so leicht ist, dass die Erde ihn nicht mehr halten kann.

Während Lilith von der Fantasie und dem „Bild des Gegenübers“ lebt (virtuell), erfordert JICHUD die totale Präsenz beim realen Gegenüber. Präsenz bewirkt Konzentration, ist für sich genommen schon bündelnd und zum Zentrum hin sammelnd.
In einer „Lilith-Zeit“ ist alles auf Zerstreuung ausgelegt, wodurch Unverbindlichkeit und Verantwortungslosigkeit als Nebeneffekte auftreten.
Die Mystiker lehren, dass ein Mensch, der JICHUD praktiziert, für die LILIN (die Schattenwesen) unsichtbar wird. Er kann nicht mehr angegriffen werden, wie die Männer in Sodom, deren Verfolger mit Blindheit geschlagen wurden.
Lilith kann nur dort existieren, wo ein Bruch ist, wo ein Spalt zwischen Körper und Seele geschlagen wurde. JICHUD schließt diesen Spalt.

Da Lilith ein Wesen der „Luft“ und der „Träume“ ist, wie es einmal in Eph. 2:2 gesagt wird, ist die stärkste Form von JICHUD keine geistige Aktivität, sondern die Rückkehr zum Konkreten, zum Körper und zur Erde. Körperliche Tätigkeiten oder der bewusste Kontakt mit der Natur sind einfache Mittel, um einem umherirrenden Geist eine Wohnung zu geben, die ihn zur Ruhe kommen lässt. Der JICHUD ist also jener intime, verborgene Moment in uns selbst und in unseren Beziehungen, in dem die Dualität dieser Welt – der Körper und die Seele, das Männliche und das Weibliche – sich in voller Bewahrung ihrer Einzigartigkeit in der Liebe zur ewigen Einheit verbindet. Hieraus kann zu jeder Zeit etwas ganz Neues entstehen, das den Menschen nicht nur erfüllt, sondern vor Freude überfließen lässt.