Rhetorik

image_pdfArtikel als PDF herunterladenimage_printDiesen Artikel drucken

Von Esau heißt es, er sei ein Jäger mit dem Mund, fange mit seiner Rede. Er spricht so, daß der Eindruck entsteht, alles könne gesagt und so ausgedrückt werden, daß es stimmt. Esau verkörpert eine Seite des Menschen, und der Mensch im Bild der Waage hat einmal die Neigung zu Esau, einmal zu Jakob, der der Erstgeborene genannt wird; die Stimme Jakobs (1. Mose 27, 22) kann im Wort nicht alles ausdrücken, bittet um die Melodie, bittet um Verstehen. Es geht um diese Melodie ohne Worte, sogar ohne Ton, um das, was unhörbar mitschwingt. Wenn man glaubt, mit Worten so überzeugen zu können, daß der andere damit eingefangen wird, ist man Esau, der Jäger mit dem Mund. Dann entsteht das Gefühl, Macht zu haben über das Wort.
(Friedrich Weinreb im Vortrag 76G39 >Sprache und Sprechen<)