Masal (מזל), 40+7+30, bedeutet Glück, Erfolg, Schicksal und Sternzeichen. Der Ausspruch masel tov wird nicht nur bei Hochzeiten verwendet, sondern auch dann, wenn etwas zu Bruch gegangen ist. Die ganze Schöpfung ist ein Zerbrechen in viele Teile, die sich wiederfinden sollen. Daher stammt auch der Brauch, zur Hochzeit Gefäße fallenzulassen, um sie in Scherben zu zerbersten, wodurch symbolisiert wird, dass man jetzt am Anfang eines neuen Weges steht, bei dem es gilt, das Zerbrochene wieder zusammenzusetzen. Jedes Mal, wenn man Teile findet, die zueinanderpassen, ist etwas heilgeworden. Der ganze Lebensweg ist eigentlich ein Wiederfinden dessen, das zerbrochen war. So finden wir Menschen, Orte und Situationen und empfinden: Das passt! Mir wird ein großes Glück zuteil!
Eine Scherbe alleine mag sich ganz toll finden, aber ihre Bedeutung wird sie erst erfahren, wenn sie das Stück gefunden hat, das nur zu ihr passt. Und gerade dann, wenn wir nicht aktiv konstruiert haben und das persönliche Schulterklopfen ausfällt, sind die Überraschung und die Freude am größten.
Der Sterbetag (Jahrzeit) wird im Chassidismus auch als „Hochzeitstag“ angesehen, weil der betreffende Mensch in die Welt des Ewigen übergeht. Den Hinterbliebenen wünscht man an einem solchen Gedenktag ein „masel tov“ (gutes Glück), weil das Schicksal in ihr Leben eingegriffen und eine Verbindung nach „hinter den Sternen“ hergestellt hat. Wenn Menschen, die uns nahestehen, versterben, baut sich eine starke Verbindung zwischen Hier und Dort.
Das Wort „masal“, 40+7+30, hat typischerweise den Aufbau der 7 und ist daher auch etwas, das zum 7. Tag gehört. Der Beginn des Wortes und dessen Ende summieren sich zu 70, und das Zentrum ist eine 7. Von der sprachlichen Seite her betrachtet ist es kein Zufall, dass dieser Begriff vom 7. Tag ist. Auch das Wort „ewig“ (עלם), olam, 70+30+40, steht damit in Verbindung, was sich in den Zahlen ohne Umweg zeigt. Doch olam bedeutet nicht nur „ewig“, sondern auch „Welt“, weil die Welt Ausdruck des Ewigen ist. Der Mensch soll die Welt nicht lieben, wie es in 1. Joh. 2:15 heißt, weil sie nur der Ausdruck, aber nicht das Zentrum ist. Gott liebt die Welt, weil sie ihn ausdrückt. Der Mensch aber, sich im Ausdruck befindend, soll sich zurück, bzw. nach innen zum Zentrum sehnen.
Der Mensch, der sich unter den Sternen wähnt, sieht diese Verbindung nicht.
Die „maseloth“ (Sternzeichen) befinden sich am Firmament, also in dem Bereich, der eigentlich die Grenze ist, zwischen dieser Welt und etwas, das jenseits dessen ist. Es ist noch nicht das andere, sondern nur der Grenzbereich. Sterne stehen an der Grenze zwischen den Welten.
Die Tatsache, dass dieser Grenzbereich, gemessen mit unserem Maß, eigentlich unendlich ist, spielt hier keine Rolle, denn unsere Maße sind offensichtlich nicht geeignet, etwas anderes zu messen als das, von dem sie abgeleitet sind.
Die „maseloth“ sind also etwas aus dem Grenzbereich und daher in gewisser Weise unserer Logik entzogen. Wir sehen sie und können daraus Berechnungen anstellen, aber wir wissen nicht, warum die Dinge tatsächlich so sind, weil wir nur eine Seite von ihnen sehen.
Israel steht für die Seele, die „gerade zu Gott ist“ (jaschar el); sie bleibt nicht im Grenzbereich „hängen“, sondern geht weiter in den Bereich jenseits der Sterne. Deshalb steht „Israel“ wesentlich über den maseloth und darf sich diesen auch nicht unterwerfen. Das bedeutet, dass der von der Seele gelenkte Mensch ebenfalls nicht berechenbar ist. Er ist mal so und mal so. Heute brav und morgen ein Rebell, doch niemand erkennt die Beweggründe. Er wird von woanders gelenkt und manchmal überkommt es ihn, und er hat später selbst keine Erklärung dafür.
Dieses Verhalten ist typisch für solche, die das Zeitliche nicht als absolute Größe und Macht über sich akzeptieren. Sie vertrauen darauf, dass die Quelle des Lebens in einem Bereich verortet ist, der dem Spötter unzugänglich bleibt. Vom Auszug aus Ägypten wird erzählt, dass es aus der Sicht der Sternzeichen der denkbar ungünstigste Moment für die Hebräer war, um auszuziehen. „Was für ein perfekter Moment“, denkt Mose, denn so offenbart sich Gottes Eingreifen, denn Gott braucht keine irdische Nachhilfe. Auch Elia verhält sich bei der Herausforderung der Baalspriester ähnlich. Er verspottet diese Priester mit ihren Methoden und fordert sie heraus:
„Ruft mit lauter Stimme, denn er ist <ja> ein Gott, denn er ist in Gedanken, oder er ist beiseitegegangen, oder er ist auf der Reise; vielleicht schläft er und wird aufwachen!“
Die Passage in 1. Könige 18 ist fast erheiternd, wie er „die Vielen“ der Lächerlichkeit preisgibt. Wenn er an der Reihe ist, sagt er zu dem Altar, den er wieder aufrichtet: „Israel soll dein Name sein!“ (1. Kön. 18:31). Wieder wird „Israel“ zu dem, das alle Grenzen durchbricht. Er lässt sogar sämtliche Voraussetzungen dafür schaffen, dass es völlig unmöglich ist, dass das Erwartete eintreffen könnte. Mit Wasser sollen sie alles nass machen, einen erstklassigen Brandschutz realisieren – was soll da noch brennen? Aber da fiel das Feuer HaSchems herab und verzehrte alles.
Wenn du für die Wahrheit einstehst, sind die Umstände völlig egal; je unmöglicher, desto besser, könnte man sagen. Ansonsten wäre es kein Eingreifen Gottes.
Für die Wahrheit einzustehen heißt jedoch nicht, für sich selbst zu kämpfen, sondern für andere, deren Recht du gebeugt siehst, deren Namen besudelt wird. Wenn du das bemerkst, denke an „Israel soll dein Name sein!“, und tritt für den anderen ein, so handelst du an Gottes statt. Der Himmel wird herabfahren, um dir zu helfen. Mose zog nicht für sich aus, wollte seine Schäfchen nicht ins Trockene bringen, sondern leitete die, die es selbst nicht konnten. Das Schicksal hatte ihn dahin gebracht, aber kein Schicksal, dass jemand aus den maseloth gelesen hätte. Zwar sahen die ägyptischen Astrologen auch etwas, aber sie gelangten immer zu den falschen Schlüssen.
Mose steht auch für den Menschen, der in den höchsten Kreisen verkehrt, aber diese nicht achtet. Dort sah er, wie man, stets zwischen Angst und Rausch pendelnd, sich Regeln unterwarf, die aus seiner Sicht ebenso lächerlich waren, wie die Techniken und Methoden der Baalspriester in 1. Könige 18. Wer aus Israel ist, schaut hinter die Sterne und durchschaut die Täuschungsmanöver derer, die denken, durch Bravsein und Unterwürfigkeit keine Schicksalsschläge zu erfahren.
Ebenso macht sich unsere Seele über uns lustig, wenn wir alle möglichen Dinge machen, weil wir Angst vor Krankheit oder Tod haben. Sie ruft uns doch fortwährend zu: Was sorgst du dich des Vergänglichen, wach auf und frage dich, wer du eigentlich bist. „Israel ist dein Name!“
Masal hat den Charakter der Sieben, Mose ist ein Siebter und Elia lebt zur Zeit des siebten Königs. Das Siebte hat immer das Streben nach dem Durchbruch zum Achten. Es kann nicht untätig herumsitzen, es muss tun. Folge diesem Antrieb, und dann wird es sich tun!