Niemals aufgeben!

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Sobald man die Hoffnung aufgibt, entsteht die Angst. Wer hofft, ist motiviert und hat Impulse weiterzumachen und nicht aufzugeben. Im Portug. ruft man sich ein „nunca desistir“ zu, wenn man sagen will: „Gib niemals auf!“ Wörtlich heißt es: „Gebe niemals deine Stellung, dein Aufrecht-Sein auf!“ Hinstehen, Himmel und Erde verbinden, das ist des Menschen Los.

Hoffnung hängt im Hebräischen mit dem Wort thikwah zusammen, das ist der Maßstab. Maße formen Proportionen und das ist die Grundlage für das, was wir als schön empfinden. Hoffnung gestaltet Schönheit, gibt Form und verleiht Stabilität. Man denke an die Haltungslosigkeit eines Menschen, der die Hoffnung aufgegeben hat. Wie sinkt er in sich zusammen!
Hoffen als Verb (kawah, 100+6+5) zählt nicht nur die 1 auf allen Ebenen (111), sondern repräsentiert auch die essenziellen „Bausteine“ des Namens Gottes (siehe Grafik unten), denn wirklich hoffen kann man nur durch Gottvertrauen. Menschen können sehr hilfsbereit sein, aber jeder Moment kann eine Änderung bringen, wodurch eine konkrete menschliche Hilfe verhindert wird, doch Gott ist imstande dieses Hindernis aufzuheben oder zu umgehen. Ihm stehen alle Mittel jederzeit zur Verfügung. Im Hoffen auf Menschen allein kann die Hürde des Unwägbaren nicht durchbrochen werden.
Das hebräische kawah meint jedoch keine allgemeine Hoffnung im Sinne von „ja, irgendwann wird es mal wieder besser werden“, sondern ist auf einen ganz bestimmten Punkt, ein konkretes Ziel gerichtet und nach diesem Ziel sehnt man sich von Herzen. Wenn jemand bspw. Kopfschmerzen hat, hilft es wenig, wenn sich die wirtschaftliche Situation in der Region verbessert oder die Blumen den neuen Frühling begrüßen. Er möchte gerne ganz konkret schmerzfrei sein. Wenn eine Situation sehr belastend wird, wird man nicht nur konkret auf Besserung hoffen, sondern auch forciert suchen. Ein altes dt. Wort für die Kombination des suchenden Hoffens ist das von Luther oft verwendete Harren, das heute kaum noch Verwendung findet. Man bleibt vehement an etwas dran und lässt nicht locker.

Charles Haddon Spurgeon, einer der bekanntesten engl. Prediger des 19. Jahrhunderts, hatte eine Bibelschule ins Leben gerufen und deren Schüler die Kapitel und Verse der Bibel zählen lassen, so wie sie zu dieser Zeit gesetzt waren. Von Interesse war auch die Mitte der Bibel zu finden, bzw. den mittleren Vers. Man fand zunächst Psalm 118 Vers 8:

Es ist besser, in JHWH Zuflucht zu suchen, als sich auf den Menschen zu verlassen.

Doch man war sich nicht sicher, ob es nicht doch ein Vers mehr gewesen war, und so kam man auf eine gerade Zahl bei der Zählung, wodurch dann zwei Verse die Mitte bilden mussten, und so war nach dieser Zählung Vers 8 und Vers 9 die Mitte (gerade Zahlen haben bei der Teilung keine „greifbare“ Mitte, sondern ein „Zwischen“, also wird eine konkrete Mitte aus den zwei benachbarten Zahlen gebildet, die an das „Zwischen“ grenzen). Ein Staunen ergriff die Schüler, denn dieser weitere Vers lautet:

Es ist besser, in JHWH Zuflucht zu suchen, als sich auf Adelige zu verlassen.

Dennoch kann Angst auch Impulse geben und damit hilfreich sein. Auf Hebräisch heißt Angst pachad, 80+8+4. Lesen wir das Wort rückwärts erhalten wir dachaph, 4+8+80, und das ist der Impuls oder als Verb das Anschubsen (engl. „pushing“), das deshalb geschieht, weil es keinen längeren Aufschub mehr gibt. „Los jetzt, beweg‘ dich!“, wäre der das Verb beschreibende praktische Ausruf. Aber weshalb sollte man sich bewegen? Weil es Hoffnung gibt! Weil die Ecken des Feldes niemals gemäht werden, immer bleibt ein Überrest für die, die eigentlich zur Gruppe der Hoffnungslosen gehören, das sind die Armen, die Waisen und die Witwen, deren „fehlender Teil“ im Himmel ist, wie es heißt. Darin ist die Hoffnung begründet: Es kommt mir von einer nicht bestimmbaren Seite, die alles für mich veranlassen wird, sodass ich meinen Weg weiter gehen kann. Diese Seite gibt aus Liebe, die das Böse nicht zurechnet und sich am Glück des anderen freut.