Tödlicher Gerechtigkeitssinn

In 1. Könige 3 ab Vers 16 wird die Geschichte erzählt, wie zwei Frauen zusammen mit einem Kind zu König Salomo in seiner Funktion als Richter kommen und jede der beiden Frauen behauptet, dass dieses eine Kind das ihre sei. Die Bibel schweigt zur näheren Bestimmung dieser Frauen, verwendet aber eine Eigenart, die so nur 1x in der Bibel (im Plural) vorkommt. Sie nennt die beiden naschim sonoth, wörtlich: „Frauen Huren“.
Das ist eine Doppelung, denn beide Begriffe stehen normalerweise für sich selbst. Von daher lässt sich erkennen, dass es noch um mehr geht, als in den folgenden Zeilen ausgeführt, insbesondere deshalb, weil die Überlieferung auch die Namen der beiden Frauen nennt. Es handelt sich um Lilith und Machalath.
Zunächst hatten beide Frauen je ein Kind, doch ein Kind starb, als sich dessen Mutter nachts darauf legte. Kurzerhand tauscht diese Mutter ihr totes Kind gegen das lebendige und erwartet vom König, dass er ihr das lebende Kind als das ihre bestätigt. Die echte Mutter des noch lebenden Kindes trägt ihre Geschichte vor, doch hat sie keine Beweise für ihre Ausführungen. Und so nutzt auch die falsche Mutter die Gelegenheit, Salomo davon zu überzeugen, dass sie doch die wahre Mutter sei. Nach einem Hin und Her lässt der König ein Schwert holen und befiehlt, das lebende Kind in zwei Teile zu schneiden, um jeder Mutter eine Hälfte zu überlassen.
Die falsche Mutter ist sofort einverstanden und stimmt der Teilung zu, doch bei der wahren Mutter „enbrennt die Barmherzigkeit“, sie möchte nur eins: dass das Kind lebendig bleibe! Dafür opfert sie ihre Bedürfnisse und streicht ihr Verlangen, das Kind stillen und aufziehen zu dürfen, letztlich streicht sie sich selbst, um dem Kind das Leben zu schenken; es soll doch „1“ bleiben. Das Opfer geht so weit, dass sie ihr Kind sogar der Bösen überlässt. Diese Gesinnung bringt die Wahrheit ans Licht und der König des Ganzen (Salomo, hebr. schlomo: vollständig und harmonisch sein) fällt ein gerechtes Urteil: Sie bekommt ihr geliebtes Kind wieder. (Vollständiger Text unten)

Verhält es sich nicht ebenso mit der Welt? Damit die Welt leben kann, dass sie „1“ sein kann, opfert sich Gott selbst. Eine geteilte Welt ist aus der Sicht des Bösen gerecht, aber als „2“ ist sie auch tot. Um sie lebendig zu erhalten, überlässt Gott sie eine Zeit lang dem Bösen, hoffend, dass er sie zurückerhalte. Bei Salomo geht alles in ein paar Minuten über die Bühne, könnte man sagen. In der Geschichte kann das eine lange Zeit bedeuten. Die Mutter gibt es auf Hoffnung weg, ganz ohne Sicherheiten im Vertrauen darauf, dass sie es wieder erhalten würde, wer weiß wann, vielleicht erst in der Ewigkeit. Aber nein, sie hat es bereits hier und in aller Ewigkeit erhalten. Deshalb müssen wir bereit sein das, was wir lieben, vertrauensvoll zu verschenken, damit es weiterlebt, und nicht sagen: „Wenn ich es nicht haben kann, dann soll es auch niemand anders haben“. Vertrauen bedeutet, dass wir wissen, dass alles in Ordnung sein wird. Was auch immer du sehen magst, wie verstörend es auch sein mag, denke an die echte Mutter und sage: „Na gut, nimm das Kind, ich verstehe es nicht, aber es in zwei Teile zu schneiden, um es menschlich gerecht aussehen zu lassen, das will ich nicht tun. Ich vertraue darauf, dass es zu mir zurückkommen wird. Ich vertraue darauf, dass Gott es mir am Ende geben wird, das heißt, dass er es mich verstehen lässt, als Ganzes, als 1; nicht zerschnitten, denn dann wäre es sofort tot, dann wäre das Wunder des Lebens aus ihm gewichen“.
Achte immer darauf, wie der Anfang und das Ende zusammenpassen, dass die Dinge nicht 2 sind, von der falschen Mutter zerteilt sind, sondern 1 sind, die von der wahren Mutter als 1 bewahrt werden. Denk noch einmal an den Auszug aus Ägypten. Am Anfang zerbricht etwas; das Meer bricht, teilt sich in zwei Hälften, und das bringt Ägypten den Tod und Israel das Leben. Ägypten ist geschwächt und muss seine Güter aufgeben.
Jeder Mensch kommt durch das Brechen der Wasser hier in diese Welt. Nur so kann er hervorkommen. Und wie ist es mit dem, was man „Tod“ nennt? Dort bricht auch ein Wasser, aber jetzt an einer anderen Stelle, an dem Ort, an dem das Wasser jetzt das Leben darstellt. Dann bricht es auch, das Wasser erstarrt dort, so wie die Wasser erstarrten und Israel inmitten der erstarrten Wasser hinausging. Und so zieht ein Israel wieder aus, inmitten der Toten von Ägypten, und tritt in ein freies und wahres Leben ein. Geburt und Tod, dasselbe, die Wasser spalten sich. Und denk an das Neue Testament, wo die Erde sich spaltet und der Schleier zerrissen wird.

Bei jeder Geburt bricht etwas, wird etwas, das Umhüllende, zur 2 und stirbt damit, auf dass die 1 unversehrt hervorkommen und lebendig bleiben kann. Der Sohn Davids gibt das Leben der wahren Mutter. Er weiß, dass diejenige die ihr eigenes Glück geopfert hat, die keine Freude an der Zerteilung hat, was gleichbedeutend mit einer Tötung ist, die echte Mutter ist. Barmherzigkeit zeigt sich in der Streichung der eigenen Bedürfnisse, um die Einheit zu wahren und das Leben als Ganzes zu erhalten.
Die „Kultur“, die „Wissenschaft“, die „moderne Religion“, die alle der 2 dienen wollen, die das Kind in einem instinktiven Hass auf die wirkliche, die wirklich liebende Mutter, bei lebendigem Leib in zwei Hälften schneiden wollen, werden das Kind nicht behalten. Sie, die alles in Gebiete aufteilen und Profis ihres Fachs sind; worin zeigt sich ihre Barmherzigkeit, ihre Liebe zur Welt, so wie Gott die Welt liebt, der sich selbst dahin gibt? Gott teilt die Welt nicht ein, aber der vermeintlich kluge Mensch, der teilt ein und teilt aus, während der Tod zum treuen Begleiter seiner Expertise wird.
Gemessen an der Ewigkeit, haben diese Fachleute das Kind nur für kurze Zeit gehabt. Was ist diese Verwirrung, dieser Betrug in der Nacht, als die wahre Mutter schlief und nicht wusste, dass sie ausgeraubt und betrogen wurde? Es ist die List der Schlange, die den Menschen den Tod brachte und darüber hinaus das Leben generell in „2“ zerhacken wollte. Aber der Sohn Davids zertritt diese Schlange, zermalmt ihren Kopf, ihre ‚1‘, tötet den Erstgeborenen Ägyptens und befreit das Kind. Lass uns das in diesen Zeiten gut wissen und verstehen. Das passiert auch bei uns im Körper. Der Körper wird oft von der falschen Mutter besetzt. Sie will das wirkliche Leben in zwei Hälften teilen und denkt, dass sie in der Nacht des Körpers ihr Spiel der Tricks und der List spielen kann, dass der wahre König es nicht merken wird. Aber Davids Sohn sagt: „Wer 2 machen will, ist die Lügnerin“, und nimmt das Kind von dieser Mutter und gibt es der Wahrhaften. Die Wahre hat den wahren Namen. Der Name der wahren Mutter ist der bleibende Name für das Kind. Sieh darin auch die Einheit, erkenne, worum es hier geht. Lasst es uns mit den Augen der wahren Mutter weiter lesen.
Als Jakob in jener Nacht am Jabbok auf die Macht Esaus traf, gab es auch den gleichen Kampf zwischen der falschen und der wahren Mutter. Esau wollte besitzen, aber er schaffte es nicht. Der Körper wurde unterworfen und der Wesenskern setzte sich durch. Was ist dann passiert? Jakobs Name wurde zu Israel. Und als Satan, denn das war Esaus Kraft, die Körperkraft, sein Wesen aufgeben musste und Jakob fragte: „Wie heißt du?“, da konnte diese Kraft nicht mehr antworten, denn sie hatte ihren Namen an Jakob abgeben müssen, und war somit nichts Eigenständiges mehr. Zu Jakob kam dann der Name Satan hinzu, wie es sich in der Namensänderung zu Israel auch in den Zahlen zeigt: Jakob, 10+70+100+2 (182), plus Satan, 300+9+50 (359) ist Israel, 10+300+200+1+30 (541). Der Böse hat keinen Namen mehr. Er ist eine Schale ohne Kern, eine Hülle ohne Wesen, namenlos, uniform. Und Jakob hatte dieses Übel gebunden, und weil er zum Kern kam, wurde er geheiligt, gereinigt, es wurde der Baustein des heiligen Namens Israels.

Und sieh, wie sich das auf allen Ebenen der Gesellschaft auswirkt. Wenn ein Mann in bestimmten Kulturen, die noch vom Geheimnis wissen, eine Frau nimmt, verliert sie ihren Namen und der Name des Mannes wird der entscheidende. Und sie strebt danach, sucht ihn, will ihren Namen mit seinem verbinden. Moderne Frauen behalten gerne ihren Namen oder der Mann nimmt sogar ihren Namen an. Was weiß man noch? Früher sah man in ungebundenen Frauen eine Gefahr. Die sogenannten Hexen waren ungebundene Frauen. Man meint damit, dass das Äußere bei jedem Menschen an das Innere gebunden werden muss. Nur so wird der Mensch zum wirklichen Menschen. Andernfalls bleibt die destruktive, nicht gönnende Macht selbstständig und treibt das Spalten und Teilen weiter voran. Es gab Zeiten, in denen das Behalten des Mädchennamens bei Frauen als Schande galt, vielmehr ist es eine Schande, wenn der Mensch sich selbst einen Namen machen will und sich nicht an den inneren Kern des Wortes Gottes binden will. Dann ist er als Ungebundener gefährlich wie eine Hexe, weil sein Sinnen nicht auf die „1“ gerichtet ist. Dann wählt man seine Präferenzen heute so und morgen anders, beruft sich auf Menschen, die denken, meinen und mal was gehört haben. So bekommt man niemals Halt im Leben, meint, man muss alles selbst machen, noch mehr forschen, wissen und erreichen, und der Tod ist und bleibt der übermächtige Feind, der täglich unangemeldet anklopfen könnte.
Die Bibel zum Kern machen bedeutet hingegen, ihre Maßstäbe als verbindlich anzunehmen, zu glauben und zu vertrauen, dass es gut ausgehen wird, auch wenn man keine Argumente oder Beweise hat. Die Barmherzigkeit lässt den Sohn Davids das rechte Urteil fällen, das nicht mehr angefochten werden kann. Und er ist es auch, der aus dem Tod kein Ende, sondern ein Übergang macht, so wie aus dem augenscheinlichen Tod der Raupe schließlich der Schmetterling wird.

Frei nach einem NL-Artikel F. Weinrebs

Damals kamen zwei Frauen Huren zum König und standen vor ihm.
Und die eine Frau sprach: Bitte, mein Herr! Ich und diese Frau wohnten in einem Haus; und ich gebar bei ihr im Haus.
Und es geschah am dritten Tag, nachdem ich geboren hatte, da gebar auch diese Frau; und wir waren zusammen, kein Fremder war bei uns im Haus, nur wir beide waren im Haus.
Und der Sohn dieser Frau starb in der Nacht, weil sie auf ihm gelegen hatte.
Und sie stand mitten in der Nacht auf und nahm meinen Sohn von meiner Seite, während deine Magd schlief, und legte ihn an ihren Busen; ihren toten Sohn aber legte sie an meinen Busen.
Als ich nun am Morgen aufstand, um meinen Sohn zu stillen, siehe, da war er tot; und ich betrachtete ihn am Morgen, und siehe, es war nicht mein Sohn, den ich geboren hatte.
Und die andere Frau sprach: Nein, sondern mein Sohn ist der lebende, und dein Sohn ist der tote. Und jene sprach: Nein, sondern dein Sohn ist der tote, und mein Sohn ist der lebende. Und so redeten sie vor dem König.
Da sprach der König: Diese spricht: Dieser, der lebende, ist mein Sohn, und dein Sohn ist der tote; und jene spricht: Nein, sondern dein Sohn ist der tote, und mein Sohn ist der lebende.
Und der König sprach: Holt mir ein Schwert. Und man brachte das Schwert vor den König.
Und der König sprach: Teilt das lebende Kind in zwei Teile, und gebt der einen die Hälfte und der anderen die Hälfte.
Da sprach die Frau, deren Sohn der lebende war, zum König, denn ihr Innerstes wurde erregt über ihren Sohn, und sagte: Bitte, mein Herr, gebt ihr das lebende Kind und tötet es ja nicht! Jene aber sprach: Weder mein noch dein soll es sein, zerteilt es!
Da antwortete der König und sprach: Gebt jener das lebende Kind und tötet es ja nicht! Sie ist seine Mutter.
Und ganz Israel hörte das Urteil, das der König gefällt hatte, und sie fürchteten sich vor dem König; denn sie sahen, dass die Weisheit Gottes in ihm war, Recht zu üben.

1. Könige 3:16-28

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Autor: Dieter Miunske