Glauben und Rechnen

Das Wort aman, 1-40-50, glauben, kommt zum ersten Mal in 1. Mose 15:06 vor:

Und er [Abram] glaubte JHWH; und (dies)er rechnete es ihm zur Gerechtigkeit.

Abram bekommt zuvor die Verheißung auf eine zahlreiche Nachkommenschaft und glaubt JHWH. Der Glaube bezieht sich auf ein Versprechen. Nun kommt ein zweiter Begriff in diesem Vers vor, der ebenfalls zum ersten Mal in der Bibel erwähnt wird (zumindest in dieser Bedeutung), es ist chaschav, 8-300-2, rechnen / berechnen. Auf der einen Seite glaubt Abram und damit löst er bei JHWH (auf der „anderen“ Seite) eine Reaktion aus, nämlich das Rechnen. Im Deutschen stammt das Wort „rechnen“ von „recht“ im Sinne von „gerecht“, und interessant ist, dass es im zitierten Vers dann lautet: „und er rechnete es ihm zur Gerechtigkeit“. Die zedeka, 90-4-100-5, Gerechtigkeit (daher auch der zaddik, der Gerechte) ist die Summe aus der Art wie Gott rechnet! Des Menschen Berechnung tendiert immer zum ra, der Kraft der diesseitigen Entwicklung, wie es uns 1. Mose 6,5 vorstellt, denn der Wortstamm chaschav kommt hier zum ersten Mal vor:


Und JHWH sah, dass die Bosheit (ra, 200-70) des Menschen groß war auf der Erde, und alles Gebilde (jezer, 10-90-200, Formung) der Gedanken seines Herzens nur böse (ra) den ganzen Tag.

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Freiheit braucht verbindliche Wurzeln

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Freiheit auf der einen Seite bedeutet Gebundenheit auf der anderen Seite. Am Beispiel eines Baumes sehen wir, dass eine große Entfaltung der Baumkrone, die wir mit Freiheit in Verbindung bringen können, einen kräftigen Stamm und eine tiefe Wurzel braucht. Je stärker die Basis des Baumes ist, desto mehr kann sich der Baum entfalten. Eine große Krone, die als Basis einen dünnen Stamm und eine schwache Verwurzelung hat, würde den ganzen Baum schon bei geringen Belastungen zu Fall bringen. Es ist also gerade der unsichtbare Teil im Zentrum (Stamm) und im Verborgenen (Wurzel), der die freie Entfaltung ermöglicht. Die Verkündigung einer Freiheit ohne Anbindung im Zentrum und ohne Beziehung ins unsichtbare Verborgene ist von vornherein Ausdruck einer Unkenntnis elementarster Zusammenhänge, wie sie uns schon die Natur vor Augen stellt.

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Alte Welten in uns

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Spontanes Handeln mit innerer Sicherheit

Es kommt oft vor, dass Menschen in bestimmten Situationen ungewöhnlich reagieren. Erst später erkennt man, dass die Reaktion richtig war, doch man fragt sich, wodurch sie zustande kam. Natürlich ist die ganze Welt in all ihren Teilen, also auch in all ihren Handlungen, von Gott erschaffen worden, und diese Reaktionen wurden sozusagen auch von Beginn der Schöpfung an festgelegt. Dennoch fragt man sich, wie sich diese Art der Reaktion aus der Geschichte der Welt erklären lässt. Wir sehen dann, wie sich bestimmte Ereignisse immer wiederholen und andere Menschen zu anderen Zeiten mit denselben Ereignissen konfrontiert werden. Man denke an das besonders bezeichnende Beispiel der Situation von Jakob, Esau und Rebekka bei der Segnung, die Isaak vornehmen wollte, wo sich die gleiche Situation wie im Garten Eden mit Adam, Eva und der Schlange ergab.
Rebekka handelt in dieser Situation auf eine Art und Weise, die Fragen aufwirft. Woher nimmt sie Sicherheit, Mut und Durchsetzungsvermögen, wie kann sie die Verantwortung für eine solche Handlung übernehmen, die ihrem Wesen nach ein schwerer Betrug ist?

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Die Zahl 22 in der Bibel

Die Zahl 22 wird in der Bibel oft mit dem Leid assoziiert, nicht zuletzt weil der Psalm 22 den bekannten Ausspruch „Eli Eli l’ma asavtani“ (mein Gott, mein Gott, wozu hast du mich verlassen?) enthält. Das hebräische Alphabet besteht aus 22 Buchstaben, die in 27 verschiedenen Formen dargestellt werden. Der Zwilling Jakob erlebt 22 Jahre der Trennung als Sohn, wenn er bei Laban ist und später als Vater, wenn sein Sohn Joseph nach Ägypten verkauft wird. Auffallend häufig begegnet uns die 22 genau dort, wo Vater und Sohn getrennt werden und eine Zeit lang bleiben. Die 22 endet beim Zusammenkommen beider. Bilden wir die Dreieckszahl zur 22 (22+21+20 … +3+2+1) erhalten wir die 253, die nicht nur mit der Vollendung des 6. Schöpfungstages zusammenhängt, sondern auch mit dem Psalm 22 und der Bezeichnung „Zimmermann“ im NT.
Sogar anatomisch drückt sich die 22 aus, nämlich in der Anzahl der einzelnen Knochen aus denen unser Schädel, unser Haupt, besteht. 22 ist die 13. zusammengesetzte Zahl, woran man erkennen kann, dass der Dreizehnte (Messias) eine enge Verbindung dazu haben muss. 2 x 11 = 22 – zwei Hälften Formen zwei Seiten, eine sichtbare und eine unsichtbare. So wie die 22 die 253 aus sich hervorbringt, so bringt die 11 die 66 hervor, den Zahlenwert des Sohnes Davids (Sohn David ist hebräisch Ben David, 2+50 4+6+4 = 66). Doch auch bei Joseph tritt die 11 auf. Er ist nicht nur der 11. Sohn Jakobs, sondern auch in seinen Träumen kommt die 11 vor und sein Lebensalter zählt 110 Jahre. Mit dem Kommen in die Form, in den Körper, in die Materie kommen wir selbst in den Zustand der Trennung. Der Riss durchzieht unser Inneres wie ein Fluss die Landschaft. Solange wir nicht innerlich heilen, können sich im Außen keine Beziehungen bauen, bleibt alles beziehungslos. Die Bibel beschreibt den Zustand der Zerrissenheit als vorübergehend. Gott leidet mehr darunter als wir selbst, doch wer fragt danach? In einer perfekten Welt fragt niemand nach dem, dessen Hingabe das Erleben ermöglicht. Ist uns die Sprache gegeben, dass wir die Beziehung nicht nur suchen, sondern auch finden können? Baut das Wort die Brücke zwischen den Welten? Auf jeden Fall hat die Zahl 22 damit zu tun.
Nähere Zusammenhänge finden Sie im folgenden Video:

Vater und Mutter ehren !?

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In unserer heutigen Gesellschaft hat der Begriff „Volljährigkeit“ eine eigentümliche Bedeutung erhalten. In der gegenwärtigen Zeit bedeutet das Erwachsen-Sein im Sinne der Volljährigkeit: Man bekommt eine Menge Rechte und kann selbst entscheiden. Dies ist eine weitere Umkehrung der Wirklichkeit. Erwachsen-Werden bedeutet, dass man Verantwortung und Pflichten bekommt, aber vor allem nicht, dass man das Recht hat, sich von dem zu lösen, was einen früher gebunden hat. Respekt und Autorität der Eltern gelten genauso wie vor der Volljährigkeit. Es heißt nicht: „Ehre deinen Vater und deine Mutter, bis du volljährig bist“, sondern es gilt absolut, auch wenn man schon 80 Jahre alt ist und Vater und Mutter nicht mehr leben.
Doch die Gesellschaft kennt den Bruch, die Loslösung vom Bisherigen, hat den Egoismus und sucht seine Rechte. Man emanzipiert sich, so wie die awodah sarah [hebr. für Götzendienst, wörtl. „Dienst am äußeren Kreis“] sich von Gott emanzipiert hat [gemeint ist, dass der Mensch sein inneres Zentrum verlässt und nur noch nach äußeren Gesichtspunkten agiert.]. Die Gesellschaft folgt diesem Ansatz. Moderne Menschen brechen die Bindung an die Eltern, an das Vorherige, also eigentlich auch an Gott. Die Eltern sind immer höher und damit näher bei Gott. Keine Volljährigkeit kann das aufbrechen.

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