Wir werden zurückkommen!

image_pdfimage_print

Wenn sich Abraham mit seinem Sohn Jizchak (Isaak) an den Ort begibt, der aus menschlich logischer Sicht das Ende bedeutet, spricht er zu den beiden „Jünglingen“ (na’ar, 50+70+200):

Bleibt ihr hier mit dem Esel; ich aber und der Jüngling wollen bis dorthin gehen und anbeten [eigentlich „uns beugen“] und wir werden zu euch zurückkehren.

1. Mose 22:5

Auffallend ist Abrahams Respekt im Umgang mit den beiden Begleitern, die der Überlieferung nach Jischmael (Ismael) und (Abrahams Knecht) Elieser sind. Er nennt seinen eigenen Sohn ihnen gegenüber nicht Sohn, wodurch er Jizchak eine Sonderstellung eingeräumt hätte, sondern ebenso „Jüngling“. Abraham setzt in dieser Situation alle drei, indem er sie alle Jünglinge nennt, auf dasselbe Niveau.
Jischmael bedeutet „er hört Gott“, Elieser ist „mein Gott hilft“ und Jizchak, sein Sohn, bedeutet „er lacht“. Der Letztgenannte soll „aufsteigen gelassen werden“ (das hebr. olah, 70+30+5 wurde irgendwann kontextbezogen zum Begriff „Opfer“ umstilisiert). In diesem Kontext von Vater und Sohn wird das Wort Liebe (ahavá) zum ersten Mal in der Bibel genannt und damit in seinem Charakter verwurzelt (1. Mose 22:2). „Liebe“ wird zu Beginn grundlegend weder in Bezug auf Mann und Frau, noch auf Mutter und Kind, noch auf die Beziehung Gott und Mensch oder umgekehrt genannt! Die ganze Erzählung der sogenannten „Opferung Isaaks“ enthält im Hebräischen nirgends das Wort „Opfer“, sie wird im Original akeda genannt, was „Bindung“ heißt (> 1. Mose 22:9). Wenn man diese Zusammenhänge nicht kennt, kommt man zwangsläufig zu falschen Schlussfolgerungen.

Abrahams Aussage w‘naschuváh („und wir werden zurückkehren“) kennzeichnet unser eigenes Leben hier auf Erden. Im Sichtbaren ist alles, was hervorkommt, auf dem Weg zu seinem Ende. Wie Industrie-Eier direkt einen Stempel mit dem Legedatum bekommen, so erhält hier gewissermaßen alles Erscheinende einen Stempel bei Eintritt in das für das Licht undurchdringbare Wesen. Durch die Dehnung der Zeit sehen wir unsere eigene körperliche Veränderung nicht direkt, sondern nur im Vergleich über einen längeren Zeitraum. Diese Täuschung ist jedoch nötig, weil dem Menschen sonst sofort jede Motivation entfallen würde, dennoch darf er nicht vergessen, dass der äußere Ausdruck des Inneren nur einen vorübergehenden Charakter haben wird.

Abraham ahnt, dass das Ende des Erscheinenden nicht das Ende ist, wovon wir sagen: „So, das war’s, aus und vorbei!“ Das wäre ein heidnischer Ansatz, der das Leben auf eine gewisse Zeit begrenzt. Nein, wir kommen wieder, ganz im Sinne der Auferstehung, das Ende ist nicht das Ende.
Abraham und Jizchak gehen als „Einheit“, so steht es in 1. Mose 22:6 am Ende: „und sie gingen beide miteinander.“ Jachad, 10+8+4, ist der Begriff für „miteinander“ oder „Einheit“. Es hängt nicht nur mit echad, 1+8+4 (eins), zusammen, sondern zählt auch 22. Die Einheit und die Trennung von Vater und Sohn drücken sich paradoxerweise beide in der 22 aus.
Abraham und Jizchak, Vater und Sohn, gehen äußerlich wie 2, sind aber in Wirklichkeit 1. Ebenso erscheinen die 22 hebräischen Zeichen geteilt, tatsächlich aber sind sie Ausdruck der Einheit.
Jizchak ist die linke Seite Abrahams, er ist die Seite der Hülle, des Wassers, wohingegen Abraham das Innere und das Feuer ist*. Jizchak zählt genau wie Hagar (der Ägypterin) 208, wodurch noch einmal betont wird, worum es hier eigentlich geht: Dein Weg soll nicht die Verherrlichung deines Körpers sein, sondern dessen „Bindung“. Die „4“, alles, was das Sichtbare und Messbare an dir ist, muss zur „1“ gebunden werden. Man weist darauf hin, dass das Binden denselben Zahlenwert hat wie der Garten Eden, das Paradies, nämlich 179. Durch die Bindung erhält der Mensch Zugang zum Baum des Lebens, der die 1 gegenüber der 4 des Baumes des Wissens von gut und böse ist. Im Wort moschiach (Messias) drückt sich die Verbindung zwischen „Gebunden-Sein“ und Paradies dann direkt in der Summe der Zeichen aus: 358 (2 x 179). Das „wir werden wiederkehren“ liest man auch als „die 358“ (ha-naschuv, 50+300+6+2). Naschuv kommt 13x im Thenach vor und Jizchak als Konsonantenblock (10+90+8+100) kommt genau 111x vor. Die Bibel erzählt es „einfach“. Es ist dein Leben in allen seinen Facetten, innerlich und äußerlich kannst, darfst und sollst du im Glauben und Vertrauen sagen: Wir werden zurückkehren!

* Mehr dazu bei F. Weinreb in „Schöpfung im Wort“

Hagar, “die Ägyptische” ist das Äußere, wie es “normal” erscheint, wohingegen Jizchak das Erscheinende als Wunder ist.


Durch das Binden erhält der Mensch Zugang zum Baum des Lebens. Er erkennt die Einheit beider Bäume. Im Wort moschiach drückt es sich ebenso aus. Der Eine an der Vier im Bild des Kreuzes erzählt es ebenso.