Ohne Tier kein Bund mit Gott

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Bei der Verwüstung Jerichos werden auch die Tiere geschlagen. Hier sehen wir wieder, wie der Körper tatsächlich an der Wegnahme von Abweichungen beteiligt ist und dass alles, was mit diesem Körper verbunden ist, obwohl wir den Zusammenhang nicht so direkt sehen, das gleiche Schicksal erleiden muss, den gleichen Weg gehen muss wie der Körper selbst. Es war der Körper, der mit seinen Sinnen den Kreis [die Stadtmauer] von Jericho schuf. Deshalb muss alles Körperliche, und was auf diese Weise den Weg gelernt hat, dann auch in der neuen Phase verschwinden. Nichts darf daraus mitgenommen werden, weil dann wieder der Keim weitergetragen wird, und die gleiche Gefahr besteht wie für Jericho. Bei der Sintflut und in Ägypten sehen wir das gleiche Prinzip, nämlich dass auch die Tiere mit dem abgewichenen Menschen weggenommen werden. Der Bund mit Gott wird deshalb auch mit dem Tier geschlossen, weil das Körperliche imstande ist die Verbindung richtig herzustellen, indem sämtliche Körpersinne [nicht mehr nach außen, sondern] auf den Kern gerichtet werden.
Bund bedeutet also auch so etwas wie eine Verbindung, eine Verbindung des Kernes mit dem Kreis, und diese Verbindung macht es dem [Außen-]Kreis möglich, immer auf den Kern bezogen zu leben, sich in allem vom Kern leiten zu lassen. Und dafür muss das Tier, also der Körper, mit einbezogen werden.

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Pessach – Wenn die Zeit sich öffnet

Der 9. Schlag („Plage“)

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Die 9. makkah, 40-20-5 (Schlag, nicht „Plage“) ist die der choschech, 8-300-20 (Finsternis). Modern physikalisch ausgedrückt heißt das auch: Der Zusammenbruch der Materie, weil die Elektronenringe aufhören, selbständig zu existieren und wieder eins mit dem Kern werden.
Denn bei der Schöpfung herrschte zunächst Finsternis über dem, was man tehom, 400-5-6-40 [Abgrund] nennt. Es gab also keinen Kreis, alles war in einer Einheit, aber noch in einer unerlösten Einheit, in einem Chaos. Die Erde war tohu wabohu und über dem Wasser war der ruach elohim [Geist Gottes].

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Und die ihr längst solltet Meister sein …

ist ein Zitat aus Hebräer 5:12 und man könnte denken, dass es sich hier um eine Rüge handelt, die einer Gruppe unreifer Gläubiger gesagt wird.

Auf Griechisch heißt der Meister bzw. Lehrer διδάσκαλος (didaskalos). Das Wort stammt von διδάσκω (didasko), das man meist mit „lehren“ übersetzt. Etym. bedeutet es „eine geöffnete Hand anbieten“.

Im Hebräischen spricht man oft von den Weisen, die chochamim, die unterrichten. Sie lehren nicht, weil sie es besser wissen, sondern weil sie am Ursprung des Weges stehen, entsprechend der ersten Sephira Chochma. Das hebr. Verb, wovon chochma abgleitet ist, lautet chacham und bedeutet: Ich bedarf nicht mehr des Lernens oder Studierens in Form eines Leistens, sondern es ist mir wie eine Gnade zugefallen bzw. eingefallen. Und gerade deshalb vergrabe man es nicht, sondern setze es ein wie Joseph, der als Erster namentlich die Bezeichnung „Weiser“ erhält (1. Mose 41:33 ff). Er, der Hebräer, ist ein chacham. Seine Weisheit drückt sich auch in der Kenntnis des 1:4 Prinzips aus, wie es direkt im genannten Kapitel steht:

… dass er Aufseher über das Land bestelle und den Fünften (chimesch, 8-40-300) vom Land Ägypten nehme …

1. Mose 41:34
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Pessach – Fest des Erinnerns

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Das hebräische Wort für Ostern / Passah ist pessach, 80-60-8. Es bedeutet in erster Linie „überspringen“, anders formuliert: der regelmäßige Lauf (Trott) wird übersprungen, es wird eine Ausnahme gemacht, die scheinbar „ewig“ geltenden Regeln werden außer Kraft gesetzt.
Bringt man die Konsonanten des Wortes pessach in eine andere Reihenfolge, erhält man sachaph, 60-8-80, „niederwerfen“. In Jer. 46:15 heißt es:


Warum sind deine Starken niedergeworfen? Keiner hielt stand, denn der HERR hat sie niedergestoßen.<

In diesem Kontext geht es um die Brechung der Macht der „Starken“ (hebr. abbir, 1-2-10-200, auch Aufseher, Stier, kommt von abar, 1-2-200, sich aufschwingen / fliegen), insbesondere der Beherrscher Mizrajims (Ägyptens), repräsentiert durch Pharao, der zwei Verse weiter in Jer. 46:17 erwähnt wird. Der Durchbruch in die Freiheit hat mit der Niederwerfung dessen zu tun, der gefangen hält. Der Unterdrücker wird selbst unterworfen. Pharao steht u.a. für den Menschen, der nichts mehr von seinem Ursprung weiß oder diesen verleugnet. Es zählt nur der Fortschritt und das Irdische ohne Rücksicht auf die wirklichen Bedürfnisse des Menschen. In einer pharaonischen Gesinnung ist man ein „Hirte der Schweine“, heißt es im Midrasch Sch’moth, und das erinnert direkt an den „verlorenen Sohn“, der genau dort (beim Hüten der Schweine) zur Einsicht kam, weil er nichts mehr zu essen fand (Luk. 15:15).

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Schöpfer – Eltern – Kind

Wie sich die Entwurzlung des Menschen auf die Familie und insbesondere auf das Verhältnis zwischen jungen und alten Menschen auswirkt. Übersetzung aus der Reihe „Gedachten in de loop der jaren“, Artikel 608, von Friedrich Weinreb.
Freie Übersetzung, Anmerkungen in eckigen Klammern und Bereitstellung von und durch Dieter Miunske.

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Es besteht oft die Tendenz, die Entwicklung der Welt mit der individuellen Entwicklung des Menschen zu vergleichen, und das mit gutem Grund. Diese Sichtweise führt die moderne Welt zu der Annahme, dass die Frühphase der Menschheit von menschlicher Hilflosigkeit, Abhängigkeit, Primitivität und Naivität geprägt war. So wie das Kind in seinen ersten Stadien nicht sprechen kann, so konnte der [Ur-]Mensch [aus der Sicht der Evolutionsbiologie] nicht sprechen, hatte keine Sprache zur Verfügung, sondern konnte nur Laute ausstoßen, je nach seinem Bedürfnis nach bestimmten Dingen. Allmählich entwickelte sich die Menschheit auf diese Weise und erreichte über manchmal grausame Zeiten der Jugend und der Rebellion schließlich das Stadium der Weisheit und Einsicht, das dann mit der Zeit gleichgestellt wird, in der wir jetzt mehr oder weniger leben.
Dieses Bild ist sehr verführerisch, vor allem weil es eigentlich richtig ist. In der Tat sind die verschiedenen Erscheinungsformen miteinander identisch und nur durch die Brechung in verschiedene Facetten sehen wir unterschiedliche Dinge, die aber in Wirklichkeit von demselben Wesen stammen.
Dass die Welt diesen Vergleich so anstellt, und dass in der Tat so wenig in der Öffentlichkeit gegen diesen Vergleich gesagt wird, liegt daran, dass wir selbst nicht so genau wissen, was der Platz und die Verhältnisse des Menschen sind. Der große Irrtum in dieser Argumentation ist identisch mit dem großen Irrtum, wie sich diese Welt immer wieder selbst zu betrachten geneigt ist.

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