Die Verwechslung

Rabbi Jizchak von Worki erzählte: «Als ich einmal mit meinem heiligen Lehrer, Rabbi David von Lelow, unterwegs war und wir in einer fernen Stadt verweilten, fiel plötzlich auf der Gasse eine Frau über ihn her und schlug auf ihn ein. Sie glaubte in ihm ihren Mann zu erkennen, der sie vor vielen Jahren verlassen hatte.
Als nach wenigen Augenblicken der Irrtum sich klärte, brach sie in ein fassungsloses Weinen aus. ‹Sei ruhig›, sagte Rabbi David zu ihr, ‹du hast doch nicht mich, sondern deinen Mann geschlagen.› Und er fügte leiser hinzu: ‹Wie oft schlägt man auf einen ein, weil man ihn für einen andern hält, als er ist!›»

(Martin Buber, Die Erzählungen der Chassidim)