Die versöhnte Seele trägt durch die Zeit

Kippur (Versöhnung) stammt von kaphar, 20+80+200, das neben „versöhnen“, „bedecken“ auch „nicht existierend“, und „unwirksam‎ gemacht‎ werden“ bedeutet. Zum ersten Mal finden wir es beim Verpichen der Tebah (Arche):

Mache dir eine Arche aus Gopherholz; mit Kammern sollst du die Arche machen und sie von innen und von außen [mit Harz] verpichen (kaphar).“

1. Mose 6:14

Das Wort (tebah / Arche) trägt nur, wenn Versöhnung „innen und außen“ vorhanden ist. Im Bilde der Arche versteht man leicht, dass nur so gewährleistet ist, dass kein Wasser eindringt. Noach, der Tröster, verhindert das Eindringen von Wasser (Zeitlichem ins Wort), sodass es in eine neue Welt tragen kann ohne unterzugehen. Versöhnung erst gibt dem Wort seine bleibende tragende Bedeutung und Kraft, und Versöhnung ist nur, wenn du die Bibel nicht zeitlich historisch liest. Machst du das, kommt das Wasser hinein und du gehst unter. Die Versöhnung selbst trägt jedoch nicht, sondern verhindert nur, dass das Tragende (das Holz) sich nicht mit Wasser vollsaugen kann. Das eigentliche tragende Element ist das ezi gopher, 70+90+10 + 3+80+200, die „Hölzer aus Gopher“, die als Wort 453 zählen. Dieselbe Zahl zählt auch der Ausdruck „lebende Seele“, nephesch chajah, 50+80+300 + 8+10+5.
Die Seele würde sich ohne Versöhnung mit Wasser, dem Zeitlichen, vollsaugen und nicht lange tragen. Aber in der Verbindung mit dem kaphar trägt sie durch die Zeit und entfaltet so erst ihre wirkliche Bedeutung. Die nephesch ist die Leibseele bzw. Tierseele, die die Entwicklung der Zeit in sich trägt, deshalb bedarf sie einer „Behandlung“.
Kaphar bedeutet aber auch „leugnen“ und das will sagen, dass Gott unsere Art der Selbstverurteilung leugnet:
Du machst dich selbst fertig und denkst, dass ich dich hasse oder hintanstelle? So bekenne ich mich nicht zu dir, das leugne ich. Doch ich will dir sagen, wie ich zu dir stehe:

Ich habe dich je und je geliebt; darum habe ich dich zu mir gezogen aus lauter Güte.

Jer. 31:3

Vergiss das nie, denn alles ist bereits vollbracht – die Versöhnung haftet an der Seele und versiegelt sie!

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Autor: Dieter Miunske