Gottes Ehre

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Wenn man allgemein fragt, was Menschen unter der Ehre Gottes verstehen, dann erhält man oft Antworten, die in etwa folgenden Inhalt haben:

In vielen religiösen Traditionen wird die Ehre Gottes mit Respekt, Anbetung, Gehorsam und der Anerkennung der Göttlichkeit in Verbindung gebracht. Gläubige sehen die Ehre Gottes als eine Verpflichtung, die in moralischem Verhalten, Gottesdienst und dem Befolgen religiöser Gebote zum Ausdruck kommt.

Wer sich mit sogenannter künstlicher Intelligenz (KI) befasst, wird bemerkt haben, dass diese Antwort computergeneriert ist (ChatGPT). Trotzdem würden viele bestätigen, dass diese Aussagen zutreffend sind, wenn es um die Beschreibung der Ehre Gottes geht.
So fromm das auch klingt, ist es doch weit vom eigentlichen Sinn entfernt. Die Ehre Gottes, heißt es, das ist deine Seele! In Psalm 30:13 wird sie z.B. so genannt:

damit [meine] Seele (KAVOD / Ehre) dich besinge und nicht schweige. HaSchem Elohaj (HERR, mein Gott), ewig werde ich dir danken!

Auch am Ende von Jes. 58:8 ist den hebräischen Kommentaren zufolge die Seele gemeint:
KAVOD (Ehre) HaSCHEM JA’ASPHECHA (“er sammelt dich”, von ASAPH, einsammeln).

Die Seele selbst wird als KAVOD, als „Ehre“ oder „das, was den Menschen in seinem Inneren ausmacht“ bezeichnet. Dass dich Gott so hierher auf diese Welt gebracht hat, dein Leben so gestaltet hat, vieles verhindert, aber auch vieles möglich machte, das macht deine Beziehung zu ihm aus, das ist seine KAVOD. Fragt man einen Menschen, was ihm zur Ehre gereicht, kommen Antworten wie: Meine Ausbildung, meine Karriere, mein Geschäft, meine Familie, meine Kinder oder auch die Eltern. Andere sind stolz auf ihre Herkunft etc.

Fragen wir Gott, was ihm zur Ehre gereicht, sagt er: Du bist es, du bist meine Ehre! Du kommst doch von mir und zu mir werde ich dich wieder einsammeln.
Diesen Zusammenhang erzählt das Wort auch: KAVOD zählt 26 wie JHWH und hat die 430 als Athbaschwert. 430 zählt auch die Seele, die NEPHESCH.
Bezieht der Mensch seine Seele nicht auf Gott, bedeutet כבד nicht Ehre, sondern „verstocken“ (Ex. 8:11). Deshalb spreche man auch nicht schlecht von sich selbst. Das, was uns zum Menschen macht, ist das Wertvollste, womit wir es zu tun haben. In Bezug auf Hiob sagt HaSchem zum Satan (Hiob 2:6): NAPHSCHO SCH’MOR, wörtlich „bewahre seine Seele“. Im heutigen Hebräisch bedeutet SCHOMER שמר auch konservieren, also unzugänglich machen. Hiobs Seele tastet der Satan nicht an. Man liest hier oft, dass der Satan sich hüten soll, doch es steht: Hüte seine Seele.
Wer hat nun die Macht, die Seele zu diskreditieren? Es ist der Mensch selbst, der das Vergängliche dem Unvergänglichen vorzieht. Erwäge den Wert des dir Anvertrauten – es ist nicht weit weg – und du wirst erfahren, welches Gewicht dein Leben bekommen wird; wiederum nicht im Sinne einer Schwerfälligkeit, sondern einer Wichtigkeit, einer Bedeutung, die außer dir niemand hat. Das zu erkennen heißt Gott die Ehre geben.