Wenn Gott die 10 Worte in Ex. 20 gibt, stellt er sich nicht als der allmächtige Schöpfer vor, der jetzt einen Vertrag vorlegt und Forderungen definiert, dem Motto gemäß:
„Also, alle mal herhören! Ich bin der Schöpfer des Himmels und der Erde, des ganzen Universums und alles dessen, was ist, und wer seid ihr eigentlich? Warum sollte sich denn jemand um euch kümmern? Habt ihr euch eines Lohnes als würdig erwiesen?“
Auch wenn es die wenigsten so formulieren, geistert dieses Verständnis unterschwellig vielen durch den Kopf.
Stattdessen sagt er:
„Ich bin HaSchem Elohecha (יהוה אלהיך), welcher DICH herausgeführt hat aus dem Land Ägypten, aus dem Haus (des) Dienstes.“
Persönlicher könnte sein In-Kontakt-Treten gar nicht sein. Er spricht keine Menschheit, keine Gruppierung, keine Geschöpfe allgemein an, sondern wendet sich an alle, die das lesen, mit einem DU. Hallo, um DICH geht es! Ich habe DICH herausgeführt. Ist Dir das überhaupt bewusst, dass ich das nur Deinetwegen getan habe?
Das „Du“ im Originaltext kein eigenständiges Wort, sondern wird durch das 11. Zeichen dargestellt, das Kaf (כ), das zur Bildung der 2. Person Singular in diesem Fall einfach an das Ende eines Wortes angehängt wird und damit auch das Wort abschließt. Für „Dein“ oder „Dich“ wechselt dieses Kaf dann die Form, was sich darin zeigt, dass der untere Teil nach unten klappt und senkrecht wird (ך).
Dasselbe Zeichen macht am Anfang der Rede Gottes aus dem ani (אני), „ich“, das ägyptische anoki (אנכי), das ebenfalls „ich“ bedeutet. Was fällt auf? Gott schließt Dich in sein Ich ein. Du bist Teil seines Ichs!
Deshalb fährt er dann fort mit: „Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.“
Warum nicht? Weil Du diesen anderen Göttern völlig egal bist. Du gehörst nicht zu ihnen und sie nicht zu Dir. Das achar (אחר), das für „andere“ steht, bedeutet etym. zögern, aufhalten, ausbleiben, versäumen, verpassen.
Wenn Du Dich selbst oder Deinen Erfolg suchst, indem Du den Göttern dieser Welt nachjagst, wirst Du Dein eigenes Leben verpassen, das Eigentliche versäumen und Du hältst Dich selbst auf.
Das benannte Schluss-Kaf in „Dein Gott“ ist das 13. Zeichen innerhalb dieses Verses, wodurch ein weiteres Merkmal gesetzt wird:
Ich habe Dich herausgeführt, weil ich Dein Rufen gehört habe, Dein stilles Seufzen ist mir nicht entgangen, das lässt mich nicht kalt. Ich habe gehandelt, weil ich Dich liebe – Du gehörst zu mir.
