Wer bist du, wenn dich keiner sieht?

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Als Mose in der Wüste die Herde von Jithro hütete, floh ein Jungtier aus der Herde vor ihm. Er verfolgte es, bis dieses an einen verborgenen Ort kam. Dort stieß es auf einen Wassertümpel, wo es stehenblieb, um zu trinken. Als Mose es erreichte, sagte er: „Ich wusste nicht, dass du vor lauter Durst wegläufst. Jetzt bist du müde.“ Er trug es auf seiner Schulter, ging weiter und begegnete Gott im Dornbusch. 

Der Heilige, gepriesen sei Er, sagte: „Du hast Mitgefühl mit den Herden, die zu Fleisch und Blut gehören; bei deinem Leben, du bist es, der meine Herde, Israel, hüten wird.“

Mose bewarb sich nicht darum, Israel zu führen. Obwohl sein ganzes Leben eine Zubereitung auf diese besondere Aufgabe war, ist er sehr verwundert, dass die Wahl Gottes auf ihn fiel. Die überlieferte Geschichte oben ist Moses „Qualifikationsnachweis“. Nicht seine ägyptische Ausbildung ist es, nicht seine innere Verbundenheit zu seiner Herkunft und auch keine besonderen Beziehungen geben den Ausschlag für seinen Auftrag. Auch nennt er sich selbst nicht Meister oder Experte – all das beeindruckt vielleicht Ägypter, aber Gott interessiert sich für so etwas nicht. 

„Ach, jetzt weiß ich, weshalb du weggelaufen bist, du kleines Schäfchen; du hattest Durst, und ich habe es nicht bemerkt. Komm, du bist schwach, ich trage dich und bringe dich zurück.“ 

Ein Geschehen ohne Zeugen an einem verborgenen Ort. Und doch nicht verborgen. Wenn dein Leben mit allen seinen Ausbildungen und gewonnenen Erkenntnissen darein mündet, dass du dich insbesondere dann um das Geringste kümmerst, wenn es niemand sieht, rufst du Gott schneller in dein Leben als durch vermeintlich fromme Übungen. Echte Bescheidenheit zeigt sich im Handeln ohne Zeugen. Gottes Reden zu uns und seine Aufgaben für uns hängen von unserem Verhalten im Verborgenen ab. Dadurch wird unser gesamtes Leben veredelt oder entwertet. Gott sieht es, sei dir dessen gewiss.