so lautet es in den Sprüchen der Väter (pirke awot) II, 7. Obwohl alle mehr oder weniger wissen, dass Salzwasser nicht geeignet ist Durst zu stillen, trinken viele von dem Wasser, das sie noch durstiger macht und endlich töten wird. Die Rede ist von der Sucht nach irdischem Wohlstand, die stets an Sorgen gekoppelt ist.
Die Sorgen tragen das Schwert der Verwüstung im Gepäck. Es ist eine Kraft, die ein glückliches Leben maximal wirksam verhindert. Im Portugiesischen nennt man die Sorge Vorbesetzung (preocupação). Sie blockiert mich, wenn ich ihr Raum gebe oder genauer: Sie verhindert, dass sich das Leben in mir entfalten kann.

Vergleichbar ist das mit einer Kohlenmonoxid-Vergiftung, die in erster Linie dann auftritt, wenn jemand die bei einer Verbrennung entstehenden Gase einatmet. Kohlenmonoxid besetzt den roten Blutfarbstoff (Hämoglobin), der normalerweise der Transporteur des Sauerstoffs im Körper ist. Die äußerliche Atmung kann mechanisch ungehindert fortgesetzt werden, doch im Organismus findet keine Sauerstoffzufuhr mehr statt. So kommt es zum inneren Ersticken. Das Paradoxe daran ist, dass der betroffene Patient nach außen hin gesund erscheint, weil die Haut weiterhin ihren Normaltonus erhält. Die Affinität des Kohlenmonoxids zum Hämoglobin ist über 200x größer als die des Sauerstoffs.
Ein treffendes Bild für die Kraft der Sorge. Sie besetzt und zerstört. In 1. Samuel 22 lesen wir von Doeg, der ohne zu zögern die 85 Priester der Stadt Nob mit seinem Schwert tötet. Diese Erzählung zeigt im Detail, dass die Sorge ihrem Wesen nach sehr gewaltbereit ist. Doeg ist hebräisch und bedeutet Sorge.