Woran man erkennt, dass man die Antwort gefunden hat

Gott hat die Welt nicht erschaffen, um den Menschen zu quälen und ihn vor Rätsel zu stellen, sondern er hat die Welt aus Liebe erschaffen, damit der Mensch hier ein gutes Leben führen kann. Das bedeutet, dass die Antwort auf die Frage nach dem Warum der Existenz gefunden werden kann.
Die Antwort kann in dieser Welt gespürt werden, und zwar so stark gespürt werden, dass wir sagen können: „Jetzt glauben wir, dass es sie [die Antwort] tatsächlich gibt“. Glauben im Sinne von: „Wir haben die Gewissheit, dass sie existiert und wir es eines Tages verstehen werden“. Glauben ist „von etwas überzeugt sein“, und das können wir schon in dieser Welt erreichen.
Sobald wir zu der Erkenntnis gelangen, dass Gott die Welt aus Liebe gemacht hat und nicht, um es uns sauer und schwer zu machen, haben wir die Antwort gefunden.

Weinreb, NL, het koninkrijk der hemelen, CD 13

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Autor: Dieter Miunske


Der Wohltäter ruft die Erinnerung wach

Bezüglich Abraham und Isaak findet, wie die Überlieferung erzählt, ein Gespräch zwischen dem Satan und Gott statt, worin der Satan argumentiert:
Schau, der Abraham, als er noch keine Kinder hatte, brachte er immer Opfer und baute mizbachoth (Altäre, Mehrzahl von mizbeach), aber als Isaak geboren wurde, brachte er keine Opfer mehr und baute auch keine weiteren Altäre. Dafür gibt er nun Feste für das Volk.

Wenn der 8. Tag [die Erlösung] kommt, hat man immer das Gefühl: Jetzt haben wir alles erreicht. Und man vergisst den eigentlichen Sinn der Schöpfung, man vergisst das Drama des Opfers Gottes um der Schöpfung willen. Man sieht nur das Seiende, man sieht eine goldene Zukunft und vergisst den Ursprung.

Darin zeigt sich auch das menschliche Gesetz, dass man eine gute Tat gerne vergisst und beginnt, den Wohltäter zu hassen. Denn dieser Wohltäter ruft im Menschen die Erinnerung an das Opfer Gottes wach. Und das ist es, was der Mensch gerade vergessen will. Es stört ihn in seinem „Halb-Sein“. Der Mensch will die andere Seite nicht wahrhaben.

Weinreb, NL, bijbel en midrash

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Autor: Dieter Miunske


Warum bist du nicht du selbst?

Mit jedem Menschen ist etwas Neues in die Welt gesetzt, was es noch nicht gegeben hat, etwas Ernstes und Einziges. Der Zloczower Maggid, ein großer mystischer Prediger in Ostgalizien, pflegte seinen zahlreichen Schülern Folgendes zu sagen: »Pflicht ist es jedermanns in Israel, zu wissen und zu bedenken, dass er in der Welt einzig in seiner Beschaffenheit ist, und es ist noch kein ihm Gleicher auf der Welt gewesen, denn wäre schon ein ihm Gleicher auf der Welt gewesen, er brauchte nicht auf der Welt zu sein.
Jeder Einzelne ist ein neues Ding in der Welt, und er soll seine Eigenschaft in dieser Welt vollkommen machen. Denn wahrlich, dass dies nicht geschieht, das ist es, was die Ankunft des Messias verzögert.« Dieses Einzige und Einmalige ist es, was jedem vor allem auszubilden und ins Werk zu setzen aufgetragen ist, nicht aber, noch einmal zu tun, was ein anderer, und sei er der Größte, schon verwirklicht hat.

Mit großer Eindringlichkeit ist von Rabbi Sussja, als er kurz vor seinem Tode stand Folgendes gesagt worden: »In der kommenden Welt wird man mich nicht fragen: »Warum bist du nicht Moses gewesen?« Man wird mich fragen: »Warum bist du nicht Sussja gewesen?«

Der große Maggid und seine Nachfolge

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Autor: Dieter Miunske


Die Verantwortung des Menschen

Die Verantwortung jedes einzelnen Menschen wird im Midrasch mit dem folgenden Bild dargestellt:

Mehrere Leute fahren in einem Boot auf dem Wasser, da beginnt einer der Mitfahrenden ein Loch unter seinem Sitzplatz ins Boot zu bohren. Die anderen machen ihn darauf aufmerksam, dass er mit seiner Handlung das ganze Boot zum Sinken bringen wird. „Das geht euch überhaupt nichts an, schließlich bohre ich nur an meinen Platz!“, entgegnet der Mann.

So hört man auch die Menschen sagen: „Was ich tue geht nur mich etwas an, ich bin lediglich für mich selbst verantwortlich.“ Wer so spricht, vergisst, dass keiner von uns alleine auf der Welt ist. Der Spruch „Wir sitzen alle im selben Boot“, trifft tatsächlich auf die gesamte Menschheit zu, von der man ein Einziger ist, dessen Handeln alle mit hinunterziehen kann oder aber dazu verhelfen kann, dass das Boot nicht untergeht.
Aus diesem Grund ist es die Pflicht des einen, den anderen zurechtzuweisen. Denn wenn die anderen Passagiere im Boot auch gesagt hätten: „Ich mische mich nicht in die Angelegenheiten dieses Mannes ein, lass ihn so viel bohren, wie er will“, hätten sie es hinterher sehr bereut.

Nach F. Weinreb, NL, Gedachten in de loop der jaren 1

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Autor: Dieter Miunske


Wer versteht, versteht

Eine namhafte Firma hatte eine Stelle ausgeschrieben, für die es viele Bewerber gab, die persönlich zum Vorstellungsgespräch an einem festgesetzten Tag erschienen sind. Vor dem Büro, in dem die Gespräche stattgefunden hatten, warteten bereits eine ganze Reihe Bewerber geduldig darauf, aufgerufen zu werden. Die Stimmung war aufgrund der langen Wartezeiten nicht besonders gut und obendrein hörte man von einer Baustelle am Haus das ständige Hämmern eines Arbeiters. Plötzlich betrat ein junger Mann den Warteraum und ging schnurstracks ohne weiteres Nachfragen oder Anstellen in den Raum, worin die Vorstellungsgespräche geführt wurden. Nicht einmal angeklopft hatte er. Die anderen Bewerber schauten sich fragend an und schienen ob der Dreistigkeit, dass der soeben Eingetretene ohne jeden Aufruf an ihnen vorbei in das Büro des Personalrates ging, empört zu sein.
Nach wenigen Minuten ging die Tür des Büros auf und den noch wartenden Bewerbern wurde mitgeteilt, dass die Stelle soeben an diesen jungen Mann vergeben worden war. Nun war die Empörung noch größer. Der Personalrat klärte auf:
„Die Hammerschläge, die sie unentwegt gehört haben, waren nicht Arbeiten einer Baustelle, sondern Morsezeichen. Der junge Mann verstand die Botschaft der Schläge, die so lautete: Wenn sie diese Zeichen verstehen, kommen sie unverzüglich in unser Büro. Sie brauchen sich weder hinten anzustellen noch anzuklopfen.
Der Unterschied zwischen den Wartenden und dem jungen Mann war, dass nur er die Sprache verstand, und das Unternehmen genau einen solchen suchte. Die anderen disqualifizierten sich selbst von vornherein.
Für die einen war es unangenehmer Lärm, für den jungen Mann eine Sprache nach deren Botschaft er handelte. Außer missbilligender Empörung hatte man nichts für den übrig, der verstand, doch das konnte diesem nichts anhaben, denn die Sprache hatte ihm den Weg gewiesen.

Diese Geschichte, die sich zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts in den USA zugetragen hat, wurde einst von Vera F. Birkenbihl während eines Vortrages erzählt.

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Autor: Dieter Miunske