Ohne Tier kein Bund mit Gott

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Bei der Verwüstung Jerichos werden auch die Tiere geschlagen. Hier sehen wir wieder, wie der Körper tatsächlich an der Wegnahme von Abweichungen beteiligt ist und dass alles, was mit diesem Körper verbunden ist, obwohl wir den Zusammenhang nicht so direkt sehen, das gleiche Schicksal erleiden muss, den gleichen Weg gehen muss wie der Körper selbst. Es war der Körper, der mit seinen Sinnen den Kreis [die Stadtmauer] von Jericho schuf. Deshalb muss alles Körperliche, und was auf diese Weise den Weg gelernt hat, dann auch in der neuen Phase verschwinden. Nichts darf daraus mitgenommen werden, weil dann wieder der Keim weitergetragen wird, und die gleiche Gefahr besteht wie für Jericho. Bei der Sintflut und in Ägypten sehen wir das gleiche Prinzip, nämlich dass auch die Tiere mit dem abgewichenen Menschen weggenommen werden. Der Bund mit Gott wird deshalb auch mit dem Tier geschlossen, weil das Körperliche imstande ist die Verbindung richtig herzustellen, indem sämtliche Körpersinne [nicht mehr nach außen, sondern] auf den Kern gerichtet werden.
Bund bedeutet also auch so etwas wie eine Verbindung, eine Verbindung des Kernes mit dem Kreis, und diese Verbindung macht es dem [Außen-]Kreis möglich, immer auf den Kern bezogen zu leben, sich in allem vom Kern leiten zu lassen. Und dafür muss das Tier, also der Körper, mit einbezogen werden.

Man kann keinen Bund mit Gott machen, wenn man sich selbst als Kern betrachtet, der Gott unabhängig gegenübersteht. Man muss sein Tier, seinen Körper, immer in der Weise mit Gott verbinden, dass die Gedanken, die Wahrnehmung, alle Körperreaktionen auf den Kern ausgerichtet sind und mit diesem verbunden werden. Dann kann der Körper beruhigt wahrnehmen und wird immer die richtigen Schlüsse aus dieser Wahrnehmung ziehen können, weil der Bund da ist. Deshalb ist es eigentlich eine Blasphemie, in Gedanken einen Bund zu schließen und zu sagen: „Ich habe in meiner Überzeugung oder in meinem Gebet einen Bund mit Gott geschlossen“. Das bedeutet, dass der Körper, so wie er jetzt ist, auf eine Ebene gestellt wird, auf der er gar nicht existiert. [bedeutet: der Körper kann nicht folgen, weil er nicht einbezogen wird]
Das ist nichts weiter als Hochmut, und deshalb muss der Gedanke immer von der Tat begleitet sein. Man muss seinen Körper, seine Gedanken und seine eigenen Maßstäbe auch in der Realität des Alltags als Opfer für den Bund geben damit alles, was körperlich – im Sinne des äußeren Kreises – sieht, handelt, reagiert und denkt, durchbrechen und befreit werden kann, sodass man lernt aus einer neuen Perspektive zu sehen, indem man die Maßstäbe Gottes gebraucht.

Dann ist der Bund ein echter Bund und dann haben Gebet und das Denken einen Sinn. Deshalb wird die Milah [Beschneidung] auch die Berith Milah [Bund der Beschneidung] genannt, weil der Bund durch das Opfern des Kreises, das Wegnehmen, das Zurückschieben des Kreises kommt [Circumcision].
Es ist praktisch genauso sinnlos, wenn man sagt: „Ich opfere und nun ist alles gut“. Das sind zwei Extreme, die beide zeigen, dass man sich [nur] auf ein Bein stellen will, indem man meint, den Widerspruch in sich selbst mit seinen körperlichen Gedanken und Maßstäben logisch aufgehoben zu haben und dass man gerade nicht die Einheit zwischen Gedanke und Handlung zustande gebracht hat.

Freie Übersetzung eines NL-Artikels Friedrich Weinrebs aus „Gedachten 2“.


[Die Milah ist eine Handlung am 8. Tag, womit ausgedrückt wird, dass der Mensch im Zustand der Erlösung ist. Umgekehrt bedeutet es, dass der erlöste Mensch „automatisch“ beschnitten ist, also Denken und Tun eins sind. Er versteht dann, dass das Wesen der Welt, der Kern, das Zentrum, die ganze Zeit über hinter einem „Vorhang“ verborgen war.]